Die Landwirte bleiben bei Investitionen vorsichtig. Durch die explodierenden Spritpreise werden auch Maschinen interessanter, die mit Pflanzenöl fahren können.
Die Arbeit der Bauern in Feld und Flur nimmt jetzt wieder Fahrt auf – teilweise auch mit neuen Gerätschaften. Doch insgesamt sind die Landwirte mit Investitionen vorsichtig. Ihre Einkommen stehen nach wie vor unter Druck. Für das laufende Jahr sagt der Fachverband Landtechnik im Maschinenbauverband VDMA eine abwartende Haltung bei den Investitionen in neue Maschinen vorher. „Der Aufschwung wird aktuell insbesondere durch wieder niedrigere Erzeugerpreise ausgebremst“, meint Tobias Ehrhard, der Geschäftsführer des Branchenverbandes. Weltweit werde der Markt leicht zulegen, meint Erhard. Dies ist auch für die in Deutschland tätigen Hersteller wichtig, erzielen sie doch 75 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Insgesamt hätten die Hersteller am Produktionsstandort Deutschland ihren Umsatz um zwei Prozent auf 11,3 Milliarden Euro gesteigert. In Deutschland sind in der Herstellung von Landmaschinen 40 000 Mitarbeitende tätig. Chancen für weiteres Wachstum werden - zumal nach dem Mercosur-Abkommen – besonders in Südamerika erwartet. Negativ wirke dagegen die Zollpolitik der USA.
John Deere
„Wir glauben, dass wir in Deutschland die Talsohle grundsätzlich durchschritten haben und der Markt eine langsam positive Entwicklung nehmen wird“, sagt John Thomassen, Vizepräsident Sales und Marketing Europe. Diese sei vor allem der Milch- und Fleischproduktion zu verdanken. „Im Bereich Ackerbau bleibt die Lage dagegen schwierig“. Weltweit beschäftigt John Deere 75 000 Mitarbeitende, davon 7000 in Deutschland, ohne die 2017 übernommene Tochtergesellschaft Wirtgen. In Deutschland gibt es Standorte in Mannheim, Bruchsal, Kaiserslautern, Zweibrücken und Stadtlohn. Das Unternehmen stellt unter anderem Mähdrescher und Traktoren her, aber auch Bau- und Forstmaschinen sowie Produkte für die Golf-, Rasen- und Sportplatzpflege. Weltweit fiel der Umsatz 2025 um zwölf Prozent auf knapp 45,7 Milliarden US-Dollar (39,6 Milliarden Euro). Zahlen für Deutschland werden nicht ausgewiesen.
Claas
Das Familienunternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Harsewinkel rechne für 2026 „mit einer leichten Marktbelebung und einem moderaten Umsatzanstieg“ erklärt ein Sprecher. Mit dem Krieg im Iran seien allerdings weitere Unsicherheiten für den Markt dazugekommen. 2025 sei der Umsatz von fünf Milliarden Euro auf 4,9 Milliarden Euro zurückgegangen. Etwa 1,1 Milliarden Euro werden in Deutschland umgesetzt. Weltweit arbeiten etwa 11 500 Beschäftigte bei Claas, davon 6000 in Deutschland. Am Firmensitz in Harsewinkel sind 3400 Mitarbeiter tätig. In Bad Saulgau arbeiten 740 Beschäftigte, in Paderborn 660. Weitere Werke gibt es in Frankreich, den USA und China. Das Unternehmen sieht sich als europäischer Marktführer bei Mähdreschern. Auch Traktoren gehören zu den wichtigsten Produkten. Bei Feldhäckslern ist Claas nach eigenen Angaben Weltmarktführer.
Fendt
Das zum amerikanischen AGCO-Konzern gehörende Unternehmen aus Marktoberdorf beschäftigt 6500 Mitarbeitende an fünf Standorten in Deutschland. Weltweit kommt Fendt auf elf Standorte. Umsatzzahlen zu Deutschland werden nicht genannt. Der Konzernumsatz von AGCO lag 2025 mit zehn Milliarden US-Dollar (8,7 Milliarden Euro) etwa auf dem Niveau des Vorjahres. 2026 dürfte der Umsatz eine ähnliche Höhe erreichen. Wichtigste Region des Konzerns ist Europa/Naher Osten. Für diesen Markt wird für 2025 ein Umsatz von mehr als 6,7 Milliarden US-Dollar genannt. Damit liegt er weit vor Nordamerika. Bei Traktoren ist Fendt nach Angaben des VDMA und der Kraftfahrtbundesamts mit einem Anteil von knapp 25 Prozent Marktführer in Deutschland. Bei den Traktoren mit mehr als 51 PS kommt sogar fast jeder dritte von Fendt. Als wichtigster Wachstumsmarkt gilt Nordamerika.
