Der ehemalige Fischstand von Rüdiger Stock: Seit Juni ist er geschlossen. Die Arbeit ruht, bis die strittigen Fragen geklärt sind. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Ein Streit zwischen der Märkte Stuttgart GmbH und dem Mieter stoppt den Umbau des Fischstands. Knackpunkt ist die kuriose Frage, was eine Austernbar eigentlich ausmacht. An der Antwort scheiden sich die Geister.

Stuttgart - Auf frischen Fisch müssen die Kunden in der Markthalle noch länger als vorgesehen warten, denn die Arbeiten am Umbau des Fischstands ruhen seit zwei Monaten. Schuld ist ein Dissens zwischen dem Mieter Holger Looß und dem Chef der Märkte Stuttgart GmbH, Axel Heger, über ein zusätzliches gastronomisches Angebot.

Wo Rüdiger Stock bis Juni die Köstlichkeiten aus Flüssen, Seen und Meeren verkaufte, stößt man jetzt auf eine Bretterwand. Der Blick dahinter in die Baustelle offenbart, dass die attraktive Markthalle hier noch ein Schmuckstück dazu gewinnen wird. Alles ist ausgebeint, Zwischendecken sind entfernt, die Säulen mit den historischen Fliesen kommen zur Geltung, und die großen Bogenfenster zur Münzstraße, bisher abgedeckt, schaffen künftig Helligkeit, Transparenz und den Durchblick von der Münzstraße in die ganze Halle. „Das wird wunderbar“, schwärmt Holger Looß. Im Moment macht allerdings hier keiner einen Handschlag.

Geplante Investitionssumme: etwa eine halbe Million Euro

Der Gastronom, der in der Markthalle mit dem Café Markthalle, der Empore und der Tapasbar Désirée bereits drei Lokale betreibt, erhielt von der Märkte Stuttgart GmbH den Zuschlag als Mietnachfolger von Rüdiger Stock. „Ein gutes Konzept und die Bereitschaft, dafür zu investieren, gaben den Ausschlag“, erklärte dazu Axel Heger in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Denn Stock, der als Experte und Berater an Bord bleibt, hatte nicht zuletzt aufgegeben, weil er die notwendig gewordenen und aufwendigen Renovierungen nicht finanzieren wollte. Jetzt investiert Looß „etwa eine halbe Million Euro“.

Sein Konzept sieht auch eine Austern- und Champagnerbar vor, wie man es aus Frankreich kennt und liebt. Aber wie definiert man eine Austernbar? Dass die Schalentiere geknackt und kalt geschlürft oder auf vielfältige Art und Weise, auch warm, zubereitet werden? An der Auslegung dieser Frage scheiden sich die Geister von Mieter und Vermieter. „Ich will keinen Streit mit dem Vermieter, wir arbeiten seit Jahrzehnten reibungslos mit der Stadt zusammen, und das soll auch so bleiben“, versichert Looß. Diese Unstimmigkeit bekümmere ihn sehr. Darüber, ob seine Planung vertraglich nicht präzise genug festgehalten wurde, will er sich nicht äußern. Umso mehr betont er, dass er den Kunden etwas Besonderes bieten wolle. Frischgeräuchertes aus einem eigenen Ofen beispielsweise. Oder die „gläserne“ Zubereitung von Feinkostprodukten wie Bouillabaisse, Hummersuppe oder Meeresfrüchtesalat. Und eben auch diese Bar mit Service als gepflegten Treff. Mit Austern in verschiedener Zubereitung, denn nicht jeder liebe sie kalt. Looß verhehlt nicht, dass dieses zusätzliche gastronomische Angebot für seine Kalkulation relevant sei.

„Feinabstimmungen“ nötig

„Eine Austernbar ist in Ordnung, aber es sollen keine warmen Speisen zubereitet werden. Wir wollen keine Imbisshalle aus der Markthalle machen“, hatte Heger jedoch auch schon im Juli klargestellt. „Es sind noch Feinabstimmungen nötig“, bestätigt er jetzt den Stillstand der Bauarbeiten. Für diese „Feinabstimmung“ trifft man sich in dieser Woche „wieder einmal“ beim Anwalt. Denkt Looß ans Aussteigen, wenn er mit seinen Plänen scheitert? „Ich bin optimistisch“, will er sich nicht festlegen.

Andere Händler in der Markthalle sprechen von einem Desaster und führen eine sinkende Kundenfrequenz auf das Fehlen des Fischangebots zurück. Der Kunde sei ein scheues Reh und orientiere sich schnell anderweitig. „Ich hätte gern die Bauzeit mit einem ambulanten Stand überbrückt, aber er wurde abgelehnt“, sagt dazu Looß.

Sicher ist, dass sich die Kunden weiter gedulden müssen. Der Fisch in der Halle ist frühestens Mitte November geputzt.

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