Dürr-Fertigung am Stammsitz in Bietigheim-Bissingen. Von der Effizienz soll auch die Schwarzwälder Tochter Homag profitieren Foto: dpa

Die Geschäfte beim Lackieranlagenspezialisten Dürr aus Bietigheim-Bissingen laufen rund. Allerdings muss das Unternehmen noch die kürzlich erfolgte Übernahme der Homag-Gruppe aus Schopfloch verdauen. Dort soll die Produktion profitabler werden.

Bietigheim-Bissingen - Der weltweit führende Lackieranlagenbauer Dürr will den im Herbst 2014 aufgekauften Maschinenbauer Homag rentabler machen. Ziel sei es, die Abläufe bei Homag – das Unternehmen ist seinerseits Weltmarktführer bei Holzbearbeitungsmaschinen – effizienter zu gestalten und „zu beschleunigen“, sagte Dürr-Finanzvorstand und Homag-Chef Ralph Heuwing, am Montag bei der Vorstellung der Dürr-Bilanz für 2014 in Stuttgart.

Dazu gehöre etwa, die „alten IT-Systeme“ des Schopflocher Unternehmens auszutauschen und durch einen gemeinsamen Einkauf Produktivitätsgewinne zu erzielen. Außerdem gehe es um die Neuentwicklung von Maschinen, die besser auf die Herausforderungen der digitalen Wirtschaft eingestellt sind. In Zukunft soll es möglich sein, dass Kunden Aufträge direkt ins Fertigungssystem einspeisen – eine Entwicklung, die derzeit unter dem Stichwort Industrie 4.0 in vielen Wirtschaftsbereichen Furore macht.

Nach Worten des langjährigen Chefs des Dürr-Mutterkonzerns, Ralf Dieter, könne Dürr für Homag in vielen Bereichen als „Blaupause“ dienen. Unter anderem durch ein schlankes Produktionssystem und neue IT ist es dem Anlagenbauer in den vergangenen Jahren gelungen, seine Rendite im operativen Geschäft auf 9,9 Prozent heraufzuschrauben. „Ein historischer Wert“, wie Dürr-Chef Dieter betonte und nahe an der Zielmarke von zehn Prozent.

Homag allerdings drückt die Konzern-Rendite derzeit gewaltig. Nach Abzug von Sonderbelastungen stand bei dem Schopflocher Holzmaschinenbauer – Umsatz zuletzt rund 914 Millionen Euro – 2014 nur ein kleiner operativer Gewinn. Der Aufholprozess werde einige Zeit dauern; etwa fünf Jahre, sagte Heuwing. „Da sind wir realistisch.“

Dennoch: Dank der Homag-Übernahme ist Dürr 2014 kräftig gewachsen. Der Auftragseingang, der im Anlagenbau ein wichtiger Gradmesser für die Auslastung der Werke in den kommenden Monaten darstellt, kletterte um knapp ein Fünftel auf fast 2,8 Milliarden Euro. Operativ verdiente man 220 Millionen Euro, unter dem Strich standen rund 150 Millionen Euro Gewinn. Auch der Umsatz legte satt auf 2,57 Milliarden Euro zu – allerdings nur dank Homag, dessen Geschäft im vierten Quartal 2014 schon in die Dürr-Jahreszahlen mit eingeflossen sind. Ohne Homag hätten die Lackieranlagenbauer Geschäft verloren – allerdings nur weil sich sichere Projekte verzögert hätten, wie Dürr-Chef Dieter sagte. Die Forschungsausgaben kletterten um knapp ein Drittel auf gut 55 Millionen Euro.

Die Mitarbeiter profitieren. 2750 Euro Erfolgsbonus werden die Tarifmitarbeiter an den deutschen Standorten fürs Jahr 2014 voraussichtlich bekommen. Auch die Dividende der Aktie soll über den 2013er Wert von 1,35 Euro je Stück steigen. Einen offiziellen Beschluss gibt es allerdings noch nicht.

Besonders das Geschäft mit Lackieranlagen lief im abgelaufenen Jahr rund, etwa in China wo die Auftragseingänge um 35 Prozent zulegten. Im Autogeschäft, von dem Dürr auch nach der Homag-Übernahme noch stark abhängig ist, wird der Wachstumstrend nach Branchenprognosen noch über Jahre andauern. Von dieser Entwicklung wird auch der Systemlieferant Dürr profitieren. 2020 soll der Konzernumsatz die fünf-Milliarden-Euro-Marke knacken.

Zunächst soll der Auftragseingang 2015 auf bis zu 3,5 Milliarden Euro hochgeschraubt werden. Rund eine Milliarde Euro dürfte dann Homag beisteuern. Ebenso wie 2014 ist auch in diesem Jahr ein leichter Mitarbeiteraufbau geplant.

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