Mitarbeiter in der Produktion: Emag verzeichnet wie andere Maschinenbauer weniger Aufträge in diesem Jahr. Foto: Jeibmann Photographik /Honorarfrei

Beschäftige des Salacher Maschinenbauers Emag sehen die Existenz des Unternehmens durch einen Schuldenberg bedroht. Die Geschäftsführung spricht dagegen von einer positiven Restrukturierung und verneint Probleme bei der Finanzierung.

Niemand weiß, wie es genau weitergehen wird.“ Ein Mitarbeiter der Salacher Emag-Gruppe spricht vielen Kolleginnen und Kollegen aus dem Herzen. Nach einem jüngsten Bericht über die Investorensuche des Unternehmens haben sich mehrere Beschäftigte gemeldet, die die Darstellung der Geschäftsführung so nicht stehen lassen wollen. Die Führungsetage sprach davon, dass die Ergebnisse der Restrukturierung „sehr positiv“ seien und es keine Finanzierungsprobleme gebe.

 

Auf der Betriebsversammlung habe die Geschäftsleitung der Belegschaft jedoch einen anderen Eindruck vermittelt, berichtet ein Mitarbeiter. „Es muss überall gespart werden. Wir müssen uns auf das Kerngeschäft konzentrieren. Alles, was nicht zum Kerngeschäft gehört, könnte verkauft werden“, sei der Tenor der Versammlung gewesen. In Salach solle möglicherweise das Grundstück rechts an der Fils, die ehemalige Papierfabrik, verkauft werden. „Wenn das keine Finanzierungsprobleme sind, was dann bitte schön?“, fragt sich der Mitarbeiter. Betriebsrat und IG Metall wollten sich zur Situation im Unternehmen nicht äußern.

Die Sorgen in der Belegschaft sind groß

Die Betriebsversammlung fand am 17. April statt. Bei dieser Gelegenheit habe die Geschäftsführung deutlich gemacht, dass der Werkzeugmaschinenhersteller trotz Restrukturierung immer noch in einer „äußerst schwierigen Lage“ sei. „Ein Schuldenberg von über 300 Millionen Euro lastet schwer auf uns, und trotz einer professionellen Suche durch den Finanzdienstleister Rothschild konnte kein Investor gefunden werden“, sagt der Mitarbeiter und fügt hinzu: „Die bisherige Finanzierung läuft Ende Juni 2024 aus. Wenn bis dahin keine Verlängerung mit den bisherigen Geldgebern erreicht werden kann, haben wir ein großes Problem. Denn Emag ist es unmöglich, sich auf dem freien Finanzmarkt selbst zu refinanzieren, da die Verschuldung zu groß ist.“ Zusätzlich müssten jährlich 40 Millionen Euro für externe Berater, Rechtsanwälte und Zinsen aufgebracht werden. Trotz eines positiven operativen Ergebnisses (EBIT) resultiere dadurch immer ein Verlust, daher brauche Emag einen Investor, da die Gesellschafter kein Kapital mehr einbringen würden.

Die Geschäftsführung räumt in einer zweiten Stellungnahme und nach der Konfrontation mit den Aussagen von Mitarbeitern ein, dass die Emag-Gruppe seit Anfang 2024 wie die gesamte Werkzeugmaschinenbaubranche einen rückläufigen Auftragseingang verzeichnet. „Diese Entwicklung wurde frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen zur Reduzierung der Kosten eingeleitet“, teilt Marketingleiter Oliver Hagenlocher mit. Die Emag-Gruppe befinde sich momentan in der Neuordnung ihrer Finanzierungsstruktur. „Wir planen, die Neufinanzierung zeitnah abzuschließen.“ Hagenlocher betont einmal mehr: „Die Emag-Gruppe hat keine Finanzierungsprobleme und kann ihrem operativen Geschäft in vollem Umfang nachkommen.“ Zum jetzigen Zeitpunkt könnten keine Angaben zu den Details der Neufinanzierung gemacht werden, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Auf die Aussagen der besorgten Mitarbeiter wollte Hagenlocher nicht eingehen.

Fehlt dem Unternehmen eine Strategie?

Ein Insider sieht die Situation jedoch anders. Die Salacher hätten schon seit längerem Probleme. Vor Ausbruch der Coronapandemie seien viele Firmen gekauft worden, die nicht das abgeworfen hätten, was man sich versprochen habe. „Emag ist ein Konglomerat aus aufgekauften gescheiterten Unternehmen“, bestätigt ein Ex-Beschäftigter, der das Unternehmen kürzlich verlassen hat. Das Arbeitsumfeld der Emag sei von „Unsicherheit und Resignation“ geprägt gewesen. „Es schien, als ob alle darauf warteten, dass externe Berater sämtliche Probleme lösen würden“, war sein Eindruck.

Diesen Eindruck bestätigt auch der Insider. Die Investitionen seien nicht in Gewinne umgemünzt beziehungsweise zur Tilgung der Schulden genutzt worden. „Ich erkenne keine Strategie“, sagt er. Seit 2019/20 sei die Lage sehr angespannt, und seitdem habe es „mehr Abs als Aufs“ gegeben. Das sei so weit gegangen, dass der chinesische Textilmaschinenbauer Jiangsu Jinsheng Industry Holding Co., Ltd., der 50 Prozent der Anteile am Unternehmen hält, die Geldflüsse eingestellt habe. Auf Druck der Banken sei seinerzeit ein „Restrukturierungs-Geschäftsführer“ eingesetzt worden, der die Salacher wieder auf Kurs bringen sollte.

Unternehmen schloss Niederlassung in Leipzig

Besitzer
 Die Firma Emag GmbH & Co. KG aus Salach ist ein Familienunternehmen. Es gehört zur Hälfte der Familie Heßbrüggen und seit dem Jahr 2009 dem chinesischen Textilmaschinenbauer Jiangsu Jinsheng Industry Holding Co., Ltd., hinter dem die chinesische Familie Pan steht.

Jobverlust
 Trotz eines strikten Sparkurses war ein Stellenabbau bei der Emag-Gruppe in den vergangenen Jahren nicht zu vermeiden: 125 Mitarbeiter verloren in Salach ihren Job, für die Leipziger Niederlassung mit 70 Beschäftigten kam Anfang 2021 das Aus. Aktuell beschäftigt die Emag-Gruppe rund 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch sie blicken offenbar in eine ungewisse Zukunft.