Die Viertklässler der Grundschule Mönchfeld haben Spaß am gemeinsamen Kochen. Foto: Georg Linsenmann

Mit Aktionen wird versucht, dem noch jungen Wochenmarkt im Stuttgarter Stadtteil Mönchfeld auf die Beine zu helfen.

Mühlhausen - Leonie kommen die Tränen. Aber nur wegen der Zwiebeln. Kevin und Georgios haben das schon hinter sich. Bei Yaman aber ist es so heftig, dass sie erst mal Wasser trinken muss. Da hat es Starpula beim Reiben von Ingwer leichter. Und Sarah entfernt bereits die Kerne aus dem Hokkaido-Kürbis. Die Viertklässler der Grundschule Mönchfeld sind mit Eifer dabei, an diesem Tag ihr Essen selbst zu kochen um es dann zusammen an einem Tisch zu verspeisen. Und alles, was sie brauchen, haben sie zuvor mit den beiden Betreuerinnen von Slow Mobil gekauft: auf dem Wochenmarkt, auf dem die mobile Kochinsel jetzt steht. Slow Mobil Stuttgart ist eine kompakte Küche auf Rädern, die Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren primäre Ess-Erfahrungen vermitteln will. In Mönchfeld hatte die privat getragene Initiative jetzt Wochenmarkt-Premiere, wozu Waltraud Ulshöfer, die Ehefrau von Oberbürgermeister Fritz Kuhn, als Vorsitzende des Trägervereins erschien.

Es ist nicht die erste Aktion seit der Eröffnung des Marktes, zu der im Mai eigens OB Kuhn gekommen war. Schon damals hatte der Bezirksvorsteher Ralf Bohlmann betont, dass über die neue Einkaufsmöglichkeit eine „Abstimmung mit den Füßen“ erfolge, dass dessen dauerhafte Existenz davon abhänge, ob die Gelegenheit hinreichend wahrgenommen werde. Es hatte schon damals wie eine Mahnung geklungen. Als Bohlmann nun im Bezirksbeirat auf die Slow-Mobil-Aktion hinwies und nach der Situation des Marktes gefragt wurde, wiederholte er fast wörtlich die Passage aus seiner Eröffnungsansprache. Und diesmal war die Besorgnis nicht mehr verhüllt: „Am Ende entscheidet, ob es sich für die Marktbeschicker rentiert. Aber wir tun alles, um den Markt zu erhalten.“ Siehe die Aktion Slow Mobil. Frühsport wurde hier ebenfalls schon gemacht, Sport im Park vor die Kirche verlegt. Auch ein Marktgottesdienst sollte die Wahrnehmung steigern.

Einige haben bereits das Handtuch geschmissen

Von den Beschickern wird das durchaus registriert. „Ja, das ist wichtig. Der Markt ist noch zu wenig bekannt“, sagt Alexander Kirsch, der mit dem Hofmarkt Kirsch aus Waiblingen-Weinstein in seinem Vollsortiment Gemüse und Obst aus eigenem Anbau sowie von Erzeugern aus der Region anbietet, also einen starken saisonalen Schwerpunkt hat. Aktuell etwa Buschbohnen, Ackersalat, Lauch, Kürbisse. Eben daraus haben sich die jungen Köche bedient. Und sie sind nicht allein: „Ich habe bereits Stammkundschaft. Menschen, die wissen wollen, woher die Lebensmittel kommen und wie sie erzeugt wurden. Ich hoffe aber auf Steigerung. Es muss sich rechnen, draufzahlen würde ich nicht.“

Ein Thema, bei dem Eva Dörr ein ernstes Gesicht macht. Ihr Stand mit Bio-Käse hat zwar auch schon „viele Kunden, die daran Geschmack gefunden haben. Aber die Frage ist, ob das auf Dauer reicht“. Genau so ist es beim Stand mit mediterraner Feinkost und beim Gefügelhof Ludwig zu hören. Ein Blumenanbieter, ein italienischer Obst- und Gemüsestand, der Maultaschen-Spezialist und die Confiserie hatten eh schnell das Handtuch geschmissen. „Stimmt, wir sind auf der Kippe,“ sagt Dieter Ulmer von den Märkten Stuttgart, die diesen Wochenmarkt betreiben. Zufällig schaut er an diesem Morgen nach dem Rechten – und scheint sich auf dem kalten Fuß erwischt zu fühlen, fügt also schnell hinzu: „Wir tun unser Möglichstes. Wir sind dran, neue Beschicker zu bekommen.“ Er fügt hinzu: „Drei werden auf jeden Fall bleiben. Wir sind dabei, mit denen einen Jahresvertrag zu machen.“

Das Trio wäre: die Metzgerei Häfele, die schon vorher präsent war und der der Markt „gut tut“. Dann der Hofmarkt Kirsch, das Zugpferd, wie Ulmer sagt. Hinzu kommt Bernd Daiminger aus Bad Urach mit Gewürzen, Weleda-Produkten und einer reichen Palette an hausgemachten Marmeladen. Er spricht den Satz, der auch Dieter Ulmer ein wenig Lächeln lässt: „Ich werde dem Markt die Treue halten.“

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