Die Bagger sind aktuell vom Marktplatz verschwunden, das Loch ist geblieben. Foto: Torsten Ströbele

Der Vereins- und Handwerkerbaum steht dem Landesamt für Denkmalpflege auf dem Marktplatz im Weg. Wenn weiter nach Funden aus der Römerzeit gesucht werden soll, muss eine Lösung her. Das Tiefbauamt ist dran.

Altstadt - Die Baustelle auf dem Marktplatz kommt für Dirk Strohm zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. „Für die Marktbeschicker ist das nicht optimal und für unsere Veranstaltungsreihe Abendmarkt ebenfalls nicht“, sagt der Vorsitzende des Vereins „Die Altstadt Bad Cannstatt“. Am Freitag, 26. Mai, findet mit dem griechischen Abend die Auftaktveranstaltung der Reihe auf dem Marktplatz statt. Bis zum 8. September folgen weitere 14 Feste. „Wir müssen wohl mit der Baustelle leben. Sie kam überraschend, aber wir bekommen das hin“, sagt Strohm. Es sei eine logistische Herausforderung, die man meistern werde. Die Hoffnung, dass die Baustelle bis zum 26. Mai verschwunden ist, hat Strohm aber noch nicht ganz aufgegeben.

Markus Lieber vom Tiefbauamt möchte diesbezüglich keine Versprechungen machen: „Im Idealfall werden wir fertig. Aber wir haben das nicht alleine in der Hand.“ Notwendig sind die Arbeiten auf dem Marktplatz geworden, weil dort der schon lange geplante Fontänenbrunnen entstehen soll. Ehe das Wasser auf dem Marktplatz aber fließen und sprudeln kann, möchte das Landesamt für Denkmalpflege untersuchen, ob im Erdreich nicht doch etwas aus der Römerzeit zu finden ist. Die Fläche, auf welcher der geplante Fontänenbrunnen später liegen soll, befinde sich mitten im nachweislich seit dem frühen Mittelalter besiedelten Teil Cannstatts, betont die Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Katja Lumpp.

Der Maibaumverein betont, dass der Baum stehen bleiben muss

Schon 708 nach Christus, als erstmals Belege über „Canstat“ in schriftlichen Quellen aufgetaucht seien, habe die Siedlung eine besondere Bedeutung gehabt. „Die unweit des geplanten Fontänenbrunnens gelegene heutige evangelische Stadtkirche St. Cosmas und Damian geht im Kern noch auf einen um 1169/82 errichteten Vorgängerbau zurück; ältere möglicherweise bis ins 9. Jahrhundert zurückreichende Vorgängerbauten werden vermutet“, betont die Pressesprecherin.

Wenn es nach Markus Lieber geht, soll die Fläche in drei Abschnitten untersucht werden. „Der erste Teil war in drei Stunden erledigt“, sagt Katja Lumpp. „Wir haben auch nichts gefunden.“ Aktuell könne man aber mit Abschnitt zwei nicht weitermachen. Ein Statiker habe festgestellt, dass der Vereins- und Handwerkerbaum des Maibaumvereins umfallen könnte, wenn die Arbeiten wie geplant weitergehen würden. „Es muss geklärt werden, wie wir jetzt vorgehen“, sagt Lumpp.

Für Eberhard Köngeter vom Maibaumverein ist klar, dass der Baum stehen bleiben muss: „Wir haben Bestandsschutz bis 31. Dezember 2019. Das ist vom Baurechtsamt bewilligt.“ Schon vor 14 Monaten habe man der Stadt und dem zuständigen Ingenieurbüro mitgeteilt, dass bei den Planungen und Arbeiten der Baum zu berücksichtigen sei. „Die Stadt muss sich den Gegebenheiten anpassen und eine Lösung finden“, betont Köngeter.

Wenn die Archäologen fündig werden, wird weiter gegraben

Markus Lieber ist frohen Mutes, dass dies auch in der kommenden Woche klappen wird: „Der Baum bleibt stehen. Wir müssen an ihm vorbeikommen. Das klären wir.“ Anschließend müsse das aktuelle Loch auf dem Marktplatz noch etwas größer werden, damit die Archäologen ihre Arbeit wieder aufnehmen können. „Sie graben, schauen, ob da ein alter Römer drinliegt oder etwas anderes Wertvolles und geben uns dann am nächsten Tag Bescheid, ob sie etwas gefunden haben“, sagt Markus Lieber. „Im Idealfall für uns finden sie nichts.“ Dann könnte man das Loch wieder provisorisch verschließen, weil man es ja eh für die Arbeiten am Fontänenbrunnen wieder aufmachen müsse. „Wenn die Archäologen allerdings fündig werden, wird weitergegraben“, sagt Lieber. Deshalb könne er auch über die Dauer der Arbeiten derzeit auch noch nichts sagen.

Unabhängig vom Zeitplan soll der Fontänenbrunnen auf einer neun mal neun Meter großen Fläche mit Granitplatten entstehen. Immer wieder sollen sich neun Fontänen erheben. Zwischen 15 und 120 Zentimeter soll das Wasser hochschießen. Die rund 200 000 Euro, die der Bau des Brunnens kosten wird, stehen im Stadthaushalt zur Verfügung. Aber der Betrieb ist noch nicht finanziert. Die Stadträte müssten in den kommenden Haushaltsberatungen das Budget für die Brunnen erhöhen. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass für den Fontänenbrunnen rund 8000 Euro benötigt werden.

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