Das Mahnmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft am Stauffenbergplatz wird immer wieder als Toilette missbraucht. Foto: Piechowski

Die Kritik eines Kulturvereins der Sinti und Roma zeitigt Wirkung: Die Stadt kündigt an, sich stärker um das häufig verschmutzte Mahnmal am Stauffenbergplatz zu kümmern. Aber wird es auch wieder beleuchtet?

Die Stadt Stuttgart reagiert auf die wiederkehrenden Klagen – zuletzt von einem Kulturverein der Sinti und Roma – wegen der Verschmutzung des Mahnmals für die Opfer des Nationalsozialismus am Stauffenbergplatz. Das Kulturamt stehe in engem Austausch mit dem Kulturverein und dessen Vorstandsvorsitzendem Stephan Lauster, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Gleichzeitig bestätigte sie, dass die Zuständigkeit für das Mahnmal bei der Stadt und nicht beim Land liegt, nachdem es darüber zuletzt Irritationen gegeben hatte: „Der Stauffenberg-Platz ist Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Das Mahnmal selbst befindet sich im Besitz der Landeshauptstadt Stuttgart, weshalb auch sein Standort der Landeshauptstadt überlassen wurde“, sagte die Sprecherin.

 

Stadt erhöht den Turnus der Reinigung

Die Stadt will sich nun verstärkt darum kümmern, dass das Mahnmal nicht immer wieder als Toilette missbraucht wird. Die Sprecherin kündigte an, dass die Abfallwirtschaft Stuttgart „den Turnus der Reinigung erhöhen wird“. Bei Veranstaltungen auf dem angrenzenden Karlsplatz würde es stets zur Auflage gemacht, für ausreichende WCs zu sorgen. „Es wird geprüft, ob bei Großveranstaltungen dauerhaft weitere WC-Anlagen außerhalb der Veranstaltungsflächen aufgestellt werden können“, sagte die Sprecherin weiter.

Auch die von dem Kulturverein erhobene Forderung nach einer Wiederinbetriebnahme der Beleuchtung wird geprüft. „Die Beleuchtung wurde 2007 in Form von drei Lichtstrahlern realisiert und hatte neben der Beleuchtung von Platz und Mahnmal auch zum Zweck, das unerwünschte Urinieren durch Ausleuchtung zu unterbinden“, erklärt die Stadt: „Die zuständigen Ämter der Landeshauptstadt Stuttgart wurden bereits zum Thema kontaktiert und die Hinweise über fehlende Beleuchtung weitergeleitet.“

Mitglieder des Vereins Indus Kunst und Kultur der Sinti und Roma hatten unlängst eine Abendveranstaltung beim Mahnmal geplant, mussten diese aufgrund der starken Verschmutzung jedoch an dieser Stelle ausfallen lassen. Nach den Worten ihres Sprechers endete das Vorhaben „mit einer unerwarteten Peinlichkeit, um nicht zu sagen, mit einer regelrechten Schweinerei. Der Zustand des Mahnmals ähnelte eher einer Kloake.“ An die Stadt hatte der Kulturverein die dringende Bitte gerichtet, „umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um die Beleuchtung des Mahnmals wieder herzustellen“. Nur so könne gewährleistet werden, dass es die gebührende Achtung erfährt.

Das Mahnmal erinnert an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft

Das von dem Künstler Elmar Daucher geschaffene Mahnmal mit den charakteristischen vier Steinquadern steht seit 1970 auf dem Stauffenbergplatz. Drei Würfel tragen einen vierten; im Zentrum befindet sich ein Hohlraum mit einer Granitplatte, auf der ein Zitat des Philosophen Ernst Bloch steht: „1933–1945 Verfemt Verstossen Gemartert Erschlagen Erhängt Vergast Millionen Opfer Der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Beschwören Dich: Niemals wieder!“