Nur dank eines Sondereffekts hat der Reutlinger Maschinenbauer Manz im vergangenen Jahr schwarze Zahlen geschrieben. Foto: Manz

Mit vielen Vorschusslorbeeren war Gunnar Voss von Dahlen Mitte 2017 in den Vorstand des Reutlinger Maschinenbauers berufen worden. Nun ist er mit sofortiger Wirkung freigestellt.

Stuttgart - Gerade mal neun Monate war Gunnar Voss von Dahlen Finanzvorstand des Reutlinger MaschinenbauersManz. Nun wurde er vom Aufsichtsrat „mit sofortiger Wirkung freigestellt“, teilte das Unternehmen in einer Mitteilung mit. Als Grund nannte Manz „unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung“ des Unternehmens. Um welche konkreten Differenzen es sich dabei handelt, war nicht zu erfahren. Ein Sprecher des Unternehmens betonte lediglich, dass es keinen Zusammenhang mit den vor Kurzem vorgelegten Geschäftszahlen für das vergangene Jahr gebe. Derzeit würde ein Nachfolger gesucht; der Aufsichtsrat führe bereits Gespräche. Bis zu einer Neubesetzung des Bereichs würden die Aufgaben vom Vorstandschef Eckhard Hörner-Marass sowie Martin Drasch, dem für das Tagesgeschäft zuständigen Vorstandsmitglied (COO), übernommen. Neben den Finanzen war Voss von Dahlen für Personal, IT und Recht zuständig.

Der Dank für getane Arbeit fehlt

Der gebürtige Hamburger Voss von Dahlen, Jahrgang 1969, hatte sein Amt erst im Juni 2017 angetreten. Er folgte damals auf den langjährigen Manz-Finanzchef Martin Hipp, der das Unternehmen auf eigenen Wunsch und „im besten gegenseitigen Einvernehmen“ verlassen hatte, wie es damals hieß. Der Aufsichtsrat bedauerte das Ausscheiden von Hipp: „Für sein Engagement, seine Treue und Loyalität danken wir ihm und wünschen ihm für seinen weiteren beruflichen und privaten Weg alles Gute und viel Erfolg“, steht in der damaligen Mitteilung. Vergleichbare Sätze fehlen in der aktuellen Mitteilung. Dort heißt es lediglich: „Vorstand und Aufsichtsrat wünschen Herrn Voss von Dahlen alles Gute für die weitere Zukunft.“ Der nun Freigestellte wurde vor neun Monaten mit vielen Vorschusslorbeeren begrüßt. „Mit Gunnar Voss von Dahlen haben wir einen sehr erfahrenen Mann für die Position des Finanzvorstands der Manz AG gewonnen“, ließ sich der damalige Vorstandschef und Firmengründer Dieter Manz im vergangenen Jahr zitieren. Und weiter: Aus seiner langjährigen Tätigkeit bei der Heidelberger Druckmaschinen AG kenne er sämtliche Belange eines international agierenden Maschinenbauers und verfüge insbesondere auch in der für Manz so wichtigen Region Asien „über einen reichen Erfahrungsschatz“, so Manz. Tatsächlich weist der Lebenslauf des gebürtigen Hamburgers, der an der Universität Frankfurt Betriebswirtschaft studiert hat, mehrjährige Aufenthalte in London, in Shanghai und in St. Gallen vor.

Hohes Umsatzplus

Anfang März hat der Reutlinger Maschinenbauer, der seit zwei Jahren auch einen chinesischen Aktionär hat, die Finanzkennzahlen für 2017 veröffentlicht. Die Rede war vom höchsten Umsatzvolumen der Unternehmensgeschichte und einem positiven Ebit (Ergebnis vor Steuern und Zinsen). So schnellte der Umsatz um gut 40 Prozent auf 325 Millionen Euro in die Höhe. Das Ebit lag bei plus 1,6 (Vorjahr: minus 35,9) Millionen Euro. Allerdings glückte der Sprung in die Gewinnzone nur dank eines Sondereffekts. Rechnet man den Verkauf der Manz CIGS Technology heraus, die 34,4 Millionen Euro erbrachte – dabei handelt es sich um eine spezielle Dünnschicht-Solartechnologie –, hätte Manz weiterhin rote Zahlen geschrieben. Deshalb kündigte Voss von Dahlen damals weitere Maßnahmen an: „Wir haben noch einige Aufgaben vor uns, die wir 2018 lösen werden, um unsere Profitabilität planmäßig weiter zu steigern.“ Wie die Maßnahmen konkret aussehen, soll in wenigen Tagen veröffentlicht werden.

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