Jahreszeittypisch sind die Masern wieder auf dem Vormarsch – auch deshalb, weil zu wenige Menschen geimpft sind. Foto: dpa

Die Zahl der Masern-Erkrankungen steigt auch im Südwesten. Handelt die Politik jetzt?

Stuttgart - Es ist wieder so weit – die Masern melden sich in Baden-Württemberg verstärkt zurück, wie regelmäßig im Frühjahr. Seit Anfang März haben zehn der 44 Stadt- und Landkreise Fälle der meldepflichtigen Viruserkrankung registriert. Seit Jahresbeginn waren es bisher nach Angaben des Sozialministeriums in Stuttgart landesweit insgesamt 45 Infektionen. Im Vergleichszeitraum 2018 waren es dagegen im Südwesten nur 14 Fälle gewesen.

Auch anderswo ist das Masernvirus wieder ziemlich aktiv. So im Landkreis Hildesheim (Niedersachsen), wo es im Umfeld einer Schule allein 32 Erkrankungen gab. Angesicht der sich häufenden Fälle ist erneut eine politische Debatte über das Thema Impfpflicht gegen Masern entbrannt. Die große Koalition prüfe eine entsprechende Regelung, kündigte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach jüngst an. Er führe dazu Gespräche mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die ihn zuversichtlich stimmten. Spahn hatte sich in der Vergangenheit wiederholt für eine Pflicht zur Immunisierung ausgesprochen. Aber da war er noch nicht Minister.

CDU-Expertin Maag: Frankreichs Erfahrungen auswerten

Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, äußerte sich zurückhaltend. Sie rät dazu, zunächst Erkenntnisse etwa aus Frankreich auszuwerten, das bereits eine Impfpflicht eingeführt hat. Wenn sich zeige, dass dies zu besseren Impfquoten führe, sollte das Gesundheitsministerium einschreiten, so Maag gegenüber unserer Zeitung. Sie verweist darauf, dass Minister Spahn schon heute Schutzimpfungen für bedrohte Teile der Bevölkerung per Rechtsverordnung auf den Weg bringen könne, wenn eine übertragbare Krankheit mit klinisch schweren Verlaufsformen auftritt und mit einer epidemischen Verbreitung zu rechnen ist.

Landessozialminister Manfred Lucha (Grüne) fordert dagegen, „die Diskussion um eine Impfpflicht nun ernsthaft zu führen“. Grundsätzlich sei es zwar besser, auf Zwang und Sanktionen zu verzichten und stattdessen auf Beratung und Appelle zu setzen. Aber die aktuelle Zunahme der Masernerkrankungen und die permanente Unterschreitung der empfohlenen Impfquote von 95 Prozent für die zweite Masernimpfung auch in Baden-Württemberg zeigten, dass dies allein nicht genüge.

„Ich persönlich denke, dass eine Impfpflicht für Masern kein Tabu sein darf“, so Lucha gegenüber unserer Zeitung. Für eine Impfpflicht spreche zum einen der schwere Verlauf der Krankheit mit dem Risiko lebensbedrohlicher Komplikationen, zum anderen der Schutz von Säuglingen, deren Immunsystem noch keinen Impfschutz entwickeln kann, sowie von älteren Kindern und Erwachsenen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können.

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