Die DRK-Bereitschaft hat ihre Räume in dem städtischen Gebäude an der Strümpfelbacher Straße. Es ist marode. Foto: DRK

Das Deutsche Rote Kreuzes in Untertürkheim leidet unter Raumnot und unhaltbaren Zuständen im städtischen Gebäude in der Strümpfelbacher Straße. Die Stadt investiert wenig in den Erhalt der Immobilie.

Untertürkheim - Sie verarzten verletzte Fußballfans, kümmern sich im Inselbad um Badegäste mit Schnittverletzungen und stehen bei Veranstaltungen bei einem medizinischen Notfall parat: Die 30 ehrenamtlichen Rot-Kreuz-Mitglieder der DRK-Bereitschaft Unter-/Obertürkheim sind mehr als 2500 Stunden im Jahr im Dienst für die Bürger.

Jetzt brauchen sie selbst Hilfe. Seit Jahren nutzen sie das städtische Gebäude an der Strümpfelbacher Straße. Wo vor Jahrzehnten die Heimat der Hafenmission war, hat die DRK-Bereitschaft ihr Vereinsheim und ihre Einsatzzentrale. Schon von außen sieht man dem Gebäude an, dass es die besten Jahre hinter sich hat. An einigen Stellen der Fassade bröckelt der Putz, die Dachrinne leckt, an der Wand zeigen sich nasse Stellen. 2015 wurden Geflüchtete übergangsweise in einem Nachbartrakt der DRK-Bereitschaft untergebracht. Die Stadt musste die Unterkunft schnell wieder schließen. „Zu marode“, befanden die Experten.

Viele Widrigkeiten

Der Trakt der DRK-Bereitschaft sieht nicht besser aus. Die Ehrenamtlichen kämpfen mit vielen Widrigkeiten. Wenige Meter neben dem Sektkeller der Weinmanufaktur führt eine steile Treppe in den zweiten Stock. „Vor und nach jedem Einsatz müssen wir unsere Notfall-Rucksäcke, Koffer und Geräte 35 Stufen nach oben oder unten tragen“, sagt Bereitschaftsleiter Sven Troch. Oben angekommen führt ein 40 Meter langer Flur zu den Räumen. Die Sanitäter haben sich Gitterwagen besorgt, mit denen sie ihre Gerätschaften durch den Flur in die Lagerräume schieben. Auf wenigen Quadratmetern müssen sie ihre Geräte und Materialien stapeln und noch Platz für zwei Waschmaschinen finden, in denen sie ihre Dienstkleidung und die Sanitätsartikel – getrennt voneinander – reinigen können.

Äußerst beengt geht es auch in der Einsatzzentrale und den Bereitschaftsräumen zu. Sanitärräume gibt es außer den Toiletten keine. Die DRK-Frauen und Männer können sich nur im engen mit Spinden vollgestopften Flur umziehen. Ein Vorhang bietet keinen richtigen Schutz der Intimsphäre. „Vor dem Einsatz wuselt hier ein Dutzend Einsatzkräfte über den Gang. Deswegen kommen die meisten in Dienstkleidung zum Einsatz“, sagt Ulrike Ewald.

Keine Möglichkeit zum Duschen

Und wenn die Ehrenamtlichen verschwitzt in die Einsatzzentrale zurückkommen? „Eine Dusche gibt es nicht. Es kann manchmal vorkommen, dass wir blutverschmierte Kleidung anhaben. Dann würden wir uns gerne frisch machen“, klagt Stefanie Rothfuß.

Außerdem haben sie keine Möglichkeit, Erste-Hilfe-Kurse oder andere Ausbildungsveranstaltungen anzubieten. „Unser Kursraum ist zu klein. 56 Quadratmeter sind vorgeschrieben. Das erreichen wir nicht“, sagt Troch. Zudem zieht es durch die alten Fenster, und im Winter fällt immer wieder die Heizung aus.

Das Gebäude verkommt

Troch und der DRK-Kreisverband haben mehrfach das Liegenschaftsamt der Stadt als Vermieter angeschrieben. Doch es tut sich wenig. Ein Gutachten habe die Kosten für eine Dachsanierung auf 1,5 Millionen Euro geschätzt. Die Stadt hatte sich auch überlegt, das Gebäude zu veräußern. Ohne Erfolg. Die Konsequenz: Stillstand. Keine Investitionen, das Gebäude verkommt.

Die DRK-Verantwortlichen haben sich mittlerweile nach Alternativstandorten umgesehen. Die Suche ist aber schwierig. Ihre Hoffnung ruht auf dem ehemaligen Kälte-Fischer-Areal, das die Freiwillige Feuerwehr und das DRK gemeinsam nutzen könnten. Bis zur möglichen Reali­sierung könnten allerdings noch Jahre verstreichen.

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