Barbara Medinger-Schmid (links) mit Stammkundin Barbara Mack-Maurer. Foto: /Barbara Scherer

Barbara Medinger-Schmid aus Kernen im Remstal verkauft seit 23 Jahren ihre Produkte auf den Esslinger Wochenmarkt.

Ein Samstagmorgen auf dem Esslinger Wochenmarkt: Schon früh herrscht reges Treiben am Stand von Barbara Medinger-Schmid. Schälchen mit Kirschen oder Erdbeeren gehen über den Tisch, Gemüse und Salat wandern in Taschen und Körbe, Wein aus Medingers Weinbergen in Kernen dazu gepackt. Dazwischen begrüßt die Markthändlerin ihre Kundinnen und Kunden mit Namen. „Wie geht’s? Was macht der? Was macht die? Geht’s dem Rücken wieder besser?“ Fragen und Antworten fliegen hin und her. Da wird deutlich: Hier kaufen Leute schon jahrelang ein, man kennt sich, man mag sich.

 

Körperlich anstrengend, aber ein Traumberuf

Barbara Medinger-Schmid würde es schmerzlich vermissen, wenn es die Markttage nicht mehr gäbe, sagt sie. Auch wenn es ein körperlich anstrengender Beruf ist, es ist immer noch ihr Traumberuf. „Als Schulkind habe ich schon erzählt, dass ich später mal Wengerter werden will“, berichtet sie. „Ich bin einfach ein Draußenmensch.“ Medinger stammt aus einer alten Familie von Weingärtnern und Marktbeschickern. Schon seit 1764 bauen die Medingers in Stetten im Remstal Wein an. Christian Medinger hieß der Gründer der Dynastie. Auf ihren Wiesen und Gütern wachsen auch Äpfel und Birnen, Süß- und Sauerkirschen, Johannisbeeren, Zwetschgen, Trauben und Kürbisse sowie Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren und Gemüse. „Die meisten Produkte, die wir verkaufen, stammen aus eigenem Anbau, oder von Kollegen aus dem nahen Umkreis, die möglichst auch integrierte und ökologische Landwirtschaft betreiben“, erklärt Medinger-Schmid. Oft würden Produkte auch einfach „getauscht“. Es sei halt alles frisch, sagt Medinger-Schmid. „Gestern gepflückt, heute verkauft.“ Und was nicht verkauft wird, werde zu Marmelade verarbeitet.

Barbara Medinger-Schmid, die gelernte Weinbautechnikerin, ist von klein auf in den Betrieb hineingewachsen. Schon mit sechs verkaufte sie zusammen mit ihrer Schwester Blumensträußchen aus ihrer eigenen Pflanzung am Marktstand des Vaters. „So haben wir unser Taschengeld aufgebessert“, erzählt sie. Seitdem war sie kontinuierlich Verkäuferin auf dem Markt. Zehn Jahre lang fuhr sie mit ihrem Vater auf den Wochenmarkt in Degerloch, bis sie im Jahr 1999 als Chefin den Esslinger Stand übernommen hat, nachdem ihre Mutter aus gesundheitlichen Gründen den Markt nicht mehr machen konnte.

Weinbau hat sie immer schon begeistert. Und den Duft der Rebenblüte habe sie schon als Kind geliebt. Die rund sechs Hektar große Rebfläche der Medingers verteilt sich in Stetten auf die Lagen Stettener Pulvermächer, Häder, Mönchberg und in Strümpfelbach auf den Altenberg und den Sonnenbühl. Der Schwerpunkt liegt auf Riesling und kräftigen Rotweinen. „Wir setzen auf umweltschonenden Anbau und auf viel Handarbeit.“

Ehemann hat sich von der Marktleidenschaft anstecken lassen

Medinger-Schmids Begeisterung für Wein- und Obstbau muss ansteckend gewesen sein. Denn ihr Ehemann Markus Schmid, eigentlich Erzieher von Beruf, ist mit im Betrieb und beschickt den Wochenmarkt in Degerloch mittwochs und samstags. Zwei der vier Söhne des Ehepaares, Christian und Friedrich, arbeiten ebenfalls mit. Am Stand auf dem Esslinger Markt sind auch etliche Schüler und Studenten, die mitanpacken. Da wird Medinger-Schmid öfter mal nach Zubereitungstipps und Rezepten gefragt. Ihr Wissen gibt sie gerne weiter. „Es ist ja ein Stück Lebensqualität, kochen zu können“, sagt sie. Über Anregungen, was man kochen könnte, freut sich auch Barbara Mack-Maurer. Die Esslingerin ist Stammkundin am Stand von Medingers. „Seit Jahrzehnten komme ich, wenn immer es geht, hierher“, sagt sie. Sie schätzt „die gute und frische Ware“. Und bei der Weinlese in Kernen hat sie auch schon mitgeholfen.