Beim traditionellen Schäferlauf testeten Nachwuchsschäfer am Samstag wieder, wie schnell sie im Notfall ein entflohenes Tier einfangen können. Der diesjährige Sieger darf sich im nächsten Jahr allerdings nicht noch einmal beweisen. Foto: FRIEBE|PR/ Sven Friebe

Beim traditionellen Schäferlauf testeten Nachwuchsschäfer am Samstag wieder, wie schnell sie im Notfall ein entflohenes Tier einfangen können. Der diesjährige Sieger darf sich im nächsten Jahr allerdings nicht noch einmal beweisen.  

Markgröningen - In der Luft liegt der Duft von aufgewirbelter Erde und Stroh, als Simona Mack und Michael Erhardt auf das Podest steigen. Es ist ein feierlicher Moment für die 14-Jährige aus Halheim und den 18-Jährigen aus Birkenzell im Ostalbkreis. Die beiden Jugendlichen werden zum Königspaar gekürt - weil sie als Schnellste über ein Stoppelfeld gerannt sind.

Was ein wenig merkwürdig klingt, hat im schwäbischen Markgröningen eine lange Tradition: Seit mehr als 500 Jahren sollen die Kinder baden-württembergischer Schäferfamilien beim sogenannten Schäferlauf zeigen, dass sie im Notfall ein fliehendes Tier ihrer Herde einholen könnten. Für Simona und Michael wäre das kein Problem: Beim Rennen am Samstag waren sie schneller als alle anderen Nachwuchsschäfer. Dafür dürfen sie sich nun ein Jahr lang Schäferkönig und Schäferkönigin nennen.

„Ich hab bereits zum dritten Mal gewonnen“, sagt Michael Erhardt wenige Minuten nach dem Lauf. Er war sechs jungen Männern eine Nasenspitze voraus. Ein bisschen Wehmut schwingt bei aller Freude allerdings mit, denn häufiger darf niemand siegen. „Für mich war es das wohl“, sagt er. „Aber mein Bruder Daniel ist ja noch dabei.“

Die 14-jährige Simona hat indes noch mehrere Chancen: „Ich bin immer noch total aufgeregt und meine Füße brennen“, sagte Simona Mack. Für sie es der erste Lauf, jünger dürfen die Teilnehmer nicht sein. Gleich zum Auftakt rannte sie 13 jungen Mädchen davon. „Trainiert habe ich nicht, es lief einfach gut.“

Der Schäferlauf ist eines der ältesten Traditionsfeste im Südwesten

Der Schäferlauf ist eines der ältesten Traditionsfeste im Südwesten. Rund 100.000 Besucher strömen jedes Jahr an insgesamt vier Tagen in die Stadt. „Unsere Stadt kennt man dank des Laufs“, sagt Stadtarchivarin Petra Schad.

Für die Söhne und Töchter der baden-württembergischen Schäferfamilien ist der Barfuß-Lauf über das 300 Schritt lange, frisch gemähte Stoppelfeld neben einer Mordsgaudi so etwas wie eine Reifeprüfung. Die Jungen und Mädchen sollen zeigen, dass sie auf Zack sind und ein fliehendes Schaf mühelos stellen könnten.

„Vor vielen hundert Jahren haben die Schäfer so allerdings ihren Sprecher gewählt“, sagt Stadtarchivarin Petra Schad. Der Schnellste bekam das wertvolle Amt und das Publikum hatte seinen Spaß. „Damals hatte man noch nicht so viel Zerstreuung“, erklärt Schad. So sei es auch zu erklären, dass es in Markgröningen neben dem Schäferlauf noch weitere Wettbewerbe gebe. Wer mit dem stoppeligen Feld seine Probleme hat, kann sich ihr zufolge immerhin noch bei Hahnentanz, Sackhüpfen und im Wassertragen hervortun.

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