Nach dem Aufschrei der Händlerinnen und Händler aus der Markthalle überlegen Oberbürgermeister, Stadträtinnen und Stadträte, die knapp 40 Stellflächen in der Dorotheenstraße nicht zu streichen – zumindest für eine gewisse Zeit.
Vor 110 Jahren wurde die Markthalle eingeweiht. Damals entwickelte sie sich mit über 400 Verkaufsständen rasch zu einem zentralen Handelsplatz für die Region, heißt es auf der Internetseite der Märkte Stuttgart GmbH, welche die Markthalle verwaltet. Aktuell sind es noch etwas mehr als 30 Verkaufsstände, die auf den rund 5000 Quadratmetern in der Stuttgarter Innenstadt zu finden sind. Spezialitäten und Delikatessen aus den unterschiedlichsten Ländern und Regionen gibt es zu erstehen. „Eine Halle der Köstlichkeiten“ – so beschreibt Märkte Stuttgart das Angebot.
Doch in jüngster Vergangenheit berichten Händler immer wieder von schwierigen Zeiten. In den vier Wochen der Fußball-Europameisterschaft habe es Umsatzeinbußen von mindestens 40 Prozent gegeben, sagt beispielsweise Salvatore Mezzapelle, der das Macelleria Italiana in der Markthalle betreibt. Unter anderem sei der Wegfall der Parkplätze direkt vor dem Gebäude in der Dorotheenstraße dafür verantwortlich.
Während des Großereignisses lagen die Stellflächen in der Sperrzone. „Das ist schon einmal ein kleiner Test“, sagte Thomas Lehmann, der Geschäftsführer von Märkte Stuttgart, damals gegenüber unserer Zeitung. Denn der Gemeinderat hat mehrheitlich beschlossen, dass die Parkplätze wegfallen sollen. Die Fraktionen der CDU, Freien Wähler und FDP gehen davon aus, dass es im Jahr 2025 soweit sein soll und fordern nach den jüngsten Diskussionen, die Parkplätze vor der Markthalle nun doch dauerhaft zu erhalten. „Für viele steht die Existenz ihres Standes auf dem Spiel. Weitere Umsatzrückgänge könnten viele nicht mehr kompensieren“, heißt es in einem Antrag der drei Gemeinderatsfraktionen.
Der Oberbürgermeister meldet sich zu Wort
Nun positioniert sich auch Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU), der kürzlich den Händlern in der Markthalle einen Besuch abgestattet hat. Der Rathauschef möchte dem Gemeinderat vorschlagen, „die 37 Parkplätze unter freiem Himmel direkt vor der Markthalle mindestens bis zum Neubau des Breuninger Mobility Hubs beizubehalten“. Derzeit geht man davon aus, dass das Parkhaus im Jahr 2026 in Betrieb gehen wird. Nach Gesprächen mit Markthallen-Händlern sagte Nopper: „Wir sollten unsere Markthalle nicht schwächen. Nach dem Wegfall des Breuninger-Parkhauses mit mehreren Hundert Parkplätzen vor wenigen Wochen und in Anbetracht der mittlerweile schwierigeren Bedingungen für den innerstädtischen Einzelhandel halte ich es für sinnvoll, die Parkplätze im direkten Markthallen-Umfeld zumindest bis auf Weiteres zu belassen. Es droht ansonsten die Gefahr, dass sich viele Markthallen-Kundinnen und Kunden anderweitig orientieren.“
Auch Thomas Lehmann wirbt dafür, die Parkplätze zu erhalten – zumindest für die nächsten drei bis vier Jahre. Nach den jüngsten EM-Erfahrungen gebe es da definitiv noch Gesprächsbedarf mit der Stadtverwaltung und der Politik. Mit einigen Gemeinderatsfraktionen hat Lehmann mittlerweile schon gesprochen. „Es ging vor allem um die Gestaltung der Flächen, wenn die Parkplätze wegfallen sollten. Welche Ideen gibt es hierzu?“, fragt der Geschäftsführer von Märkte Stuttgart. „Wir brauchen da eine attraktive Lösung.“ Und die sehe er aktuell noch nicht. „Wir brauchen mehr Zeit für die Planung.“ Das würden die Stadträtinnen und Stadträte, mit denen er schon gesprochen hat, übrigens auch so sehen.
Es wird über einen Lieferservice nachgedacht
Aktuell habe sich die Situation der Händler zum Glück wieder etwas stabilisiert – was den Umsatz und die Frequenz in der Markthalle angehe. Die Zeit während der Fußball-EM sei schwierig gewesen. Salvatore Mezzapelle spürt auch, dass die Kundschaft nach und nach in die Markthalle zurückkehrt. Dennoch müssten nun die Weichen für eine positive Zukunft gestellt werden. Bei einigen Händlern bestehe durchaus die Angst, aufgeben zu müssen. Dass die Parkplätze direkt vor der Markthalle zunächst einmal erhalten werden sollen, freut Mezzapelle. „Irgendwann kommen sie sicherlich weg.“ Und dann müsse ein gutes Konzept stehen, um für mehr Attraktivität zu sorgen. Er könne sich sowohl ein gastronomisches Angebot auf den Freiflächen vorstellen als auch einen Lieferservice für die Kundinnen und Kunden. Letztere Idee stecke noch in den Kinderschuhen und müsse mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Markthalle erst intensiver besprochen werden.