Ein asiatischer Marienkäfer, leicht zu erkennen am „W“ auf dem Halsschild. Foto: dpa/Felix Kästle

Marienkäfer überall: Die Insekten versammeln sich derzeit, um gemeinsam ein Winterquartier zu suchen. Warum sie das gemeinsam tun und warum sie im Haus nicht überwintern können, erklärt der Biologe und Insektenexperte Stefan Kress vom NABU Stuttgart.

Stuttgart - Kinder sammeln sie derzeit massenhaft von der Hauswand ab und setzen sie in Eimer, um sie zu beobachten, und selbst aus der Wohnung muss man sie immer wieder mit Hilfe eines Bechers und eines Stückes Papier sanft hinausbugsieren: Marienkäfer. Die kleinen Glücksbringer lassen sich momentan gerne in Gruppen oder mitunter auch in großen Scharen an sonnigen Plätzen an der Fassade nieder – oder verirren sich schon auch mal ins Haus hinein.

„Das ist ein durchaus typisches Verhalten“, sagt Stefan Kress, Biologe und Insektenexperte beim Naturschutzbund (NABU) Stuttgart. „Die Marienkäfer tun sich immer um diese Jahreszeit zusammen und suchen gemeinsam nach einer Überwinterungsmöglichkeit.“ Geeignete Winterquartiere sind etwa Laubhaufen, Komposthaufen oder Mauerritzen. „Deshalb ist es auch wichtig, im Garten nicht immer alles aufzuräumen“, sagt Kress.

Das gemeinsame Überwintern erspart im Frühjahr die Partnersuche

Warum die Krabbler in Gruppen überwintern, hat laut Kress den einfachen Grund, dass sie, wenn sie im Frühjahr aus der Winterstarre erwachen, sich sogleich paaren können. „Das erspart die Partnersuche.“

Man lese, so Kress, momentan auch immer wieder, dass die Marienkäfer teilweise auch in den Süden abwandern und hier noch einmal die letzten Sonnenstrahlen für ihre Reise tanken. Er jedoch sei sich da nicht ganz sicher: „Zumindest ist das etwas, was bisher nicht bekannt war.“ Die These, dass die Marienkäfer vielleicht schon in der Winterstarre waren, und nun, wegen des guten Wetters, noch einmal aus ihren Quartieren krabbeln, findet er indes durchaus plausibel.

Marienkäfer aus der Wohnung tragen, sonst verhungern sie

Auf der Suche nach dem Winterquartier verirren sich die Marienkäfer gerne mal ins Haus hinein. Dort zu überwintern ist allerdings keine gute Idee. „Marienkäfer reagieren mehr auf Wärme als auf die Tageslänge. In der Wohnung fallen sie also nicht in Winterstarre – und verhungern. Deshalb sollte man sie ins Freie setzen – entweder mit Becher und Papier, bei größeren Mengen kann man auch eine Socke über das Staubsaugerrohr stülpen und sie auf der niedrigsten Leistungsstufe dort hinein saugen, um sie dann in die Natur zu entlassen.

Warum die Marienkäfer in diesem Jahr besonders gehäuft auftreten, weiß Kress nicht. Er vermutet aber, dass es „schlicht ein gutes Marienkäferjahr mit vielen Blattläusen war“. Im Vergleich zu vielen anderen Insekten sind Marienkäfer – bis auf einige Arten – nicht ganz so stark vom Aussterben bedroht. Allerdings wird der heimische Marienkäfer – etwa der Siebenpunkt oder der Zweipunkt – mehr und mehr vom asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis) verdrängt. Dieser wurde im Jahr 2002 erstmals in Deutschland gefunden; er kann extrem variabel gefärbt sein, 19 Punkte aufweisen oder auch schwarz sein, so Kress. Auf seinem Halsschild ist, wenn man von vorne auf ihn schaut, ein „W“ zu erkennen. Wenn der Siebenpunkt die Larven des asiatischen Marienkäfers frisst, stirbt er, da er sich an den Krankheitserregern, die diese Larve in sich trägt, vergiftet. „Dem asiatischen Marienkäfer macht das dagegen nichts aus, da er einen Stoff in sich trägt, der ihn immun dagegen macht.“ Deutsche Forscher isolieren derzeit diesen Stoff, der antibiotische Wirkung hat. „So kann ein kleines Tier uns vielleicht dabei helfen, neue Medikamente zu finden, etwa, wenn unsere Antibiotika nicht mehr wirken“, sagt Kress.

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