Die Landtagsabgeordnete Katrin Steinhülb-Joos (SPD) beim Vorlesetag in der Martin-Luther-Schule in Bad Cannstatt Foto: Torsten Schöll

18 Lesepaten haben in der Martin-Luther-Schule beim bundesweiten Vorlesetag zum Buch gegriffen und den Kindern gezeigt, wie spannend Lesen sein kann. Ein prominenter Stuttgarter war zum ersten Mal dabei.

Der Kater Josef ist ein ziemlich fauler Zeitgenosse und lümmelt am liebsten allein auf dem Sofa herum. Dumm nur, dass er sich einen Floh eingefangen hat. Wie wird er den am besten wieder los? Die lustig-schräge Geschichte von Franziska Biermann, die Michael Reisser zum bundesweiten Vorlesetag mit in die Martin-Luther-Grundschule gebracht hat, saugen die Kinder der Klasse 3a mit gespitzten Ohren eine halbe Stunde begeistert auf.

 

Reisser ist Leiter der Stadtteilbücherei Bad Cannstatt und am Freitagvormittag einer von 18 Lesepaten, die auf Einladung von Schulleiter Markus Dölker beim 21. bundesweiten Vorlesetag die Grundschüler der Schule fürs Selberlesen gewinnen wollen. Denn darum geht es bei der Aktion, die 2004 die Wochenzeitung „Die Zeit“, die Stiftung Lesen und die Deutsche-Bahn-Stiftung initiiert haben.

Bei einer Vorlesepatin weckt nicht nur der Inhalt des Buchs Interesse

„Bei uns sind es zwei Dinge, weshalb wir jetzt schon zum neunten Mal den Vorlesetag veranstalten“, betont der Schulleiter der Martin-Luther-Schule: „Die Kinder für das Lesen zu begeistern und die Vernetzung der Schule in den Stadtbezirk.“ Denn die meisten Vorlesepaten kommen, wie in den vergangenen Jahren, aus Bad Cannstatt. Im Gepäck hat jeder ein selbst ausgewähltes Kinderbuch oder eine Geschichte.

Die Präventionsbeamtin der Polizei, Cindy Heider-Liedtke, hat der Klasse 2c einen Band aus der Reihe „Das magische Baumhaus“ mitgebracht. „Die Bücher haben meine eigenen Kinder sehr gerne gelesen“, schwärmt die Polizistin. Anders als bei den meisten anderen Vorlesepaten weckt bei ihr aber nicht nur der Inhalt des Schmökers Interesse. Im Anschluss an die Vorlesestunde muss die Polizeibeamtin erst einmal ausführlich Auskunft darüber geben, was eine Polizistin so alles macht: „Einbrecher fangen oder Diebe verhaften?“ Ganz genau, und vieles anderes mehr.

Wie Schulleiter Markus Dölker erläutert, besuchen 440 Kinder aus 39 Nationen in 19 Klassen die Schule am Uff-Kirchhof, darunter sind auch Förder- und Vorbereitungsklassen. „Nicht in allen Familien gibt es Bücher“, sagt der Schulleiter. Die Schule hat deshalb auch ganz aktuell mithilfe des Fördervereins eine eigene kleine Leihbücherei eingerichtet, die Ende des Monats eröffnet werden soll.

Auch Alt-OB Fritz Kuhn hat den Schülerinnen und Schülern vorgelesen. Foto: Torsten Schöll

Erstmals Lesepate an der Martin-Luther-Schule ist in diesem Jahr auch Alt-OB Fritz Kuhn. Seine Geschichte mit dem Titel „Die magische Pfütze“ der Autorin Anna Dimitrova handelt von einem Mädchen, das aus einem anderen Land kommt und sich anfangs hier nicht zurechtfindet. Eine Erfahrung, die vielleicht auch der eine oder andere Schüler der Cannstatter Grundschule gemacht haben könnte.

Lesepatin Katrin Steinhülb-Joos, Pädagogin und schulpolitische Sprecherin der SPD im Landtag, war selbst Schulleiterin der Altenburgschule. Sie weiß geschickt die Aufmerksamkeit der Schüler der 4b hochzuhalten, in dem sie immer wieder kurze Fragen einstreut. Dass es „Der kleine Ritter Trenk“ ganz und gar nicht gut findet, dass die Bauern seiner Zeit einem Grundherrn gehören, können die Kinder gut nachvollziehen. „Doch darf man überhaupt jemandem gehören?“, fragt Steinhülb-Joos. „Natürlich nicht“, sagt ein Junge, „weil jedem sein Leben selbst gehört.“

Bei Michael Reisser fauchen die Kinder der 3a inzwischen selbst wie der faule Kater Josef, der Held ihrer Geschichte. Fauchen und Krallenzeigen ist dessen morgendliches Fitnessprogramm. Den fiesen Floh ist der Kater übrigens losgeworden. Seine Erfahrung: Wenn man nicht nur auf dem Sofa liegt, sondern unter Leute geht, ist man nicht nur weniger allein, sondern auch ruckzuck seine Flöhe los.