Mark Knopfler bei seinem Konzert in Frankfurt Foto: dpa

Mark Knopfler lässt vor 10.000 Fans in der Schleyerhalle alte Dire-Straits-Zeiten aufleben.

Stuttgart - Der gebändigte Rocker: Mark Knopfler und seine Band traten am Donnerstagabend mit neuen und alten Songs in der annähernd ausverkauften Stuttgarter Schleyerhalle auf. 10.000 Fans schauten dem Gitarren-Genie bei der Arbeit zu.

Als er die Bühne fast pünktlich um 20 Uhr betritt und die Menschen ihm zujubeln, hebt Mark Knopfler für einen Moment die Faust in die Höhe. Aber der Augenblick der Pose ist nur kurz. Schon winkt er seinem Publikum zu, als gelte es, gute alte Bekannte zu begrüßen. Und irgendwie ist dieser Auftakt symptomatisch: Ein Rockstar sieht irgendwie anders aus.

Mark Knopfler gibt sich bodenständig

Mark Knopfler, der Kopf, die Stimme und vor allem die Gitarre der legendären britischen Band Dire Straits, gibt eher den netten Nachbarn, der für einen immer ein offenes Ohr hat und so ganz nebenbei grandios Gitarre spielt. Ausstrahlung jedenfalls, eine nicht zu unterschätzende Kategorie in der Rock- und Popmusik, hat er nicht. Aber wozu auch? Mehr als 120 Millionen verkaufte Tonträger weltweit, eine ausverkaufte Tournee nach der anderen und noch mit Anfang 60 ziemlich flotte Finger können so manchen Makel vergessen lassen.

Dieser bodenständige, solide, integre, unaufgeblähte Sound, diese melodiösen, nie zu kitschigen und nie zu harten Riffs auf seiner weißroten Stratocaster, die Knopfler in den 80ern zum Lieblingsgitarristen vieler Millionen Menschen werden ließen, und dieses Gespür für generationsverbindende Hits, die ihn zu einem der Topseller des Rockbusiness machten - was soll man gegen all das sagen wollen?

Nur minimale Abweichungen zu den CD-Versionen

Gleich zum Auftakt spielt der in Glasgow geborene Gitarrist und Sänger einige Stücke seiner jüngsten CD "Get lucky", doch schon bald folgen die ersten Hits aus den alten Dire-Straits-Zeiten. Er spielt sie ebenso routiniert wie mitreißend und wiedererkennbar. In seinen typischen kurzen Soli gestattet sich Knopfler nur minimale Abweichungen von dem, was auf seinen Platten zu hören ist, allenfalls malt er noch zwei, drei Schnörkel mehr mit seiner Stratocaster oder Gibson. Beim ältesten Stück des Abends, "Sultans of Swing", führt der Ausflug am weitesten weg vom Solo der Studioaufnahme, und das ist dann so ein kleines Luftholen, ein sachter Hauch von Freiheit, den das durchweg begeisterte Publikum prompt mit großem Jubel quittiert. Knopfler ist seit je ein äußerst disziplinierter Gitarrist, für dessen klare kurze Läufe das englische Wort dafür, licks, schon zu schmutzig klingt. Sein Klang auf der Gitarre ist immer noch bärenstark, seine Technik eine wunderbare Offenbarung. Aber wer erwartet hat, dass er sich und uns auf die Reise schickt und ein bisschen die Abgründe seines Instruments offenbart, sieht sich getäuscht. Trotz aller Kraft, die aus seinen Soli quillt, wirkt alles, was er auf der Bühne von sich gibt, kontrolliert und gebändigt.

Tausende wollen sich an Dire-Straits-Zeiten erinnern

"No Discodancing", ruft er irgendwann feixend ins Publikum, der Arzt habe es ihm verboten. Doch es gibt auch überraschende Momente. Momente, in denen er locker auf seinem Drehstuhl sitzend mit seiner achtköpfigen Band Gänsehaut-Feeling zelebriert und die Musik in den Raum ziehen lässt. In denen er wie kaum ein anderer Rock, Folk und Country verschmelzen lässt. Da gewinnen seine Töne eine enorme Bildkraft, die von seiner Arbeit als Filmmusiker erzählt. Etwa, wenn er den Klassiker "So far away" herauskramt und seine perfekt aufeinander eingespielte Band wie in besten Dire-Straits-Zeiten aufspielt.

Schließlich sind die Tausende ja in die Schleyerhalle geströmt, um sich ihrer Jugend zu erinnern, um bei "Speedway" oder "Telegraph Road" noch mal richtig abzurocken und sich bei "Romeo and Juliet" der Erinnerung an ihre erste große Liebe zu vergewissern. Schade nur, dass Guy Fletcher, meist am Keyboard, Gitarrist Richard Bennett und Matt Rollings, Akkordeon und Piano, bei diesem Konzert in der Schleyerhalle so wenig Raum zur Entfaltung bekommen. Aber es steht eben Mark Knopfler auf dem Etikett. Und der erweist sich auch in anderer Hinsicht als Ökonom - etwa, wenn er seine Stimme schont und gar nicht erst versucht, in die Höhe der Studioaufnahmen von vor 20, 30 Jahren zu kommen, sondern eine Oktave drunter bleibt.

Und endlich dann, kurz vor der Zugabe "Piper", kommt der Song, auf den wir alle gewartet haben: "Brothers in Arms". Und spätestens jetzt haben die 10 000 Stuttgarter Fans alles gekriegt, was sie von Mark Knopfler hören wollten.

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