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Markus Grimm, Chef des Bio-Supermarkts im Markt am Vogelsang, will mehr Kunden gewinnen.

Stuttgart - Die Bauernmarkthalle am Vogelsang im Stuttgarter Westen war ein charmantes Experiment; viele kleine Händler haben dort eine Nische besetzt. Allerdings kämpfte die Halle andauernd um Kundschaft, die zu oft ausgeblieben ist. Inzwischen ist die alte Halle abgerissen, im Neubau mit neuem Konzept läuft es aber auch mehr schlecht als recht. Im Gebäude mit Gastronomie und sechs Händlern, bei denen alles Bio oder aus nachhaltiger Erzeugung ist, herrscht nur selten Gedränge. Markus Grimm, Gesellschafter des Bio-Supermarkts, weiß, dass sich etwas ändern muss.

Herr Grimm, essen Sie nur Produkte aus biologisch-dynamischem Anbau?

So alle drei Monate ess' ich aus Zeitmangel auch mal einen Hamburger und schwöre mir dann: Nie wieder. Denn mir wird regelmäßig schlecht.

Beim Fast Food stehen die Kunden dennoch oft Schlange. Der Markt am Vogelsang wirkt dagegen oft wie ausgestorben. Woran liegt's?

Zum einen ist Lage nicht ideal. Laufkundschaft kommt kaum vorbei. Außerdem wird der Standort noch nicht richtig vermarktet. Von außen ist zum Beispiel nicht zu erkennen, was sich in der Halle abspielt.

Wie viele Kunden hat der Markt pro Tag?

Unter der Woche sind es 300 bis 400, am Samstag auch mal 600. Verkraften könnten wir allerdings gut doppelt so viele Kunden.

In der ehemaligen Bauernmarkthalle gab es regionale Erzeugnisse mit und ohne Biostempel. War das doch das bessere Konzept?

Es ist vor allem nicht unser Konzept. Denn wir wollen natürlich kein Edeka-Laden sein. Alle Mieter waren sich einig, ausschließlich Bioprodukte und Produkte aus ökologischer Erzeugung anzubieten, um unsere Idee nicht zu verwässern: Wir wollen unseren Beitrag zu fairen Produktionsbedingungen leisten und so dabei helfen, die Umwelt nachhaltig zu schonen.

Sind Fleisch, Käse, Blumen oder Ökokleidung im Markt am Vogelsang für Otto Normalverbraucher zu teuer?

Bioprodukte sind durchschnittlich 20 Prozent teurer als Nicht-Bioware. Das Kaufhaus Breuninger und die Markthalle in der Innenstadt sind ebenfalls teuer. Und trotzdem strömen die Leute hin, weil es chic ist, dort einzukaufen. Dieses Image haben wir zwei Jahre nach der Eröffnung noch nicht. Außerdem ist "teuer" relativ. Hochwertige Nahrungsmittel haben eben ihren Preis.

Fehlt es am Vogelsang nicht einfach an der Auswahl, Vielfalt und Lebendigkeit, die man mit dem Begriff Markt verbindet?

Die Vielfalt der Markthalle in der City können wir nicht bieten, da wesentlich weniger verschiedene Läden hier sind. Ursprünglich war geplant, durch mehrere kleine Stände ein Markthallenflair zu schaffen.

Warum ist das nicht gelungen?

Unser Konzept eines reinen Biostandorts schloss von vornherein Interessenten aus dem konventionellen Einzelhandel aus.

Und warum gibt es nicht mehr Biostände?

Aus jedem Lebensbereich ist etwas dabei. Die Kunden bekommen bei uns fast alles.

Nochmals: Es waren mehr Stände geplant. Ist das Konzept nicht doch zu rigide, wenn sich nur sechs Händler finden?

Hinter dem Konzept steht keine reine Marktstrategie, sondern unsere Ideologie, schonend mit den Resourcen umzugehen. Dahinter stehen wir.

Rechnen Sie damit, dass einige Mieter bald das Handtuch werfen, weil's nicht hinhaut?

Bis jetzt will noch keiner aufgeben. Die Mitarbeiter und Standbetreiber sind gern hier. Und viele Kunden schätzen, dass sie in Ruhe einkaufen können.

Dann bleibt alles so trist, wie es ist?

Die Bezeichnung "trist" finde ich zu negativ. Aber klar: Wir brauchen mehr Pepp und müssen in allen Bereichen besser werden. Wir müssen gute Ideen entwickeln und konsequent umsetzen.

Gibt es schon Pläne?

Wir werden weiter am Sortiment feilen, um noch mehr Vielfalt bieten zu können. Außerdem müssen wir auf uns aufmerksam machen. Mit Joe Bauers Flaneursalon haben wir einen Anfang gemacht. Zu seiner Veranstaltung kamen knapp 200 Zuhörer. Vorstellbar ist, dass weitere Veranstaltungen aus dem Kleinkunstbereich, Lesungen, Jazz- und Dia- den Feinkostabenden folgen.

Gibt es schon ein konkretes Programm?

Konkret ist noch nichts. Aber ich bin überzeugt, dass wir langfristig über solche Angebote Kunden gewinnen.

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