Damals lief alles nach Plan: eine Global 5000 der Flugbereitschaft in Schönefeld. Foto: dpa

Mit einer Notlandung hat ein Jet der Flugbereitschaft auf dem Flughafen Berlin Schönefeld offenbar ein Unglück verhindert. Passagiere waren keine an Bord, aber die Umstände besorgniserregend. Am Mittwoch hätte der Flieger Bundespräsident Steinmeier nach Stuttgart bringen sollen.

Berlin - An Pannen bei der Flugbereitschaft hat man sich in den vergangenen Monaten fast schon gewöhnt. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende November notgedrungen mit der spanischen Gesellschaft Iberia zum G20-Gipfel nach Buenos Aires reisen musste, dass Finanzminister Olaf Scholz im Oktober Bali fluchtartig im Linienflugzeug verließ, Entwicklungsminister Gerd Müller im Januar seine Reiseroute in Afrika ändern musste und Außenminister Heiko Maas Anfang März einen Tag in Mali festsaß – fast hat sich in den vergangenen Monaten routinierter Sarkasmus als Reaktion etabliert, wenn mal wieder der Wurm drin war im Flugbetrieb der Bundesregierung und eine Maschine der Flugbereitschaft der Luftwaffe entgegen aller Planungen am Boden bleiben musste.

Ministerin lobt Besatzung

Aber was an diesem Dienstag fast in Berlin passiert wäre ist keine Routine, und es handelt sich auch nicht um eine ordinäre Panne. Was sich gegen 9.30 Uhr in der Luft abgespielt hat und jetzt Gegenstand weiterer Untersuchungen des Generals Flugsicherheit der Bundeswehr Peter Klement ist, hätte zur Katastrophe werden können, auch wenn bei diesem Flug keine Passagiere an Bord gewesen sind. Zunächst ist unklar, was sich hinter den „Funktionsstörungen“ genau verbirgt, von denen die Luftwaffe Mitteilung machte, und die die Bundeswehrmaschine kurz nach dem Start wieder umkehren ließen und zur Landung zwangen. Es war eine Notlandung, bei der beide Flügel den Boden berührten, weil ein kontrollierter Ablauf laut Aussage der Luftwaffe nicht mehr möglich gewesen sei. Am Nachmittag sickerte in Berlin durch, dass der Pilot zwanzig Minuten nach dem Start anscheinend fast die Kontrolle über die Maschine verloren und nur unter starken Schwankungen den sicheren Erdboden wieder erreicht hatte. Am Mittwoch hätte das Flugzeug Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Stuttgart bringen sollen.

Spätestens die Erklärung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen machte deutlich, dass der Zwischenfall gravierend ist. Sie lobte nicht nur die fliegerische Leistung der Crew. „Sie hat es geschafft, den Jet unter schwierigsten Bedingungen zu Boden zu bringen und damit Schlimmeres zu verhindern“, sagte von der Leyen. „Jetzt muss die Ursache der technischen Probleme zügig aufgeklärt werden.“

Direktflug von der Instandhaltung zur Notlandung

Dass wegen des Vorfalls mehrere zivile Maschinen nach Leipzig oder zum Flughafen Tegel umdirigiert werden mussten und viele Osterreisenden lange Wartezeiten in Schönefeld erdulden mussten, ist für die Betroffenen ärgerlich. Richtig beunruhigend ist aber, dass die Global 5000 der Bundeswehr eigens zur routinemäßigen 30-Monats-Instandsetzung beim kanadischen Hersteller Bombardier in Schönefeld war. Frisch instandgesetzt startete sie zum Heimflug nach Köln und musste notlanden. „Angesichts dieser Situation muss man den kritischen Scheinwerfer nicht nur auf auf das Ministerium, sondern auch auf den Hersteller Bombardier und die Lufthansa richten, die für den Service zuständig sind“, erklärte die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann gegenüber unserer Zeitung. „Wenn bei einem Auto, das aus der Werkstatt kommt, die Bremsen versagen, ist auch nicht der Halter schuld.“

Bei einer ad hoc einberufenen Pressekonferenz um 17 Uhr erklärte Oberstleutnant Stefan Schipke, Kommandeur bei der Flugbereitschaft, wie sich der Sachverhalt zu diesem Zeitpunkt darstellt. Er betonte, dass die Crew, die Notlandung unverletzt überstanden habe. Die Untersuchungen liefen weiter. Zunächst sei nicht geplant, alle vier „Global 5000“ am Boden zu lassen. Dieser Flugzeugtyp ist relativ neu bei der Flugbereitschaft. Die Mittelstreckenflieger wurden 2011/2012 angeschafft.

Weil sich die technischen Schwierigkeiten der Flugbereitschaft zuletzt häuften, beschafft die Bundeswehr drei neue Langstreckenmaschinen vom Typ Airbus A350 für 1,2 Milliarden Euro. Die Neuzugänge sollen noch im April bestellt und 2020 geliefert werden.

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