Markus Raab zieht es nach Valencia. In sechs Wochen beginnt die Reise. Foto: Ines Rudel

Der Esslinger Kulturbürgermeister und John-Wayne-Fan Markus Raab ist offiziell verabschiedet worden.

Esslingen - Der Cowboy reitet in den Sonnenuntergang. Der Esslinger Bürgermeister Markus Raab (CDU) ist am Dienstag im Alten Rathaus verabschiedet worden. Nach 16 Jahren in Esslingen zieht es den 59-jährigen John-Wayne-Fan in die Ferne. Er wandert ins spanische Valencia aus. Dort arbeitet seine Frau.

Dass die Arbeit in Esslingen sowohl innerhalb der Verwaltungsspitze als auch mit dem Gemeinderat nicht immer einfach war, klang mehrfach durch. „Ich glaubte nicht, dass viele Leute kommen, ich war nicht besonders beliebt“, berichtete Raab in seiner Abschiedsrede von einem launigen Gespräch mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann. Dieser habe ihm angesichts des stetigen Stroms an Gästen gesagt: „Die Leute wollen sicher sein, dass du wirklich gehst.“

Viel Humor – wenige politische Freunde

Seinen Humor hat Raab auch sechs Wochen vor seinem offiziellen letzten Arbeitstag Ende August offenbar nicht verloren. Doch der Humor mache wenige Freunde, meint Raab. Andererseits sei ihm der Verzicht auf den einen oder anderen politischen Freund nicht schwergefallen. Wichtiger, als viele politische Freunde zu haben, sei es, loyal zu sein und auch unter Druck Haltung zu bewahren – wie die Helden in einem guten Western. Manchmal sei es besser, allein zu reiten.

In der Öffentlichkeit stand Raab in den vergangenen Jahren aber nicht allein aufgrund seiner Arbeit als Bürgermeister. An einen seiner Auftritte als Kleinkünstler erinnerte die Personalrätin Astrid Happel. „Ich finde es mutig, sich so in der Öffentlichkeit zu präsentieren“, sagte sie. Mit ihrer „ehrlichen Rückmeldung“ zu dem Gehörten und Gesehenen habe Raab stets gut umgehen können.

Sänger und Hutmodel

Als Sänger der Band The John Wayne Naked Appreciation Society stand Raab regelmäßig auf der Bühne. Als Hutmodel hat er sich auch betätigt. Dass ihm die Ideen für den Ruhestand ausgehen, ist kaum zu befürchten. Mit einer Zigarre wolle er sich dem philosophischen Lesen widmen und vielleicht den einen oder anderen seiner vom Zigarrenrauch geschwängerten Ideen aufs Papier bringen, kündigte er an: „Der Rausch macht die Gedanken beweglich. Auch das Schreiben geht dann leichter von der Hand.“

Die Rede des Ratschefs Jürgen Zieger führte über Raabs Biografie fast eine Stunde lang zu vielen Themen der Esslinger Stadtpolitik, denen sich Raab in seiner Zeit gewidmet hatte. Dass er die Zuschauer mit einer Ansprache, die in weiten Teilen im Stil einer Gemeinderatsvorlage verfasst war, langweilte, bemerkte irgendwann Zieger selbst. Wer unterstellen wollte, dass sich Raab und Zieger nicht sonderlich gemocht haben, hätte in dieser Rede auch einen letzten Affront Ziegers gegen seinen scheidenden Bürgermeister sehen können. Zum offenen Duell kam es an diesem Abend aber nicht mehr. Die Colts blieben im Halfter.

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