Auf seinem neuen Album "Tracker" vermischt Mark Knopfler Irish Folk mit Blues, Rock und sogar ein wenig Jazz. Foto: Universal

Mark Knopfler, einst Frontmann der Band Dire Straits, ist nicht nur ein toller Gitarrist, sondern auch ein einfallsreicher, einfühlsamer Erzähler. Und das Album „Tracker“ kann es beweisen.

Stuttgart - Ach, was waren das für Zeiten, als wir jung und immer pleite waren und uns das kein bisschen störte. Mit dem hübsch verschnörkelten Walzer „Laughs And Jokes And Drinks And Smokes“ und einer ordentlichen Portion Nostalgie beginnt Mark Knopfler das Album „Tracker“. In dieser ihm so wunderbar eigenen Zurückhaltung, die er schon zu Dire-Straits-Zeiten pflegte, vermengt er Irish Folk mit Blues, Rock und sogar ein wenig Jazz, tut wehmütige Melodien auf, die er sanft vor einem ausbreitet.

Weil Mark Knopfler so ein außergewöhnlicher Gitarrist ist, der einen mit seinem einzigartigen, scheinbar so leichten Spiel verzaubern kann, vergisst man manchmal, wie raffiniert er seine Songs arrangiert und was für ein guter Erzähler er doch ist. „Tracker“, Knopflers neuntes Soloalbum, erinnert einen wieder daran. Vor allem in drei Nummern, in denen er ganz unterschiedlichen Künstlern ein Denkmal setzt.

In der Single „Beryl“, die wie ein Dire-Straits-Klassiker klingt und die Knopfler mit einer hübschen Orgel und einigen entzückenden Gitarrenlicks verziert, erzählt er einfühlsam von der vor allem für ihre historischen Romane bekannten Autorin Beryl Bainbridge. „Broken Bones“, das sich an einem fast schon funkigen Groove entlangschlängelt, verneigt sich vor dem im Jahr 2013 verstorbenen J. J. Cale, der Knopflers Gitarrenspiel maßgeblich geprägt hat.

Und dann ist da noch das intime „Basil“, in dem er sich in die Rolle eines Laufburschen versetzt, der heimlich den britischen Poeten Basil Bunting beobachtet. Und in seiner stillen musikalischen Erzählung kommt Knopfler Bunting empfindlich nahe: „In the summer the fair / Will stretch over the moor / Lovers will lie and make out in the park / Basil puts on his old duffel and scarf / And goes out into the dark“ (Im Sommer breitet sich der Jahrmarkt über dem Moor aus, Liebende machen im Park herum, und Basil zieht seinen alten Mantel und den Schal an und verschwindet in der Dunkelheit).

Diese Songs haben gemeinsam, dass sich Knopfler stets seinem Sujet behutsam auch stilistisch annähert, sein musikalisches Erzählen fein auf sie abstimmt.

Und für alle, die sich nicht so viel aus tollen Geschichten machen: Nebenbei bietet dieses unaufgeregte Großwerk ständig Gelegenheit, die tolle Gitarrenarbeit des inzwischen 65-jährigen Schotten zu bestaunen.

Mark Knopfler tritt am 5. Juli in Stuttgart in der Schleyerhalle auf. Tickets gibt es telefonisch unter 07 11 /  55 06 60 77 oder im Internet unter: www.mruss-tickets.de

  
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