Die Gumpenbachbrücke in Kornwestheim ist marode und soll neu gebaut werden. Der darunter liegende Bolzplatz soll nach dem Willen der Stadt bleiben. Foto: factum/Granville

Das Bundesverkehrsministerium erstellt die baufällige Gumpenbachbrücke, auf der die B 27 verläuft, von 2018 an komplett neu. Dafür kauft der Bund von der Stadt die Fläche darunter – das freut die Stadtkasse.

Kornwestheim - Eines der großen Themen im Ausschuss für Umwelt und Technik im Kornwestheimer Rathaus war der geplante Neubau der Gumpenbachbrücke durch den Bund. Und das aus gleich mehreren Gründen: so will der Bauherr die Fläche unterhalb des Bauwerks kaufen, oder vielmehr – er fordert es, wie der Baubürgermeister Daniel Güthler präzisiert. Dies sei aus rechtlichen Gründen notwendig, damit der Bund auf eigenem Grund baue. Für die exakt 3091 Quadratmeter große Fläche mit Bolzplatz und Skater-Anlage verlangt die Stadt 100 000 Euro sowie die sogenannte Grunddienstbarkeit auf dem Gelände. Das bedeutet, dass die Stadt Kornwestheim auch nach dem Verkauf weiter bestimmen kann, was auf dem Areal geschieht. Denn der Bolzplatz und die Skateranlage sollen erhalten bleiben.

Ein weiterer Punkt in der Ausschusssitzung war das Planfeststellungsverfahren, das derzeit läuft. Bis zum 22. Dezember hat jeder vom Bau Betroffene – unter anderem Träger öffentlicher Belange, Verbände und Bürger – das Recht, Einwendungen und Stellungnahmen abzugeben. Dies hat auch die Stadt getan, mit einigen ergänzenden Vorschlägen und Forderungen. Dafür benötigte die Verwaltungsspitze die Zustimmung der Räte, die einstimmig ausfiel.

Aktuell gilt aufgrund der Schäden ein Tempolimit

So verlangt die Stadtverwaltung beispielsweise, dass die Situation in der Aldinger Straße noch einmal geprüft wird. Dort gibt es vor allem während der Stoßzeiten lange Staus, auch durch die doppelte Linksabbiegespur auf die Bundesstraße. Bereits vor Jahren hat die Verwaltung eine entsprechende Planung entwerfen lassen und dem Regierungspräsidium vorgelegt. Sie soll nun erneut aufgegriffen werden. Darüber hinaus verlangt die Stadt konkretere Angaben zum Naturschutz.

Das laufende Verfahren ist nur der Auftakt für den Brückenneubau. Von 2018 an will der Bund die Querung, über die die Bundesstraße 27 verläuft, komplett neu erstellen. Notwendig ist das vor allem, weil das Bauwerk sei Jahren marode ist. Eine Anfrage des Ludwigsburger Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger ergab, dass die Brücke sogar die schlechteste im Kreis ist, die dem Bund gehört. Auf einer Skala von 1 (sehr guter Zustand) bis 4 (ungenügend) erhielt sie den Wert 3,7. Die Schäden an dem Bauwerk schränken seit Jahren auch den Verkehr auf der B 27 massiv ein. So wurde die Fahrbahn schmäler, es gilt ein Tempolimit von 60 Stundenkilometern und ein Überholverbot für Lastwagen.

Rund 11,5 Millionen Euro will der Bund in den Neubau investieren, der 2021 fertig sein soll. Im Zuge der Arbeiten wird aber nicht nur die Überführung neu gebaut, es sollen auch die Zufahrten auf die Bundesstraße an der Anschlussstelle Kornwestheim-Nord verbreitert werden. Das Regierungspräsidium Stuttgart rechnet mit insgesamt vier Bauphasen. Während der Arbeiten sollen die Autos trotzdem auf vier Spuren über den Gumpenbach rollen können. Dazu wird ein Teil der neuen Brücke zunächst auf Behelfspfeilern errichtet. Zunächst war vorgesehen, die Fahrbahn während der Arbeiten auf zwei Spuren zu verkleinern – im Kornwestheimer Rathaus befürchtete man allerdings ein Verkehrschaos. Täglich fahren rund 50 000 Autos über das Viadukt.

Ein Fuß- und Radweg wird nicht kommen

In der Sitzung des Gemeinderats-Ausschusses wollte der Freie-Wähler-Stadtrat Dieter Holzscheiter wissen, ob denn durch die Bauarbeiten Gebäude der Städtischen Wohnbau betroffen seien und deren Bewohner möglicherweise ausziehen müssten. Der Bürgermeister Daniel Güthler sagte: „Das ist vermutlich nicht erforderlich, allerdings kommt der Verkehr sehr nahe an die Häuser heran.“ Der Grund dafür sei, dass die Brücke teilweise vormontiert und erst anschließend an ihren Platz gerückt werde. Der Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier ergänzte: „Zum Teil wohnen dort unsere langjährigsten Mieter. Die Frage ist, ob sie bleiben können, wenn sie wollen.“ Betroffen sei ein Gebäude. Laut Güthler müsse man noch prüfen, ob eine Gesundheitsgefährdung bestehe.

Ein Bürger hatte einen Fuß- und Radweg entlang der neuen Fahrbahn auf der Brücke ins Spiel gebracht. „Eine lobenswerte Idee“, sagte Baubürgermeister Güthler auf Nachfrage, „aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Bund darauf einlassen wird.“ Das sei eine bislang nicht vorhandene Verbindung, die nur Kornwestheim betreffe. „Und wir als Stadt können uns das nicht leisten.“

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