Neben Hofläden und Märkten bieten Schwärmereien einen weiteren Vertriebsweg für lokale Produzenten. Foto: dpa/Christoph Soeder

Fast 180 potenzielle Kunden hatten sich für eine Schwärmerei, einen Raum, in dem Landwirte ihre Waren direkt an den Konsumenten bringen können, angemeldet. Doch zu viele Produzenten haben den Gastgebern aus Stuttgart-Möhringen einen Korb gegeben.

Möhringen - Das Interesse der Käufer war da: Fast 180 Menschen hatten sich auf der Internetseite der Marktschwärmer für den potenziellen Standort Stuttgart-Möhringen angemeldet. Zusätzlich zum Verkauf am eigenen Hof und dem Stand auf dem Wochenmarkt ist eine Schwärmerei ein weiterer Weg, wie Landwirte ihre Produkte direkt an den Kunden bringen können. Einen Verkaufsort hatten die beiden Gastgeber, die Möhringer Christoph Hirzel und Sebastian Hinderer, auch schon gefunden: Die Schwärmerei sollte jeweils mittwochabends im CVJM-Haus öffnen.

Doch seitens der Produzenten kamen zu viele Absagen. „Die meisten haben einen Hofladen und sind damit ausgelastet“, berichtet Hinderer. Die Landwirte hätten das Konzept zumeist eine „gute Idee“ genannt, aber keine Kapazitäten gehabt, ihre Waren dort zu verkaufen. „Wir sind natürlich enttäuscht“, sagt Hinderer, „wir hatten gehofft, jetzt im Frühjahr die Schwärmerei starten zu können“. Hirzel ergänzt: „Das ist auch schade für die Leute, die sich angemeldet hatten und dort eingekauft hätten.“

Corona hat die Nachfrage in den Hofläden gesteigert

Für die beiden Möhringer war es bereits der zweite Anlauf gewesen. Sie hatten noch vor Corona angefangen, Landwirte zu kontaktieren und das Konzept vorzustellen. Vergangenes Frühjahr kamen die Gespräche dann erst einmal zum Erliegen, bevor Hinderer und Hirzel im Herbst erneut zahlreiche Produzenten anriefen. Mit mehreren Dutzend Landwirten in einem Umkreis von bis zu 50 Kilometern um Möhringen herum hätten sie telefoniert. Zumeist kamen Absagen. „Viele haben berichtet, dass mit Corona die Nachfrage in ihren Hofläden noch gestiegen sei“, sagt Hinderer. Den zusätzlichen Vertriebsweg der Schwärmerei hätten sie demnach nicht bedienen können.

Einen dritten Versuch werden Hinderer und Hirzel erst einmal nicht starten. Zum einen, weil sie selbst neben der Arbeit die Zeit für die Organisation nicht mehr hätten. Zum anderen wegen der derzeit geringen Aussichten auf Erfolg: „Für einen dritten Anlauf müssten wir schon das Gefühl haben, dass sich die Rahmenbedingungen zum Positiven ändern, dass auch die Gespräche mit den Erzeugern vielversprechender werden“, sagt Hinderer.

Lokale Erzeuger unterstützen

Etwas Gutes haben die beiden jungen Männer der langen Suche nach lokalen Produzenten aber abgewinnen können: „Es ist toll zu sehen, wie viele Höfe es eigentlich noch gibt – auch, wenn sie vielen vielleicht nicht so präsent sind“, sagt Hinderer. „Uns ist es ein Anliegen, lokale Erzeuger zu unterstützen“, ergänzt Hirzel. Das gelte für ihren eigenen Einkauf ohnehin. „Und wir verweisen gern auf die Landwirte in der Region, die ihre Produkte direkt vermarkten.“ Über das Internet fänden sich viele Produzenten, die ihre eigenen Hofläden betrieben.

Das Marktschwärmer-Team sucht derweil nach Gastgebern, die die Mühen von Sebastian Hinderer und Christoph Hirzel fortsetzen. „Leider können Christian und Sebastian die Schwärmerei Stuttgart nicht mehr weiter aufbauen. Die Schwärmerei muss daher leider schließen, noch bevor sie ihre Türen das erste Mal öffnet. Wir bedauern diesen Schritt sehr, sehen darin aber auch die Chance für einen Neuanfang – wir glauben weiter an das Potenzial, hier in Stuttgart-Möhringen eine inspirierende und erfolgreiche regionale Bestellgemeinschaft zu etablieren. Wir suchen daher nach neuen Gastgeber*innen, die gemeinsam mit den Erzeuger*innen aus der Region eine Schwärmerei in Stuttgart aufbauen und organisieren möchten!“, heißt es in einer E-Mail an die 180 angemeldeten potenziellen Kunden. Interessenten können sich unter https://marktschwaermer.de melden.

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