Eigentlich sollten die Arbeiten in der Ortsmitte und die Sanierung des Marktplatzes in etwa zeitgleich beendet werden. Doch daraus wird jetzt nichts. Foto: Torsten Ströbele

Der Bezirksbeirat hat das Stadtplanungsamt für die neuen Entwürfe zur Sanierung des Marktplatzes kritisiert.

Botnang - Verärgerte Bezirksbeiräte, ein teilweise fassungsloser Botnanger Schultes und ein verwunderter FDP-Stadtrat: Das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung hat am Dienstagabend im Saal des Bürgerhauses für Aufregung und betretene Mienen gesorgt.

Die städtischen Mitarbeiterinnen Sabine Stark und Carolin zur Brügge waren eigentlich frohen Mutes, bevor sie in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung die lang ersehnten Pläne zur Sanierung des Marktplatzes vorstellten. Doch die Stimmung kippte schnell, nachdem die Kommunalpolitiker einen genaueren Blick auf die neuen Pläne der drei Architekturbüros geworfen hatten, die von der Stadtverwaltung beauftragt wurden. Die Bezirksbeiräte hatten ein anderes Ergebnis erwartet: Eigentlich hätten sich die Entwürfe stark an dem Beschluss der Kommunalpolitiker orientieren sollen, den das Gremium im Januar vergangenen Jahres gefasst hat: Nach drei intensiven Workshops, die mit Bürgern und Verwaltung durchgeführt worden waren, herrschte auch im Bezirksbeirat große Einigkeit darüber, wie der Marktplatz künftig aussehen soll. Bei nur einer Gegenstimme wurde der Vorschlag, der im Rahmen der Bürgerbeteiligung erarbeitet wurde, damals abgesegnet. „Doch diese drei neuen Entwürfe haben so gut wie nichts mit dem Plan aus dem Januar 2013 zu tun“, sagte Bezirksbeirat Ernst Hauschild (CDU). „Sie sollten die Ergebnisse aus den Workshops vertiefen, haben sie aber total abgeändert.“ Allen sei doch wichtig gewesen, dass der Marktplatz multifunktional nutzbar sein müsse – für den Markt, zum Spielen oder für Veranstaltungen. Und dafür sollten 13 der 17 Bäume auf dem Platz weichen.

Stadtplanungsamt zeigt sich von der Kritik überrascht

Doch auf einem der neuen Entwürfe waren plötzlich sogar mehr als 20 Bäume zu sehen. Ein anderes Architekturbüro sprach in seinem Konzept von Bäumen, die wie hingewürfelt wirken sollen und keiner Ordnung unterliegen. „Haben Sie denn den Planern überhaupt mitgeteilt, wie unsere Wünsche aussehen?“, fragte Hauschild die Mitarbeiterinnen des Amtes für Stadtplanung und Stadterneuerung.

Denn auch der dritte und gleichzeitig von der Stadtverwaltung favorisierte Entwurf stieß bei den Bezirksbeiräten auf wenig Gegenliebe. 14 Bäume sind auf diesem Plan eingezeichnet; elf von ihnen bilden ein Rondell im Bereich an der Eltinger Straße. „So werden aber aus dem einen großen Platz wieder zwei kleine“, sagte Hauschild. Auch FDP-Stadtrat Matthias Oechsner wunderte sich: „Die drei Entwürfe sind zwar gut, haben aber sehr wenig mit dem Willen des Gemeinderats zu tun.“ Im Rahmen der Haushaltsberatungen seien beispielsweise die gewünschten Wasserelemente aufgrund der hohen Kosten von den Stadträten aus dem Konzept gestrichen worden, jetzt seien sie im favorisierten Entwurf der Verwaltung wieder drin. „Wie kommt das zustande?“, fragte Oechsner.

Sabine Stark und Carolin zur Brügge zeigten sich von der Kritik überrascht, schlugen am Ende aber vor, noch einmal eine Arbeitsgruppe zu bilden – aus Vertretern des Bezirksbeirats und der beteiligten Ämter. „Das Kind ist jetzt schon in den Brunnen gefallen“, sagte Bezirksvorsteher Wolfgang Stierle. „Jetzt kommt es auf zwei bis drei Monate auch nicht mehr an.“ Man solle die Eindrücke sacken lassen, die Entscheidung über das künftige Erscheinungsbild des Marktplatzes vertagen und schnell einen Termin finden, um sich zu besprechen. „Danach sollten wir auf jeden Fall noch einmal das Ergebnis in einer Mini-Bürgerbeteiligungsrunde diskutieren“, sagte Stierle. Damit konnten sich dann auch die Bezirksbeiräte anfreunden.

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