Das alte Marstall-Center in Ludwigsburg. Foto:  

Lösung für Marstall-Center weckt im Breuningerland Hoffnung auf Erweiterung – Stuttgart Paroli bieten.

Ludwigsburg - Schneller als erwartet ist die Stadt Ludwigsburg einer Lösung des Problemfalls Marstall-Center einen Schritt näher gekommen. Der erst im April gegründeten Rathaustochter Untere Stadt Ludwigsburg GmbH ist es gelungen, die 21 Eigentümer der Ladenflächen in dem Einkaufszentrum aus den siebziger Jahren zum Verkauf ihrer Immobilien zu bewegen. Bereits im September soll der Gemeinderat darüber entscheiden, welcher Investor zum Zug kommt, um den Ladenkomplex wieder in eine bessere Zukunft zu führen.

Wer den Verkaufpreis von rund zwölf ­Millionen Euro für die Verkaufsflächen und weitere bis zu 20 Millionen Euro für die Sanierung des Geschäftskomplexes ausgeben will, darüber gibt es in der Stadt wilde Spekulationen. So jedenfalls bezeichnet der städtische Wirtschaftsförderer Frank Steinert die Gerüchte, nach denen das Hamburger Unternehmen ECE in das Marstall-Center einsteigen will.

Die Firma betreut große Einkaufsprojekte in ganz Europa. Dazu gehört pikanterweise auch das Breuningerland vor den Toren Ludwigsburgs. Deshalb wird in der Stadt spekuliert, dass bei einer Sanierung des Marstall-Centers durch ECE die Erweiterung des Breuningerlands wieder zu einem Thema wird. Dass solche Überlegungen nicht von der Hand zu weisen sind, erkennen Beobachter auch daran, dass Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec weiteren Ladenflächen im Breuningerland seit geraumer Zeit nicht mehr konsequent widerspricht. Die Hamburger Projektentwickler halten sich vollständig aus den Spekulationen heraus und teilen derzeit zu dem Thema gar nichts mit – weder zum Marstall-Center noch zum Breuningerland.

Eine Erweiterung des Breuningerlands und ein wieder gut funktionierendes Marstall-Center sind für die Ludwigsburger Einkaufslandschaft wichtig“

Der amtierende Manager des Breuningerlands vor den Toren Ludwigsburgs, Jörg Harengerd, macht allerdings keinen Hehl daraus, dass er sich beides wünscht: „Eine Erweiterung des Breuningerlands und ein wieder gut funktionierendes Marstall-Center sind für die Ludwigsburger Einkaufslandschaft wichtig“, diagnostiziert Harengerd. Er sagt offen, dass er sein Projekt insbesondere im Blick auf die Entwicklung in Stuttgart besser aufgestellt sieht, wenn es zu einer Erweiterung des Ludwigsburger Breuningerlands komme.

„Wir holen unsere Kundschaft in der ­ganzen Region ab und nicht nur rund um den Ludwigsburger Kirchturm“, begründet der Manager das Streben nach mehr Ladenfläche. Ob es unter den dann veränderten Vorzeichen wie vom Breuningerland vor drei Jahren gefordert, unbedingt fast 10 000 Quadratmeter Verkaufsfläche mehr sein müssen, darüber könne man mit dem Unternehmen reden. Die damaligen Pläne scheiterten an der Stadt und dem Verband Region Stuttgart.

Gemeinderat froh, dass endlich Bewegung in die Sache gekommen ist

Dass ECE zum Kreis der Marstall-Interessenten gehört, bestätigt allerdings der Ludwigsburger Wirtschaftsförderer. „ECE ist ein Protagonist unter vielen“, lässt sich Steinert entlocken. Der Gemeinderat weiß offensichtlich auch nicht mehr. „Ich kann nicht in die innerste Seele des Oberbürgermeisters blicken“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Eckart Bohn. Der Gemeinderat sei in erster Linie froh, dass endlich Bewegung in die Sache gekommen ist. Bohn erwartet, dass die Verwaltung im September einen Investor für das Marstall-Center präsentiert. Einer Zwischenlösung, die darauf abzielt, dass die Stadt das Geld für den Kauf der Läden vorstreckt, werde der Gemeinderat nicht zustimmen. „Die Gefahr ist groß, dass die Stadt dabei ein Minusgeschäft macht“, meint Bohn.

Über die künftige Ausrichtung eines ­wiederbelebten Marstall-Centers herrscht in Ludwigsburg ebenso Klarheit. Das Gebäude aus den siebziger Jahren soll ein Geschäftszentrum bleiben. Als Ziel geben der Gemeinderat und der Ludwigsburger Innenstadtverein die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel aus. Denkbar seien ein Elektrofachmarkt und vor allem ein großer Laden für Lebensmittel. Dieser Branchenmix bringe wieder mehr Kunden in die Untere Stadt. Dieser Teil der Ludwigsburger City leide wegen des Niedergangs des Einkaufszentrums mittlerweile am Phänomen des Downgradings. Das heißt, statt Fachgeschäften gebe es immer mehr Spielhallen und Billigläden. Diese Entwicklung könnte jetzt wieder zurückgedreht werden.

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