Viele Angestellten des Esslinger Unternehmens sind unsicher, ob sie ihren Arbeitsplatz behalten werden. Foto: Roberto Bulgrin

1300 Arbeitsplätze will der Esslinger Automatisierungsspezialist Festo in Deutschland abbauen. Die Belegschaft ist verunsichert, die Gewerkschaft übt scharfe Kritik.

Seit Wochen schon sei die Stimmung gedrückt, sagt eine Mitarbeiterin vor den Werkstoren von Festo. An diesem Freitag wurde die Belegschaft des Maschinenbauers mit Sitz in Esslingen darüber informiert, dass deutschlandweit 1300 Stellen abgebaut werden sollen.

 

„Wir wurden heute Mittag per Aushang im Intranet informiert“, sagt ein weiterer Mitarbeiter. Seinen Namen wollte er lieber nicht nennen. Er fühle sich unsicher, weil er befürchtet, dass besonders viele Stellenstreichungen auf den Hauptsitz in Esslingen entfallen werden. Er arbeite in der Entwicklung, wie etwa 1500 andere Beschäftigte auch. „Hier ist eben der Wasserkopf, den man verkleinern will“, mutmaßt er. Er gehe mit einem unguten Gefühl ins Wochenende: „Die Kommunikation könnte anders laufen“, bemängelt er. „Das hat nichts mit offen zu tun.“

Festo-Vorstand: Darum sind die Stellenstreichungen notwendig

Der Stellenabbau sei Teil eines globalen Transformationsprogramms, sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Böck. „Für uns ist entscheidend, dass wir wettbewerbsfähig bleiben, auch in einem hochdynamischen Umfeld.“ In erster Linie gehe es darum, das Unternehmen gegenüber asiatischen Firmen, die ob der amerikanischen Zölle nun stärker nach Europa expandieren, konkurrenzfähig zu halten. Man wolle die Stellen sozialverträglich abbauen. Betriebsbedingte Kündigungen seien eine Option, „aber wir versuchen dies größtmöglich zu vermeiden“.

Im Interview mit unserer Zeitung erklärte der Festo-Vorstandsvorsitzende Thomas Böck die Gründe für die Neuausrichtung des Unternehmens. Foto: Roberto Bulgrin

Für einen Mitarbeiter, der nach eigenen Angaben Personalführungsverantwortung trägt, ist dieser Schritt längst überfällig. „Es kam schon überraschend, aber war notwendig“, meint er. In Europa sehe es wirtschaftlich derzeit „nicht gerade rosig“ aus. „Jetzt sind natürlich alle gespannt, ob es die richtigen Maßnahmen sind.“

Kritik von der Gewerkschaft

Die IG Metall kritisiert den Stellenabbau bei Festo scharf. „Das hat uns und die Beschäftigten eiskalt erwischt“, wird Max Czipf in einer Stellungnahme der Gewerkschaft zitiert. Czipf ist der erste Bevollmächtigte der IG Metall Esslingen. Vor allem das Ausmaß der geplanten Maßnahmen sei überraschend. Die Folgen würden langfristig nicht nur die Region, sondern auch die Menschen und den sozialen Zusammenhalt stark treffen. Die Gewerkschaft fordert Festo auf, auf Kündigungen zu verzichten und sofort Gespräche zu führen. Ziel sei es, zukunftsfähige Lösungen zu finden, die Arbeitsplätze sichern.

„Es ist unklar: Wen wird es treffen?“, fasst ein weiterer Festo-Angestellter, der in der Forschung tätig ist, seine Sorgen zusammen. Er habe nicht das Gefühl gehabt, dass es dem Unternehmen wirtschaftlich schlecht gehe. Vor allem kritisiert er, dass nur angekündigt wurde, dass Stellen wegfallen, aber nicht wo: „Ich hatte auf weitere Infos gehofft“, sagt er.