Der Stuttgarter Marktplatz muss saniert werden Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Diskutieren Sie mit - Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) hat konkrete Vorstellungen für eine Aufwertung des Marktplatzes. Einen Generalplan, der auch eine Umsiedlung des Brunnens vorsieht, lehnt er ab.

Stuttgart - Die Kritik vieler Stuttgarter am Marktplatz reißt nicht ab. Er wird öde genannt oder als Objekt für Immobilienspekulanten bezeichnet. Der Vorwurf an die Stadt lautet: Sie habe keine schlüssigen Konzepte zur Aufwertung des Marktplatzes. Der Baubürgermeister hält dagegen. Peter Pätzold: „Der Platz ist belebt. Und zwar nicht nur während der drei Wochenmarkttage. Es ist immer irgendetwas los. Das Problem ist die Sonnenseite des Platzes. Da ist es seit der Schließung des Café Scholz ein Unterschied wie Tag und Nacht. Es fehlt ein Bereich, in dem man sitzt, das Treiben beobachten oder Kaffee trinken kann. Das ist das Hauptmanko des Platzes. Aber grundsätzlich bin ich mit dem Platz zufrieden und finde ihn von den Abmessungen her schön.“

Plan der Stadt

Der Stuttgarter Architekt Uwe Eggert hatte bereits vor neun Jahren dem ehemaligen Baubürgermeister Hahn ein Gesamtkonzept vorgelegt, wie der Platz belebt werden könnte. Doch davon hält die Stadt nichts, sie hat einen anderen Plan:

Peter Pätzold: „Zu den nächsten Haushaltberatungen 2017 werde ich vorschlagen, die Situation des Marktplatzes zu verbessern. Denn im Wohnzimmer der Stadt ist der Teppichboden ziemlich abgelaufen. Das Gesamtensemble ändert sich ja sowieso. Wir bekommen das Dorotheenquartier, eine neue Rathausgarage und beim Platz müssen wir das Thema Belag sowie die Zugänge zum Platz angehen. Wir prüfen gerade mit dem Stadtplanungsamt und dem Tiefbauamt, was ein neuer Belag kosten könnte.“

Standort des Brunnens

Architekt Eggert schlägt unter anderem die Versetzung des Marktbrunnens vor. „Die bisherigen Stadtväter hatten kein Gefühl für Kultur“, kritisiert Eggert und schildert seinen Wurf: „Man muss einfach den Marktbrunnen aus seiner Kuhle holen und wieder an seinen ursprünglichen Platz setzen.“

Peter Pätzold: „An der Ecke, wo der Brunnen steht, muss man etwas tun. Gleichwohl hat die Baumgruppe mit dem Brunnen eine gewisse Qualität. Ich verbinde damit Sommer, Schatten, Wasser, Bäume. Aber man muss dort besser sitzen, sich aufhalten können. Technikbürgermeister Dirk Thürnau prüft gerade, was man dort machen kann. So wie es ist, ist es schlecht. Die Frage ist, ob man den Brunnen aus der Kuhle holt, also einfach höher setzt. Ich gebe zu, die Sitzmöglichkeiten sind derzeit nicht gut. Da gibt es bessere Möglichkeiten. Im Augenblick sitzt man ja mit dem Rücken zum Brunnen. Der Vorschlag von Architekt Eggert, den Brunnen zu versetzen, gefällt mir nicht. Am Wilhelmsplatz liegt der Brunnen auch vorne, ist aber kein Treffpunkt. Im Übrigen stand der Brunnen nie da, wo ihn Eggert gerne haben will. Dokumente belegen, dass er immer schon an der ehemaligen Eichstraße 2 am Gasthaus Sonne stand.“

Neue Gastronomie

Die Ansiedlung der Gastronomie gilt als Patentrezept für die Aufwertung des Marktplatzes. Dabei soll auch der Ratskeller, der im März 2016 geschlossen und saniert wird, eine wichtige Rolle spielen. Aber als Heilsbringer wird der Plan von Breuninger gesehen, ab Juni 2016 ein Café am Platz zu eröffnen.

Peter Pätzold: „Den Vorschlag von Breuninger, in der alten BW-Bank-Filiale ein Café reinzumachen, find’ ich gut. Eine Frage ist auch, wie man dann mit dem Autoverkehr umgeht, damit man das Angebot von Breuninger gut nutzen kann. Auch der Taxistand müsste dann weg. Denn die Taxis würden so stören. Die Breuninger-Gastronomie wäre ein Fortschritt, aber es wäre auch schön, wenn wir auf der anderen Seite Bewirtung hätten. Leider ist mir bisher auch nicht zu Ohren gekommen, ob im Haufler-Gebäude ein Gastronom einzieht. Aber in der Ausschreibung des Ratskellers ist auch eine Außenbewirtschaftung vorgesehen. Ich stelle mir da ein Konzept vor, das ich schon in Paris gesehen habe. Das sind Holzelemente, die als Sitzelemente und Plattformen nutzbar sind. Diese Elemente kann man auch stapeln und im Winter wegräumen.“

Verantwortung der Besitzer

Den Eigentümern und Immobilien-Holdings wird vorgeworfen, lediglich auf die Rendite zu achten. Die Folge sind Vermietungen an potente Filialisten. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Baubürgermeister.

Peter Pätzold: „So wie bei Breuninger stelle ich mir Verantwortung der Eigentümer vor. Sie müssen sich auch Gedanken machen, wie man die Qualität des Platzes verbessern kann. Man muss sich als Eigentümer bewusst machen, dass man am Marktplatz sitzt. Also an einem besonderen Platz der Stadt.“

Stadt als Investor?

Heinz Reinboth von der IG Königstraße kritisierte unlängst: „Ich bedauere, dass die Stadt nicht den Mut hatte, ein Gebäude zu kaufen, um so Einfluss auf die Gestaltung des Marktplatzes zu nehmen.“

Peter Pätzold: „Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, solche Gebäude zu kaufen. Wer in so einer Lage ein Gebäude besitzt, hat eine Verantwortung. Das Haus, in dem das Scholz war, stand nie zum Verkauf. Und wenn wir beim Haufler-Gebäude plötzlich sagen, wir kaufen es, um den Platz anschließend durch Gastronomie zu beleben, dann kommen eventuell die Untertürkheimer und fordern auch so etwas. Das ergäbe einen Rattenschwanz.“

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