Martin Walser (88) befasst sich mit dem Thema Deutsche Schuld Foto: dpa

In „Unser Auschwitz“ dokumentiert der Schriftsteller Martin Walser eine lebenslange Holocaust-Auseinandersetzung.

Stuttgart - Herr Walser, als Reaktion auf Ihren Sammelband „Unser Auschwitz“ kamen viele Begriffe auf – Bekehrung, Umdenken, Rehabilitation. Was sagen Sie dazu?
Ich finde das absurd. Entschuldigung, ­Rehabilitation, was heißt denn das? Das heißt, irgendein Verbrecher muss rehabilitiert werden. Da sieht man den leicht­fertigen Umgang mit Fremdwörtern. Der Inhalt dieses Buches ist es, dieser nicht immer genügend informiert sein könnenden Journalistik ein Material anzubieten, aus dem hervorgeht, dass sie meine diesbezügliche politische Meinungsäußerung nicht immer mit Oktober 1998 beginnen lassen dürfen. Um dann zu sagen: Da war er so - und das ist jetzt die Kehre.
Passt denn das Wort Rechtfertigung?
Ich scheue mich, das Wort in einem Gespräch über dieses politische Thema vorkommen zu lassen. Es stammt aus einer höheren Sphäre. Aber es reicht natürlich – das stimmt schon – von ganz oben bis ganz unten. In meinem Büchlein „Über Rechtfertigung“ habe ich es ja auch zusammengebracht mit einem durchaus gesellschaftlich besetzten Wort, nämlich mit dem „Rechthaben“. Und habe auch zugeben müssen, dass ich mein sogenanntes berufliches Leben in der Sphäre des Rechthaben-Müssens verbracht habe.
Der Sammelband zeichnet Ihre lebenslange Auseinandersetzung mit dem Thema der deutschen Schuld nach – wie kam es dazu?
Das habe ich mir nicht willentlich vorgenommen. Das ist keine Denkstrategie, sondern die unwillkürliche Reaktion auf unsere Geschichte – die mir natürlich nie auf einmal gegenwärtig sein kann. Aber nach und nach bin ich immer weiter hineingekommen.
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