Rauch
Mit John Deere und Fendt gehören zwei der drei größten Hersteller in Deutschland zu amerikanischen Konzernen. Doch neben diesen und dem großen Familienunternehmen Claas gibt es noch eine ganze Reihe mittelständischer Produzenten von Landmaschinen. So etwa Rauch in Rheinmünster im Kreis Rastatt. Die Landmaschinenfabrik stellt Streumaschinen etwa für Dünger oder Saatgut her, aber auch solche für den Winterdienst. Zu den wichtigsten Produkten gehören auch Sämaschinen.
Beschäftigt werden rund 410 Mitarbeiter, je nach saisonaler Auslastung kommen nochmals 80 Leiharbeiter hinzu. In Bereichen wie Entwicklung oder Datenmanagement werde eher noch Personal eingestellt, teilt das Unternehmen mit. Im Geschäftsjahr 2024/ 2025 ging der Umsatz gegenüber der Vorperiode von 113 Millionen Euro auf 92 Millionen Euro zurück. Der Exportanteil liegt bei 78 Prozent. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit einem leichten Wachstum. „Die Investitionsbereitschaft der Landwirte ist derzeit spürbar von Unsicherheiten geprägt“, sagt der für den Vertrieb zuständige Geschäftsführer Winfried Müller. „Innovative Streutechnologie hilft den Betrieben, wirtschaftlich und nachhaltig zu arbeiten und genau in diesem Bereich bleibt die Nachfrage grundsätzlich stabil“, meint Müller.
Antriebe
John Deere arbeitet an der Elektrifizierung von Traktoren für eher niedrige Leistungsbereiche, aber auch an der Weiterentwicklung von Verbrennermotoren. Bei diesen soll der Einsatz erneuerbarer Energien wie etwa Biodiesel oder Diesel aus alten Speisefetten oder Pflanzenöl möglich gemacht werden. Erntemaschinen und Traktoren von Claas können seit 2023 auch mit alten Speisefetten und Pflanzenöl (HVO) betrieben werden. Angeboten wird auch ein elektrischer Radlader. Fendt ist nach eigenen Angaben der erste Hersteller, der einen voll batterielektrischen Traktor in Serienproduktion auf den Markt gebracht hat. Dieser kann etwa im Wein- und Obstbau eingesetzt werden, aber auch für kommunale Arbeiten. Bei Traktoren mit mehr als 150 PS werden nach Meinung einer Sprecherin weiter Traktoren mit einem Verbrennungsmotor benötigt. „Für unseren Fendt 1052 Vario, dem weltgrößten Standardtraktor mit 550 PS würde eine Batterie in der Größe eines Güterwaggons benötigt“. Alle Baureihen können schon heute mit Resten aus Speiseöl oder Pflanzenöl (HV0) geliefert werden. Auf der Fachmesse Agritechnika in Hannover hat Fendt im November einen Prototyp für einen autonom fahrenden Feldroboter vorgestellt. Interessant sei ein solcher Roboter besonders im Gemüsebau, wo Fachkräfte viel Zeit für die Unkrautbekämpfung verwenden müssten.
Autonomes Arbeiten
John Deere bietet autonom fahrende Traktoren und Erntemaschinen an, die durch Satellitennavigation (GPS) die Feldgrenzen einhalten. Als erster größerer Hersteller will Claas im Laufe des Jahres eine Lösung für den teilweise autonomen Betrieb von Traktoren anbieten. Fendt hat auf der Fachmesse Agritechnika in Hannover hat Fendt im November einen Prototyp für einen autonom fahrenden Feldroboter vorgestellt. Interessant sei ein solcher Roboter besonders im Gemüsebau, wo Fachkräfte viel Zeit für die Unkrautbekämpfung aufwenden müssten, heißt es bei Fendt.