Vereine befürchten nach Gerüchten das Aus des Marbacher Bades und weisen auf die Folgen hin. Bürgermeister Jan Trost kann die Ängste nicht nehmen. Die Energiekrise ist nur ein Grund.
Was ist dran an dem seit Tagen kursierendem Gerücht, dass das Marbacher Hallenbad geschlossen werden soll? Das wollten Vertreter des Marbacher Schwimmvereins und des Murrer Triathlon-Teams Silla Hopp am Dienstagabend beim Ausspracheabend der Kernstadt in der Stadthalle von Bürgermeister Jan Trost wissen. Die Antwort: nicht gerade erfreulich. Denn durch die Energiekrise auf der einen Seite und den maroden Zustand des Hallenbades auf der anderen könnte eine Schließung bald tatsächlich Wirklichkeit werden. Eine in Auftrag gegebene Studie soll Klarheit darüber bringen, ob eine Weiternutzung bis zum Bau eines neuen Hallenbades möglich ist – durch punktuelle Sanierungen.
Das Damoklesschwert schwebt schon eine Weile über dem Bad
Das Problem: Das Hermann-Zanker-Bad zählt mit seinem Baujahr 1967 zum ältesten Bauwerk seiner Art im Landkreis Ludwigsburg und ist baulich in einem sehr schlechten Zustand. „Das Damoklesschwert schwebt schon eine Weile über dem Bad“, sagt Bürgermeister Jan Trost und macht klar: „Wir schließen seit Jahren nicht aus, dass das Bad geschlossen werden muss. Die Technik ist noch auf dem Stand der 60er Jahre, ebenso die Elektrik. Nichts davon wäre heute bei einem Neubau noch zulässig, Ersatzteile gibt es zum Teil keine mehr. Das Bad ist einfach heruntergewirtschaftet.“ So lasse etwa die Wasserqualität nach, auch mit der Temperatur innerhalb und außerhalb des Beckens gäbe es Probleme.
Bereits im Jahr 2007 hatte der Gemeinderat deshalb beschlossen, ein Bad im Lauerbäumle zu bauen. Inzwischen sind 15 Jahre vergangen, passiert ist nichts. Das soll sich durch den Zuschlag zur Gartenschau ändern. In fünf Jahren soll das neue Bad stehen, so der Plan. Bis dahin wollte man das Hermann-Zanker-Bad weiterbetreiben, so ein Grundsatzbeschluss des Gemeinderates. Ob dies jedoch realistisch machbar ist, soll jetzt eine Anfang des Jahres in Auftrag gegebene Studie zeigen. „Die Ergebnisse werden in absehbarer Zeit vorliegen. Dann werden wir im Gemeinderat darüber diskutieren“, sagt Trost.
Die Frage sei, wie viel Geld man noch ausgeben wolle für die Sanierungen. Für die Vertreter vom Marbacher Schwimmverein und dem Murrer Team Silla Hopp eine Schreckensnachricht. „Wenn wir fünf Jahre ohne Bad dastehen, dann ist der Schwimmsport in Marbach tot. Und die Folgen werden alle Vereine zu spüren bekommen“, machten sie klar. Das große Problem: ohne Bad keine Schwimmkurse. Bereits durch die Coronakrise konnten zahlreiche Schwimmkurse nicht durchgeführt werden, die Warteliste beim Schwimmverein wuchs ins Unermessliche. „Jetzt haben wir die Liste gerade abgearbeitet und haben schon wieder mehr als 100 Kinder auf einer Liste, die darauf warten, schwimmen zu lernen“, berichteten die Vereinsmitglieder. Sarkastisch fügten sie an: „Ohne Bad züchten wir uns was her. Auf einmal haben wir lauter Nichtschwimmer, und dann machen wir eine Gartenschau am Neckar – das passt ja wunderbar zusammen.“
Im ganzen Landkreis sind die Wartelisten für Schwimmkurse riesig
Bürgermeister Jan Trost kann den Unmut und die Ängste verstehen, zumal ein Ausweichen in ein anderes Schwimmbad nicht möglich ist. Im Umkreis sind die Bäder voll belegt. Das bestätigt auch Frank Dautel, Ausbildungsleiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Bezirk Ludwigsburg. „Jeder versucht aufzuholen, was während der Coronaschließungen nicht möglich war. Der Fokus liegt dabei derzeit darauf, Kindern schwimmen beizubringen.“ Die bisherigen Angebote für Kinder und Jugendliche habe man deshalb schon ausdünnen müssen. „Man merkt einfach, dass ein Riesenbedarf da ist. Es gibt viele Orte im Landkreis, in denen es Wartelisten mit einer dreistelligen Zahl gibt.“ Gespannt sei man bei der DLRG deshalb, wie sich die Lage auf dem Energiemarkt entwickelt. Worst Case wäre, wenn alle Bäder geschlossen würden. „Die Lage ist ja eh schon angespannt. Deshalb hoffen wir jetzt mal auf gute Nachrichten“, sagt Dautel. Marbachs Bürgermeister Jan Trost nennt den 22. Juli als Stichtag in dieser Sache. „Dann wissen wir: Kommt noch Gas oder nicht?“ Gemeinsam mit anderen Kommunen drängt er aktuell auf eine Gesamtstrategie für den Landkreis.
Konzept
Da im vergangenen Jahr noch nicht einmal zehn Bürger zu dem Ausspracheabend der Kernstadt kamen, hat die Marbacher Stadtverwaltung über das Konzept nachgedacht. Persönlicher wollte man den Austausch gestalten – mit sogenannten Themeninseln. So hielt Bürgermeister Jan Trost nur einen kurzen Vortrag, ehe die Bürger dann an sechs Stationen ihr Anliegen mit dem passenden Ansprechpartner besprechen konnten. Rede und Antwort standen die Citymanagerin, die Gartenschau-Managerin, die erste Beigeordnete, der stellvertretende Bauamtsleiter, der Ordnungsamtsleiter sowie Bürgermeister Jan Trost.
Resonanz
Weil auch in diesem Jahr gerade einmal etwas mehr als zehn Bürger zum Ausspracheabend kamen, kommt das Format auf den Prüfstand. „Aufwand und Resonanz stehen in keinem Verhältnis“, so Trost. Anders als in der Kernstadt sind die Ausspracheabende im Hörnle und in Rielingshausen stets gefragt.