Maßnahme gegen Lehrermangel Lehrer sollen Überstunden machen

Von Rainer Wehaus 

Wie man es auch rechnet: In Baden-Württemberg fehlen Lehrer, vor allem in den Naturwissenschaften. Derzeit sind  560 Lehrerstellen nicht besetzt, darunter  300 an Grundschulen und viele im ländlichen Raum. Foto: dpa
Wie man es auch rechnet: In Baden-Württemberg fehlen Lehrer, vor allem in den Naturwissenschaften. Derzeit sind 560 Lehrerstellen nicht besetzt, darunter 300 an Grundschulen und viele im ländlichen Raum. Foto: dpa

Um den Engpass in der Lehrerversorgung zu überbrücken, denkt Baden-Württemberg auch über ungewöhnliche Maßnahmen nach. Die sind allerdings regierungsintern nicht unumstritten.

Stuttgart - Angesichts des akuten Lehrermangels will Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) gefragte Lehrkräfte dazu bringen, in den nächsten Jahren freiwillig etwas mehr zu arbeiten. Die Überstunden sollen entweder bezahlt oder in späteren Jahren wieder abgebaut werden können. „Die Rückmeldung von Lehrkräften zeigen mir deutlich, dass beide Angebote auf Interesse stoßen würden“, sagte Eisenmann den „Stuttgarter Nachrichten“.

Finanzministerium hat Bedenken

Zwar hat das Finanzministerium gegen das Bezahlen von Überstunden noch beamtenrechtliche Bedenken. Diese werden aber von Eisenmann nicht geteilt. „Ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir beide Vorschläge gegenüber dem Finanzministerium erfolgreich verhandeln können“, sagte sie. Dann könnte die Mehrarbeit bereits zum kommenden Schuljahr angeboten werden.

Probleme vor allem an Grundschulen

Laut Kultusministerium soll das Angebot nicht allen 117 000 Lehrkräften im Land unterbreitet werden, sondern nur in den Gegenden und Bereichen, wo Mangel herrscht: Momentan seien 560 Lehrerstellen nicht besetzt. Darunter sind 300 an Grundschulen und viele im ländlichen Raum. Einen hohen Bedarf gebe es auch für naturwissenschaftliche und technische Fächer an den weiterführenden Schulen sowie an den Berufsschulen, wo auch Lehrer in den Bereichen Sozialpädagogik und Pflege händeringend gesucht werden.

Zwei Modelle stehen zur Wahl

Die entsprechenden Lehrer sollen wählen dürfen zwischen einer Vergütung der Überstunden zum regulären Satz sowie einem Vorgriffsmodell: Bei diesem würde sich ihre wöchentliche Unterrichtsverpflichtung (je nach Schulart zwischen 25 und 28 Schulstunden) zwei Jahre lang um eine Stunde erhöhen. Danach würde ihre Stundenzahl zunächst wieder für den gleichen Zeitraum auf das reguläre Niveau gesenkt, bevor die Lehrer dann weitere zwei Jahre lang eine Stunde weniger arbeiten müssten.

https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.unterrichtsausfall-an-stuttgarter-schulen-der-kampf-gegen-den-lehrermangel.cd9c2d38-eb7f-4a4a-a898-fbf563d524b0.html

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