Holte Bronze: Stefan Danziger in der Rolle des Berliner Stadtführers Foto: promo

Auch Komiker sind nur Kinder der Leistungsgesellschaft und wollen wissen, wer der Beste ist. Die acht Sieger der monatlich in Stuttgart ausgetragenen „Comedy Clashs“ standen nun beim „Master Comedy Clash“ im Theaterhaus auf der Bühne, um ihren Meister zu küren.

Stuttgart - Da sich im kapitalistischen Wettbewerbsalltag ja ohnehin jeder an das angeblich in der Natur des Menschen liegende Einander-Bekämpfen zu gewöhnen scheint, ist es nur konsequent, dass auch Komiker gegeneinander antreten. Die acht erlesenen Sieger der monatlich in Stuttgart ausgetragenen „Comedy Clashs“ standen am Samstagabend beim „Master Comedy Clash“ im Theaterhaus auf der Bühne, um den begnadetsten aller Bühnenhumoristen zu ermitteln. Jeder Gast votierte mittels Chip, den es dem Lieblingsbajazzo in die Wahlurne zu werfen galt.

Veranstalter Marc Balluff hatte zu Beginn korrekt prognostiziert, der Abend dauere dreieinhalb Stunden und damit ein Massenstöhnen ausgelöst. Der moderierende Magier Christopher Köhler konnte derlei Pessimisten indes schnell wieder begeistern. Erst mit Kartentricks, später mit Witzen aus dem Witzebuch: „Was ist das Gegenteil von Fernsehmüdigkeit? Radioaktivität!“ Nicht der schlechteste Jokus des Tages.

Sämtliche Künstler setzten auf klassische Stand-Up-Comedy. Kaum verwunderlich also, dass es die drei aufs Treppchen schafften, die sich davor hüteten, szenetypische Themen wie „Partnerschaft“ und „Familie“ zu bearbeiten.

Bronze-Gewinner Stefan Danziger etwa erzählte von seiner Tätigkeit als Stadtführer in Berlin. Urlaubende US-Amerikaner fragten ihn gelegentlich, warum die Ostdeutschen damals nicht einfach um die Mauer herumgelaufen seien.

Gewonnen hat? Ein Lehrer!

Zum zweiten Sieger avancierte Berhane Berhane. Auch wenn die Schreibsoftware auf die Option „Wiederholtes Wort löschen“ verweist: Der Heidelberger mit äthiopischen Wurzeln heißt respektive nennt sich so. Er beträufelt gerne mal einen Würfelzucker mit Flüssigkeit, lässt den Apotheker kosten und berichtet selbigem daraufhin vom Rat des zuvor aufgesuchten Arztes, den eigenen Urin auf Zucker testen zu lassen. Bekrittelt sei, dass Berhane nach seinen Pointen gerne mit aufgerissenen Augen und offenem Mund ins Publikum glotzt, also ein mimikgewordenes „Bitte lachen!“-Plakat darstellt.

Und gewonnen hat: ein Lehrer. Als „Herr Schröder“ gelingt es dem ehemaligen Pauker Johannes Schröder mitunter, anders als etwa der entsetzlichen „Fack Ju Göhte“-Filmreihe, das proletenhafte Gehabe der Pennäler, anscheinend ja Usus an deutschen Schulen, auf feine Art vorzuführen, ohne es gänzlich zu verlachen. Man freue sich im Kollegium etwa, dass Gymnasiast Justin unerwarteterweise das Abitur mit 1,6 bestanden habe – allerdings Promille.

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