Für den Plan, im leer stehenden Breitling-Gebäude am Stuttgarter Marktplatz ein Haus des Tourismus zu etablieren, gibt es im Gemeinderat Fürsprecher und Kritiker. Die PULS-Fraktionsgemeinschaft will Alternativen diskutieren, die CDU kann sich auch eine gewerbliche Nachnutzung vorstellen.
Stuttgart - Wie geht es weiter mit dem leer stehenden Modehaus Breitling am Marktplatz? Im Dezember war der Chef der Stuttgart Marketing und Regio Marketing GmbH, Armin Dellnitz, mit seinerIdee einer Tourismuszentrale an dieser exponierten Stelle der Stadt vorgeprescht. Das Konzept stieß laut Dellnitz bei den Fraktionen im Rathaus und im Aufsichtsrat von Stuttgart Marketing auf großes Interesse und Zuspruch.
Die Fraktionsgemeinschaft PULS, bestehend aus Stadträten der Stadtisten sowie der „Partei“ und der Jungen Liste, begrüßt die Idee grundsätzlich auch, möchte aber auch über alternative Nutzungsmöglichkeiten diskutieren. So könnte man dort etwa über ein Haus der Kulturen, ein Haus des bürgerschaftlichen Engagements oder ein Haus der Vereine unterbringen, meint Fraktionssprecher Thorsten Puttenat und wirbt bei den anderen Ratsfraktionen für eine „Ausweitung der Ideenfindung“. Die Reaktionen auf den Vorstoß reichen von verhalten bis aufgeschlossen.
CDU kann sich Tourismuszentrale eher im Bonatz-Bau vorstellen
Auf eines legt PULS-Fraktionssprecher Puttenat Wert: Das Engagement von Stuttgart Marketing und Armin Dellnitz sei lobenswert, die Idee eines Hauses des Tourismus am Marktplatz nicht falsch. Es gehe seiner Fraktionsgemeinschaft aber darum, vor einer Entscheidung mehrere Optionen auf dem Tisch zu haben, um nicht am Ende alternativlos entscheiden zu müssen. Dellnitz’ Konzept sieht vor, dass die Stadt das Gebäude von der Unternehmerfamilie Breitling anmietet, entsprechend umbaut und dann dort ein Tourismuszentrum für Stuttgart und die Region etabliert, das auch Erlebnisbereiche und digitale Elemente beinhalten soll.
Außerdem will der oberste städtische Tourismusbeauftragte dort auch die Verwaltung von Stuttgart Marketing unterbringen, die bislang in angemieteten Räumen am Rotebühlplatz ihren Sitz hat. Ergänzend wären auch Besprechungsräume Dellnitz schwärmt von einem Besuchermagneten, der auch die Gastronomie in der näheren Umgebung des Rathauses beleben könne. Die bestehenden Anlaufstellen für Touristen am Hauptbahnhof und am Flughafen sollen bestehen bleiben, der i-Punkt am Hauptbahnhof lediglich verkleinert und möglicherweise in den Bonatz-Bau verlegt werden. Die Grünen stehen der Dellnitzschen Idee aufgeschlossen gegenüber, eventuell ergänzt um einen Clubbetrieb im Erdgeschoss, sagt deren Fraktionssprecher Andreas Winter. Man wolle sich aber der Diskussion über alternative Ansätze nicht verschließen. Bei der CDU würde man sich dagegen über eine gewerbliche Nachnutzung freuen. „Bei uns schreien nicht alle Juhu. Es gibt Stimmen, die den idealen Standort für ein Tourismuszentrum eher am Hauptbahnhof sehen als auf dem Marktplatz“, so Fraktionschef Alexander Kotz. Schließlich werde der neue S-21-Tiefbahnhof zum Aushängeschild der Stadt. Für Kotz ist klar: Erst muss der Rat über die Nutzung entscheiden, bevor die Stadt das Gebäude eventuell anmietet.
FDP fordert rasche Entscheidung und warnt vor Metropol-Beispiel
Die SPD ist zwar noch nicht festgelegt, macht aber ebenfalls ein Fragezeichen bezüglich der Frage, ob der Standort für ein Tourismuszentrum am Marktplatz ideal wäre, sagt Fraktionsvorsitzender Martin Körner. Die FDP wiederum findet das Konzept gut, mahnt aber vor allem eine rasche Entscheidung: „Nicht dass da am Schluss noch eine Kletterhalle reinzieht“, sagt Fraktionssprecher Mathias Oechsner unter Verweis auf die geplante und höchst umstrittene Nutzung des ehemaligen Metropol-Kinos als Boulder-Halle.