Der Maschinenbauverband VDMA in Baden-Württemberg warnt vor einem hohen Tarifabschluss in der Metallindustrie, wenn sich der Jobabbau nicht beschleunigen soll. Immer härter wird der Wettbewerb mit den Chinesen.
Wegen der Schwächephase des Maschinenbaus im Land rechnet der Verband VDMA Baden-Württemberg für 2025 mit einem moderaten Jobabbau. Wie stark dieser ausfalle, werde aber nicht nur von der weiteren Auftragslage, sondern auch von dem Verlauf der Metalltarifrunde abhängen, weshalb der Verband vor einem hohen Lohnabschluss warnt.
Im Juli waren in den Maschinenbaubetrieben des Landes mit mehr als 50 Beschäftigten noch etwa 295 000 Personen tätig. In diesen Betrieben „werden wir eine Verringerung der Beschäftigung im unteren einstelligen Prozentbereich sehen“, sagte der Geschäftsführer Dietrich Birk. Es werde zumindest nach aktuellem Stand nicht zum deutlichen Personalabbau in Größenordnungen zwischen zehn und 20 Prozent kommen. „Den sehen wir derzeit nicht.“ Einer Verbandsumfrage zufolge wollen vier von fünf Unternehmen die Stammbelegschaft halten.
Mathias Kammüller, Vorsitzender des VDMA Baden-Württemberg, sagte: „Jeder hofft, dass der Auftragseingang im nächsten Jahr wieder aufwärts geht und dass wir die Beschäftigung so weit wie möglich halten können.“ Doch der Silberstreif am Horizont sei noch nicht in Sicht. Vielmehr könnte der Maschinenbau in diesem Jahr „zum ersten Mal seit dem Coronajahr 2020 auf ein nominales Umsatzniveau von rund 84 Milliarden Euro zurückfallen – dies wäre ein Minus von vier Prozent gegenüber 2023.“ Insgesamt bewege sich die Branche „im Stagnationsmodus“. Zudem herrsche ein großer „Verdruss in weiten Teilen der Wirtschaft über die politische Polarisierung in unserem Land“.
Arbeitszeit und Bezüge werden gekürzt
Nachdem weitgehend schon ein Einstellungsstopp verhängt würde, bauen die meisten Unternehmen erst einmal die Konjunkturarbeitszeittöpfe ab – mit der Möglichkeit, bei den Arbeitsstunden in den Minusbereich zu gehen. In der Folge könnte es zu Kurzarbeit oder zur Anwendung des Tarifvertrags Beschäftigungssicherung kommen, was letztlich zu Gehaltseinbußen führt. Auch Kammüllers Unternehmen Trumpf macht das derzeit so.
Birk zufolge ist der Maschinenbau im Land die am stärksten von Kurzarbeit betroffene Branche – „aber immer noch auf einem deutlich deutlich niedrigerem Niveau als etwa während der Corona-Phase“. Im Januar seien 5000 Beschäftigte für die Kurzarbeit angemeldet worden, im Mai nur noch 2400, woraufhin wieder ein Zuwachs auf etwa 3400 Betroffene im Juli folgte. „Wir sehen aber, dass die Kurzarbeit und der Tarifvertrag Beschäftigungssicherung wieder viel stärker in den Blickpunkt rücken.“ Aktuell sei noch ein Puffer drin, ergänzte Kammüller. Wenn die Schwächephase aber „deutlich ins nächste Kalenderjahr reingeht, müssen andere Maßnahmen überlegt werden“. Denn wenn sich die Sicherungsinstrumente erschöpft hätten, „bleibt letztlich auch nichts anderes übrig, als sich von Personal zu trennen“, so Birk, womit er aber auch Vorruhestandsregelungen als Option im Blick hat. Derweil hat die Insolvenzgefahr laut dem VDMA „bislang nicht signifikant zugenommen“ – das heißt: „Wir bewegen uns auf einem moderaten Niveau.“
Angesichts der „ernsten Lage“ kritisiert Kammüller die Sieben-Prozent-Forderung der IG Metall in der Tarifrunde, die an diesem Dienstag in Ludwigsburg fortgesetzt wird, als „völlig unrealistisch“ – zumal die Personalkosten im Maschinenbau deutlich höher seien als im Automobil- und Zuliefererbereich, wo mehr automatisiert worden ist. Die Unternehmen kämpften hart gegen chinesische Maschinen auf dem europäischen Markt, deren Arbeitskosten nur 20 Prozent im Vergleich mit denen in Deutschland betragen. „Da gilt heute nicht mehr, dass die Chinesen entsprechend weniger produktiv sind“, sagte der Verbandschef. „Die sind vergleichbar mit unseren Mitarbeitern in Polen, wo auch Trumpf und viele andere Maschinenbauunternehmen aktiv sind.“ In Polen lägen die Arbeitskosten bei 40 Prozent des deutschen Niveaus.
Laut einer VDMA-Umfrage beurteilen 242 teilnehmende Unternehmen die Absatzchancen in China mehrheitlich als schlecht (34 Prozent) und sehr schlecht (20 Prozent). Die Geschäftsentwicklung wird für keine andere Region weltweit so düster bewertet. „China hat eine deutliche Schwäche“, erläutert Kammüller. Der Markt habe sich extrem stark entwickelt, kapsele sich aber mehr und mehr von anderen Ländern ab. „Auch die politische Isolation ist ein schwieriger Weg.“
Chinesische Maschinen sind viel günstiger
Zudem würden die Chinesen den Weltmarkt mit Autos und Maschinen „fluten“ – hergestellt zu „völlig ungewöhnlichen Preisen“. Früher seien deutsche Maschinen im Premiumbereich etwa 30 Prozent teurer gewesen als chinesische. In den vergangenen fünf Jahren mussten aber schon doppelt oder gar viermal so hohe Preise gezahlt werden.
„Dann wird es schwierig, da noch mit besserer Produktivität zu argumentieren“, sagte Kammüller. Es sei eine „ganz intensive Aufgabe der meisten Maschinenbaufirmen, sich noch stärker durch Innovation zu unterscheiden“ – zugleich „müssen wir auch selbst viel tun, um günstiger zu werden“.