Sieht optimistisch in die Zukunft: Markus Beier. Foto: Gottfried Stoppel

Der frühere Kreiswirtschaftsförderer Markus Beier profitiert als Hauptgeschäftsführer der IHK Rems-Murr von Netzwerken, die er selbst aufgebaut hat. Im Interview sagt er unter anderem, wo er aktuelle Chancen und Risiken für die heimischen Unternehmen sieht.

Waiblingen - Das Terrain ist das Gleiche, die Interessen ein wenig anders ausgerichtet. Markus Beier fördert seit rund 150 Tagen die heimische Wirtschaft – nun eben nicht für den Landkreis sondern die Industrie- und Handelskammer (IHK) .

Herr Beier, seit knapp fünf Monaten sind Sie bei der IHK. Warum haben Sie den Arbeitsplatz gewechselt – Sie hatten doch einen guten Job im Landratsamt?
Sie haben Recht, die acht Jahre als Wirtschaftsförderer des Kreises waren eine spannende und gute Zeit. Das Jobangebot als Leitender Geschäftsführer der IHK war aber noch einmal eine riesige berufliche Chance – und das sogar im selben Wirkungsbereich und mit dem Vorteil, von Netzwerken profitieren zu können, die ich mir selber aufgebaut habe.
Jetzt aber in einer anderen Rolle...
Natürlich geht mit dem Jobwechsel auch ein gewisser Rollenwechsel einher – aber kein Rollenkonflikt: Ich möchte weiterhin für die Wirtschaft Initiativen anstoßen, und dazu ist es unerlässlich, auch weiter gut und vertrauensvoll mit den bisherigen Partnern zusammenzuarbeiten.
Worauf haben Sie persönlich in Ihrer beruflichen Anfangsphase Wert gelegt?
Am Anfang stand zunächst das Kennenlernen meiner Kolleginnen und Kollegen, der Organisation IHK und ihrer Aufgaben im Mittelpunkt. Dafür habe ich mir viel Zeit genommen. Darüber hinaus ging und geht es mir darum, die Präsenz der IHK in der Öffentlichkeit zu erhöhen, Veranstaltungen, Fachmessen und Firmen zu besuchen und dabei auch unsere Dienstleistungsangebote zu vermitteln.
Dieser Bereich hat wegen der langen Vakanz der Stelle gelitten?
Natürlich, es wäre aber auch schlimm, wenn nicht bemerkt worden wäre, dass einer fehlt. Aber ich muss betonen: Ich habe ein hervorragend bestelltes Haus vorgefunden, die Kollegen und das Präsidium haben trotz der Doppelbelastung einen tollen Job gemacht.
Was wollen Sie vorantreiben?
Ein Schwerpunkt, den ich auch aus meiner Tätigkeit beim Landratsamt mitbringe, ist das Thema Breitbandausbau. Da ist etwas ins Rollen gekommen.
Was genau?
Wir haben gemerkt: Je mehr Aktivitäten von unserer Seite aus entwickelt wurden, desto mehr kamen die großen Telekommunikationsunternehmen und haben ihrerseits Bemühungen zur Verbesserung der Breitbandversorgung unternommen – auch in Gebieten, in denen jahrelang nichts passiert ist. Deshalb ist es wichtig, dass dieser Druck im Kessel bleibt und Landkreis und Kommunen beim Breitbandausbau jetzt in unterversorgten Gebieten mit dem Netzausbau beginnen. Für uns als IHK ist es natürlich sehr wichtig, die Gewerbegebiete schnellstmöglich mit schnellem Internet auszustatten. Für die Betriebe ist das die Grundvoraussetzung für alles, was wir unter den Stichworten Industrie 4.0 oder Digitalisierung diskutieren.
Wie weit sind Ihre Mitgliedsbetriebe bei dem Thema denn generell?
Ich glaube, wir sind im Maschinenbau, der eine Schlüsselbranche bei uns ist, schon recht gut aufgestellt, aber auch hier gibt es weitere Herausforderungen für die Zukunft.
Welche?
Man muss zum Beispiel wachsam sein, dass man die Qualifikation der Mitarbeiter den neuen Bedarfen anpasst. Das permanente Weiterqualifizieren im Beruf ist etwas, was wir in der Zukunft noch viel stärker und in viel kürzeren Zyklen erleben werden, als es bisher der Fall ist. Vor allem kleineren Unternehmen fällt es häufig schwer, Ideen und Strategien zu entwickeln, wie sie ihre Produktpalette oder ihre Dienstleistungen den neuen Technikmöglichkeiten anpassen können. Die IHK vermittelt hier Informationen und Beratungsangebote.
Ein heiß diskutiertes Thema mit offenen Fragen ist auch die Elektromobilität...
Ja. Viele unserer Betriebe hängen direkt oder indirekt an der Automobilindustrie. Und da stellt sich natürlich die Frage, wie schnell kommt der Wandel, wie geht er überhaupt vonstatten und was bedeutet das konkret für die Produkte? Das gilt sowohl für die Automobilindustrie und die Zulieferer als auch für Arbeitsplätze, die sich verändern werden.
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