Automatisierungsmaschine von Manz – Beim Maschinenbauer brechen grade Aufträge weg Foto: Manz

Vor wenigen Tagen angelte sich der Maschinenbauer Manz mit Adidas einen Weltkonzern als neuen Industriepartner. Jetzt überraschen die Reutlinger mit einer drastisch gesenkten Jahresprognose – die Aktie stürzt ab.

Reutlingen - Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat der Reutlinger Maschinenbauer Manz seine Prognose für 2015 kassiert. Nach der am Montagabend veröffentlichen Meldung verabschiedeten sich Anleger am Dienstag in Scharen von Manz-Papieren – der Aktienkurs brach um 30 Prozent ein. Statt eines Umsatzes von rund 306 Millionen Euro rechnet Manz jetzt mit Erlösen zwischen 200 und 210 Millionen Euro für 2015. Außerdem dürfte im operativen Geschäft ein Verlust im mittleren zweistelligen Millionenbereich auflaufen. „Die Probleme sind gravierender als gedacht“, sagte Manz- Vorstandschef Dieter Manz am Dienstag. „Alle Standorte in Europa und Asien werden auf den Prüfstand gestellt“, sagte Finanzvorstand Martin Hipp.

Derzeit arbeitet das Unternehmen zusammen mit Beratern eine neue Strategie für das auf die Bereiche Elektronik, Energiespeicherung und Solarmaschinen fokussierte Unternehmen aus. Ende November will man Ergebnisse präsentieren. „Wir müssen den Fokus anders setzen“, sagte Dieter Manz diesbezüglich, ohne Details zu nennen.

Als wahrscheinlich gilt, dass sich Manz auf seine zwei Kernbereiche – Elektronik und Energiespeicherung – fokussiert. Hier stellt man Maschinen her, die Gläser für Smartphones ätzen oder beschichten und so die Touch-Eigenschaften moderner Displays ermöglichen. Im Batterie-Bereich baut Manz Maschinen zur Fertigung von Lithium-Ionen-Batterien, die beispielsweise in Laptops zum Einsatz kommen.

Was wird aus dem Solar-Standort Schwäbisch Hall?

Zur Disposition steht dagegen das Geschäftsfeld Solar, das bei Manz am Standort Schwäbisch Hall gebündelt ist. Mit der Fertigung von Maschinen für die Solarzellenproduktion ist Manz groß geworden, aufgrund der Solarkrise macht der Bereich aktuell aber nur noch rund vier Prozent vom Konzernumsatz aus. „Alle strategischen Optionen“ würden hier geprüft, sagte Manz. Darunter zählen nach Ansicht von Experten die Hereinnahme eines Investors, der komplette Verkauf oder die Schließung der Sparte. Letzteres ist aber wohl nicht das Ziel des Unternehmens. Manz versicherte, hierzulande möglichst viele Stellen behalten zu wollen. „Deutschland ist unser Technologiestandort. Das wollen wir erhalten.“

Im Jahr 2012 hatte Manz von der Firma Würth deren Solarzellenfertigung in Schwäbisch Hall für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag übernommen, wie es aus der Branche heißt. Seitdem versuchen gut 100 Mitarbeiter am Standort die Massenfertigung sogenannter Dünnschicht-Solarzellen voranzutreiben und haben dafür eine Referenz-Fertigungslinie aufgebaut. Ein Großkunde, der eine entsprechende Zellfertigung übernehmen könnte, findet sich aber seit Jahren nicht. Die hohen Kosten, denen keine entsprechenden Mittelzuflüsse entgegenstehen, sind für Manz zu einem Problem geworden.

Sogenannte Dünnschicht-Solarzellen gelten als Zukunftsprodukt, haben aber aufgrund einer aufwendigen Fertigung noch mit hohen Kosten und Qualitätsproblemen zu kämpfen. Die einzig relevanten Hersteller sind die US-Firma First Solar und die japanische Solar-Frontier. Im Markt dominieren herkömmliche kristalline Solarzellen, die als ausentwickelt gelten. Insbesondere die Finanzierung von Dünnschicht-Projekten durch Banken stelle seit Jahren ein Problem dar, sagt Wolfgang Hummel vom Berliner Zentrum für Solarmarktforschung. Obwohl Dünnschichtzellen über Vorteile verfügten, gälten herkömmliche Solarzellen für Investoren als solidere und sicherere Alternative. Dazu komme, dass die Investitionstätigkeit im Fotovoltaikgeschäft aufgrund einer weltweiten Überproduktion generell gering sei, so Hummel. Die Chancen, dass Manz demnächst einen der ersehnten Großaufträge in die Bücher schreiben kann, scheinen daher nicht allzu groß zu sein.

Aufträge aus China fehlen

Der Grund für den Absturz der Manz-Aktien war allerdings nicht das Solargeschäft. Vielmehr haben Kunden aus China aufgrund der unsicheren Wirtschaftslage auf breiter Front Aufträge storniert. Dies treffe Manz hart, sagte Dieter Manz. Selbst schon fertig produzierte Anlagen im Wert von 50 Millionen Euro würden nicht mehr abgenommen. Rund zwei Drittel seines Geschäfts macht Manz in China, wo auch die großen Produktionsstätten von IT-Herstellern liegen. 546 Manz-Beschäftigte arbeiten dort.

Erst vor wenigen Tagen hatte Manz angekündigt, zusammen mit dem Sportartikelhersteller Adidas in den Aufbau von sogenannten Speedfactories einzusteigen. In ihnen sollen voll auf den Kunden abgestimmte Produkte wie Schuhe oder Kleidung hergestellt werden. Die Maschinen sollen von Manz kommen. Den Aktienkurs scheint das nicht nachhaltig beeindruckt zu haben.

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