Im Finale: David Heurichs Kafka-Zusammenfassung. Foto: privat

David Heurich ist seit kurzem Experte für die Kafka-Erzählung „Die Verwandlung“: Für den Literatur-Contest „Drama, Baby!“ von Sony Music und Reclam-Verlag machte er aus dem düsteren Werk eine pfiffige Hörspiel-Kurzzusammenfassung. Im Interview erzählt der Schüler, wie es dazu kam.

Markgröningen - Der 15-Jährige David Heurich aus Markgröningen hat es ins Finale des Sprecher-Contests „Drama Baby!“ von Reclam-Verlag und Sony Music geschafft. Er hat dafür Kafkas „Die Verwandlung“ in ein dreiminütiges Kurz-Hörspiel gepackt – und zeigt damit nebenbei, wie auch s perrige Literatur junge Leute anfixen kann.

,Die Verwandlung‘ ist keine leichte Kost, erst recht nicht für einen Neuntklässler. Warum hast du gerade aus diesem Werk eine Hörspiel-Zusammenfassung gemacht?

Als ich die Mitteilung bekam, dass ich ein Audio für den Endentscheid produzieren darf, dachte ich erst: Super, da nehme ich Goldonis ,Der Diener zweier Herren‘! Kafka machte mir dann sozusagen einen kleinen Strich durch die Rechnung. Ich konnte mir das Werk für die Kurz-Zusammenfassung nicht selbst heraussuchen. Das Buch wurde mir vom Reclam-Verlag zugeteilt. Ins Finale des Wettbewerbs war ich auch mit einer etwas leichteren Kost gekommen: Im Bewerbungsvideo habe ich einen Monolog von Benedikt aus Shakespeares ,Viel Lärm um nichts‘ gesprochen. Aber vielleicht haben sie beim Verlag auch nicht gedacht, dass beim Contest schon 15-Jährige mitmachen.

Goldoni, Shakespeare: Ein nicht ganz alltägliches Spektrum für einen 15-Jährigen. Wieso kennst du diese Texte?

Ich liebe Theaterspielen. Das ist das Größte überhaupt, auch wenn es in meiner Familie niemanden gibt, der auch nur ansatzweise mit dem Theater zu tun hätte. Der direkte Kontakt zu den Zuschauern und das unmittelbare Feedback über das, was man auf der Bühne macht, das ist was Einmaliges. Über meinen Theater-AG-Lehrer am Markgröninger Helene-Lange-Gymnasium bin ich auch überhaupt erst auf den Wettbewerb ,Drama, Baby!’ gekommen.

Dass du ein Händchen für Dramaturgie hast, hört man deiner Kafka-Kurzfassung an. Unheilschwangere Hintergrundmusik, Echo-Effekte, Trommelwirbel: Hast du dir das alles selbst ausgedacht?

Ja. Ich habe zu Hause ein professionelles Mikrofon und habe vom Schuhgeklapper bis zu dem Geräusch, als der Vater einen Apfel nach Gregor Samsa wirft und der dann im Käfer-Panzer stecken bleibt, so ziemlich alles selbst gemacht. Für den Apfelwurf habe ich zum Beispiel eine Mandarine mit einem Fleischstampfer zerquetscht, damit das schön matschig klingt. Das mit der Trommel war auch kein Problem, ich spiele Pauke im Schulorchester. Die verschiedenen Personen habe ich auch selbst eingesprochen, in verschiedenen Stimmlagen halt.

War das deine Erstbegegnung mit Franz Kafka?

Ja, ich hatte vorher noch nie was von ihm gelesen.

Wie ist sie dir bekommen?

Erst hätte ich mir schon ein etwas leichteres Werk gewünscht. Das Buch ist ja schon sehr düster, und es gibt auch etwas langwierige Strecken, in denen sich Gregor Samsa Gedanken über sein bisheriges Leben macht. Aber ich kann nicht behaupten, dass ich mich durchquälen musste, es war ein sehr interessanter Stoff. Wie jemand, der vorher gebraucht wurde, als Insekt immer unwichtiger und lästiger wird und zum Schluss von der Haushaltshilfe wie ein Ding einfach weggekehrt wird, das ist schon krass. Dass ich ,Die Verwandlung’ nicht interpretieren musste, darüber war ich aber trotzdem froh.

Wie viel Zeit hattest du, um deinen Beitrag auf die Beine zu stellen?

Zwei Wochen. Ich habe es aber in einer Woche hingekriegt: Das Hörbuch angehört, mir die Interpretationshilfe von SWR 2 zu Hilfe genommen, das Ganze dann gestrafft und an einem Sonntag die Aufnahme gemacht und geschnitten.

Sie konkurriert jetzt mit Finalisten-Beiträgen anderer Schüler aus dem deutschsprachigen Raum, den Sieger küren die Zuhörer. Hast du Herzklopfen bei dem Gedanken, dass du gewinnen könntest?

Schon. Das wäre das Höchste der Gefühle. Erstens würde ich ein Schulhofkonzert mit einem prominenten Gast für meine Schule gewinnen. Und außerdem dürfte ich in einem professionellen Tonstudio mit dem Schauspieler Lucas Reiber von ,Fack ju Göthe’ bei einer Hörspiel-Produktion mitmachen. Da würde sich ein Kindheitstraum für mich erfüllen.

Der Wettbewerb
: Der Sprecher-Contest „Drama Baby!“ von Sony Music und Reclam-Verlang regt Schüler dazu an, sich mit Literatur kreativ auseinanderzusetzen: Sie müssen ein einminütiges Video mit einer Text-Rezitation und einer kurzen Motivation als Bewerbung einsenden. Eine Jury aus bekannten Sprechern und Schauspielern wählt die zehn besten Einsendungen aus. Die Schüler, die ins Finale kommen, müssen sich eine drei- bis fünfminütige Hör-Zusammenfassung eines Literatur-Klassikers einfallen lassen.

Der Ablauf:
Bis zum 2. Februar sind die Audios der Finalisten auf allen gängigen Streamingplattformen zu hören. Der Schüler, dessen Beitrag am häufigsten aufgerufen wird, gewinnt. David Heurichs Kafka-Kurz-Adaption ist unter https://reclam.lnk.to/Zusammenfassung_Verwandlung_David zu hören.

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