„Fast ausnahmslos“ nähmen Marktaufseher im ganzen Land für bessere Standplätze Vergünstigungen sowohl in Naturalien als auch in bar, sagt ein Händler. Foto: Leif Piechowski

Marktbeschicker berichten, die Korruption auf Märkten sei bei weitem nicht nur auf die Landeshauptstadt Stuttgart begrenzt.

Stuttgart - Die Stadt Stuttgart hat zwei Marktaufsehern wegen Korruptionsverdachts fristlos gekündigt. Sie sollen auf den Wochenmärkten gegen Geschenke Händlern bessere Plätze oder größere Stände erlaubt haben. Manche Marktbeschicker behaupten, diese Praktik sei seit vielen Jahren weit verbreitet gewesen. Sie bekommen jetzt Unterstützung. Kollegen berichten, die Korruption auf Märkten sei bei weitem nicht nur auf die Landeshauptstadt begrenzt.

„Fast ausnahmslos“ nähmen Marktaufseher im ganzen Land für bessere Standplätze Vergünstigungen sowohl in Naturalien als auch in bar, sagt ein Händler, der über Jahre auf Krämermärkten in Baden-Württemberg unterwegs gewesen ist. Besonders dreiste Aufseher hätten das „rigoros eingefordert“. Ein anderer Beschicker bestätigt das: Die Praktik sei fast überall „gang und gäbe“.

In den Stuttgarter Fällen rechnet die Staatsanwaltschaft damit, dass die Stadt noch in dieser Woche Anzeige erstattet. Die Ermittlungen werden auf den Vorwurf der Bestechlichkeit hinauslaufen. In Sicherheit wiegen dürfen sich allerdings auch die beteiligten Händler nicht – sie könnten wegen Bestechung belangt werden. „Die Geschenke fallen ja nicht vom Himmel“, sagt Claudia Krauth, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

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