Die betrügerischen Anrufe sollen die Opfer hinters Licht führen. Foto: dpa/Arno Burgi

Vom Enkeltrick bis zum falschen Polizisten – täglich werden auf den Revieren im Kreis Ludwigsburg Betrugsversuche durch Anrufe gemeldet.

Marbach - Gar nicht lustig findet Wolfgang Zeh die Anrufe, die er vermehrt in den vergangenen drei Wochen erhalten hat. „Fast jeden Tag haben sich bei mir Trickbetrüger gemeldet“, berichtet der 77-Jährige aus Marbach. Die Masche bestehe darin, dass man als Angerufener eine Bäckerei oder ein anderes Geschäft zurückrufen solle. „Dadurch entstehen hohe Kosten“, weiß Zeh, der seine Mitbürger davor warnen will und sich deshalb in unserer Redaktion meldete.

Zeh fand die Art der Anrufe gleich komisch und ging der Sache systematisch auf den Grund. Die Telefonnummern der Geschäfte waren um zwei Ziffern ergänzt, fand er durch einen Vergleich mit den richtigen Nummern der Firmen in seiner Internetrecherche heraus. Zeh glaubt, dass die Betrüger seine Handynummer aus dem Telefonbuch haben.

Der falsche Polizeibeamte ist die häufigste Betrugsmasche

Mit seiner Vermutung, in eine Bezahlfalle gelockt zu werden, dürfte Wolfgang Zeh richtig liegen, meint Peter Widenhorn, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Diese Art des Telefonbetrugs sei eigentlich ein alter Hut und im Moment kein Massendelikt im Landeis Ludwigsburg. „Bloß nicht ohne einen kritischen Vergleich mit der angegebenen Nummer zurückrufen oder irgendwelche Tastenkombinationen benutzen“, lautet sei Tipp gegen die Abzockversuche. Schon der kurze Besuch einer Bezahlhotline kann teuer werden, weiß Widenhorn. „Zehn Euro, 100 Euro, 1000 Euro – alles ist möglich.“

Bei den Revieren des Polizeipräsidiums Ludwigsburg melden sich täglich Menschen, die solche seltsamen Anrufe erhalten, berichtet Peter Widenhorn. Die häufigste Betrugsmasche sei seit einigen Wochen der falsche Polizeibeamte. Er erzählt davon, dass die Sohn oder die Tochter einen schweren Unfall verursacht habe und inhaftiert werden solle. Das könne mit der Zahlung einer hohen Summe verhindert werden. „Das Geld wird meistens in bar abgeholt.“ Eine Uniform tragen die sogenannten Keiler nicht, es werden Geldkuriere angekündigt.

Die meisten Anrufe kommen aus Call-Centern in Osteuropa

Die andere Masche der falschen Polizisten: Am Telefon wird geschildert, dass ein Mitglied einer Einbruchsbande in der Nähe verhaftet worden sei. „Im Notizbuch soll dann der Name und die Adresse des Angerufenen stehen“, erzählt Peter Widenhorn. Dem dadurch beeindruckten Angerufenen werde anschließend angeboten, dass er Wertsachen wie Schmuck oder Geld sicherheitshalber der Polizei übergeben könne, die es für ihn eine Weile aufheben würde. „Natürlich würde ein Polizist niemals Geld annehmen oder sich nach Vermögensverhältnissen erkundigen“, versichert Widenhorn.

Die meisten Bürger durchschauen die Anrufe, es komme aber immer mal wieder vor, dass die Täter Erfolg haben, weiß der Polizeisprecher, der auch vor dem sogenannten Enkeltrick und dem falschen Microsoft-Mitarbeiter warnt. Die meisten Anrufe kämen von Call-Centern in Osteuropa. Hier in Deutschland würden vor Ort die Keiler eingesetzt. Manche von ihnen würden geschnappt. Das gelinge, wenn Angerufene vorgeben, sich auf das Spiel einzulassen und der Kurier dann tatsächlich an einem Übergabeort erscheint. „Die Abholer sind die Letzten in der Kette“, erzählt Widenhorn. Viel sei von ihnen nicht zu erfahren.

Das Gewinnversprechen sorgt manchmal für hohe Verluste

Noch eine Masche beim Telefonbetrug: das Gewinnversprechen. Dabei wird der Gewinn in einem Spiel mitgeteilt. Es müsse nur noch eine Gebühr – oft tausende Euro – gezahlt werden. Danach gibt es keinen Gewinn.