Auf dem Las Vegas Strip werden die Spuren nach dem Kugelhagel gesichert. Der Schütze Stephen Paddock hat in diesem Haus in Mesquite im Bundesstaat Nevada gelebt. Foto: AP

Bei dem Massaker von Las Vegas kommen mindestens 59 Menschen ums Leben. Doch die US-Regierung sieht keinen Anlass, über die Waffengesetze im Land zu sprechen.

Stuttgart - Countrymusiker Jason Aldean steht auf der Bühne des „Route 91 Harvest Music Festival” in Las Vegas und singt sein letztes Lied dieses Abends: „When She Says Baby.“ Aus der Richtung des nahen Mandalay Bay Hotel kommen Knallgeräusche, die von den meisten der rund 22 000 Zuschauer des Freiluftkonzerts zuerst für harmlose Explosionen von Feuerwerkskörpern gehalten werden. Plötzlich brechen die ersten Menschen blutend zusammen, Aldean rennt von der Bühne, während sich die Zuschauer flach auf den Boden werfen oder geduckt zum Ausgang laufen. Das schlimmste Schusswaffenmassaker der US-Geschichte hat begonnen. Am Ende werden 59 Menschen tot und über 500 weitere verletzt sein.

Auf dem Platz vor der Bühne gibt es kaum Deckung vor dem Kugelhagel. „Bleibt unten“, ruft ein Mann. Manche werfen sich auf ihre Kinder. „Sie sind 20, ich bin 53“, sagt ein Festivalgast. „Ich hatte ein gutes Leben.“ Andere versuchen, über die Zäune des Festivalgeländes zu klettern, um sich in Sicherheit zu bringen. Polizeibeamte suchen Schutz hinter ihren Streifenwagen; nicht alle entkommen den Schüssen. Augenzeugen berichten von Menschen, die ihre sterbenden Angehörigen in den Armen halten. Im 32. Stockwerk des Fünfsternehotels Mandalay Bay, das nur durch eine Straßenkreuzung vom Festivalgelände getrennt ist, steht der 64-jährige Stephen Paddock am Fenster und schießt mit einem automatischen Gewehr auf die Menge unter ihm. Seine Opfer können das Mündungsfeuer seiner Waffe sehen, mehrere Hundert Schüsse peitschen über den Platz. Zehn bis fünfzehn Minuten lang hätten die Schüsse angehalten, berichtet Konzertbesucherin Rachel de Kerf. „Wir rannten um unser Leben.“ Mehrmals verstummt der Schütze für etwa eine halbe Minute: Paddock lädt nach.

Die Polizisten finden die Suite, weil der Feuermelder losgeht

Unterdessen kommen Beamte eines Sondereinsatzkommandos der Polizei im 32. Stockwerk des Mandalay-Hotels an. Ein Feuermelder, der vom Pulverdampf in der Suite aufheulte, hilft dem Sondereinsatzkommando das Zimmer zu finden, aus dem die Schüsse fallen. Paddock schießt durch die Tür nach draußen und verletzt einen Polizisten. Die Beamten sprengen die Tür zu Paddocks Zimmer auf, werfen eine Blendgranate hinein und stürmen hinterher. Doch Paddock ist tot. Nach Polizeiangaben hat er sich selbst erschossen. In der Suite finden die Beamten 23 Waffen, Stative und Munition. Über die Motive des Täters ist zunächst nichts bekannt.

Paddock hatte das Massaker minutiös geplant. In dem Fünfsternehotel mietete er sich am vergangenen Donnerstag eine Suite mit Blick auf das Konzertgelände und versammelte ein regelrechtes Waffenarsenal um sich. Weitere 19 Gewehre und Pistolen stellten sie bei der Durchsuchung seines Hauses in der Pensionärssiedlung Sun City im rund 120 Kilometer entfernten Mesquite sicher. In dem Wüstenstädtchen lebte der 64-Jährige mit seiner Freundin ein unauffälliges Leben. Und hier erwarb er kürzlich bei Guns & Guitar seine jüngsten Ergänzungen der Waffenkollektion. „Er hat bei uns nicht den Eindruck hinterlassen, instabil oder unfit zu sein“, teilten die Besitzer des Ladens mit. „Er hat alle Überprüfungen bestanden.“ Seine Lebensgefährtin Marilou Danley wird zunächst von der Polizei gesucht. Später verlautet, sie habe wohl nichts mit der Gewalttat zu tun gehabt. Der in Florida lebende Bruder des Todesschützen, Eric Paddock, sagt in Interviews, sein Bruder sei unpolitisch und auch nicht religiös gewesen.

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