Tüftelei im Zwischengeschoss des Marstallcenters: Bauarbeiter bereiten alles für die Installation von Rolltreppen vor Foto: factum/Granville

Der Zeitplan für den Umbau des Marstallcenters in Ludwigsburg ist eng, aber noch ist alles im Lot. An Ostern beginnen die Maler- und Putzarbeiten im Innern – sowie die Neugestaltung der Außenfassade des Einkaufszentrums, das komplett renoviert werden musste.

Ludwigsburg - Wie lärmig und wie staubig es zurzeit auf der Marstall-Baustelle ist, wird einem erst richtig bewusst, wenn man wieder im Freien ist. Im Schnitt sind täglich etwa 200 Arbeiter vor Ort; die Hälfte davon sind sogenannte Rohbauer. Während an einem Ende schon Trassen für Strom und Elektronik montiert werden, sind am anderen noch immer Abbruchexperten damit beschäftigt, Teile der alten Aufzugsschächte abzureißen oder Durchlässe für Rolltreppen und Fluchtwege freizuhämmern – mit Pressluft, versteht sich. „Eigentlich sollte das alles nach und nach gemacht werden“, sagt der ECE-Projektmanager Clemens Kanthak. Das aber lässt der ambitionierte Zeitplan nicht zu: Bis Ostern muss die Ladenpassage im Rohbau fertig sein, am ersten Wochenende im Oktober soll das rundum erneuerte Center wieder öffnen. Also muss vieles gleichzeitig passieren.

Zu den Herausforderungen, die das Bauen in einem Stahlbetongebäude aus den siebziger Jahren mit sich bringt, kommt somit eine logistische Puzzlearbeit: Wer kann wann, wo anpacken? Wer darf wann und über welchen Zugang mit seinem schweren Gerät anrücken? Die Hamburger Investorengesellschaft ECE greift dafür auf das Know-how des Baukonzerns Züblin zurück. „Die sind für uns Generalunternehmer“, sagt Kanthak. „Und die machen das alles richtig gut.“ Und was heißt schon Abriss und Entkernen? Laien könnten sich darunter wenig vorstellen, sagt der ECE-Projektchef, aber allein zwischen Juni und November 2014 seien 60 verschiedene Maßnahmen von unterschiedlichen Firmen realisiert worden.

Verglichen mit dem aber, was beim Endspurt zu erwarten ist, sei das kaum mehr als eine gute Pflichtübung gewesen. „In den letzten sechs bis acht Wochen vor der Eröffnung werden die jeweiligen Ladenbetreiber noch einmal ihre eigenen Arbeiter ins Haus schicken“, sagt Kanthak. Das heißt, es sind dann schätzungsweise zwischen 600 und 700 Bauarbeiter zu koordinieren. Um dieses Bravourstück leisten zu können, hat Züblin eine Logistikfirma beauftragt, die schon jetzt an entsprechenden Plänen tüftelt.

Eine ganz spezielle, tonnenschwere Tüftelei haben die Bauarbeiter dagegen schon hinter sich: auch wenn die Rolltreppen als letztes vor der Eröffnung in Gang gesetzt werden, mussten ausgerechnet diese ausladenden Elemente frühzeitig ins Gebäude geschafft werden. „Jedes einzelne Treppenteil ist nicht nur groß, es wiegt auch acht Tonnen“, sagt Kanthak. Soviel Last trage keine normale Zwischendecke. Darum mussten vorübergehend zusätzliche Stützen eingebaut werden.

Dazu kamen die üblichen Überraschungen sowie kleinere Änderungen am Konzept: „Hier wurde damals massiver Stahlbeton eingebaut, der ist an sich nicht schlecht“, sagt Kanthak. Aber es gab Schwachstellen. Zum Beispiel im Gebäudetrakt, in dem einst Karstadt verkaufte: „Dort war eine Decke auf einer Fläche von 150 Quadratmeter so löchrig, dass wir sie komplett erneuern mussten.“ Außerdem wurden verschiedene Wege und ein Treppenhaus im östlichen Bereich noch einmal gedreht, um den Zugang vom Parkhaus her zu erleichtern und die früher gewundene Mall in eine schnurgerade Achse zu verwandeln. Der Aufwand sei zwar beträchtlich gewesen, sagt Kanthak, dennoch seien die Arbeiten im Zeitplan.

Allerdings bekamen es etwa 100 Mieter im Wohnturm über der Ladenpassage zu spüren. Deren Kellerräume mussten samt Inhalt vorübergehend verlagert werden – und sie werden erst nach Abschluss der Umbauten wieder an die alte Stelle zurückgebracht. Die ohnehin hart geprüften Hausbewohner hätten glücklicherweise viel Verständnis gezeigt, meint Kanthak. „Der Austausch funktioniert überhaupt sehr gut“, sagt der Diplom-Ingenieur. „Es gibt einen regelmäßigen Runden Tisch, in dem wir den Mietern erläutern, was wir machen, wo aber auch sie Wünsche äußern.“ Mit ihnen habe man sich auch auf einen festen Takt geeinigt: demnach dürfen lärmintensive Arbeiten nur in den Stunden zwischen 7.30 Uhr und 17.30 Uhr erledigt werden. Werde auch samstags gearbeitet, dann ohne Rammen und Pressluftgeräte.

An der Struktur der Tiefgarage ändert sich wenig. „Es wird einen neuen Anstrich, neue Sicherheitstechnik und eine freundlichere Beleuchtung geben“, sagt Kanthak. Niemand müsse danach noch befürchten, dass er sich in einem finsteren Labyrinth verirre. Stärker in den Baukörper eingegriffen wird dagegen am Portal zur eben von der Stadt sanierten Kirchstraße. Hier entsteht ein Foyer, das möglichst freitragend sein soll. Die Statiker haben alle Hände voll zu tun: Wenn im Süden Träger herausgenommen werden, muss das Gebäude auch im Norden abgestützt werden, um den Druck gleichmäßig zu verteilen. Bis April soll die Ladenpassage im Rohbau fertig sein.

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