Mark Forster hat den Bundesvision Song Contest gewonnen Foto: dpa

Überrascht war keiner, dass Mark Forster am Samstag den Bundesvision Song Contest haushoch gewonnen hat. Seit Wochen schon läuft sich sein Song „Bauch und Kopf“ im Radio wund. Wo Forster seine besten Ideen bekommt, erzählt er uns im Interview.

Herr Forster, Ihr Siegerlied heißt „Bauch und Kopf“. Welches dieser Körperteile trifft bei Ihnen die Entscheidungen?
Ich mag mich in dieser Frage nicht eindeutig festlegen, es kommt auch immer drauf an. Deswegen heißt es ja auch so, und nicht „Bauch oder Kopf“. Ich habe wirklich beide Elemente stark in mir. Ich bin jemand, der sensibel ist. Ich bin aber auch einer, der viel und lange über Sachen nachdenkt, sie manchmal auch zerdenkt. Oft widerspricht sich das, und das macht mir immer wieder Probleme.
„Die Gedanken stapeln sich wie Tetris / Ich krieg‘ sie nicht mehr einsortiert“, singen Sie in „Geisterjäger“. Steht der Kopf oft im Weg?
Ja, das passiert hin und wieder. Ich fühle dann so eine Ohnmacht, kann nicht pennen, bin nur am Grübeln. Als ich mein Album schrieb, fiel mir zum Beispiel echt lange Zeit nichts Gutes ein. Die Eltern eines Kumpels von mir haben eine Ferienwohnung in Warnemünde, dort saß ich zwei Wochen nur rum, ohne dass mir irgendwelche vernünftigen Songideen gekommen wären. Zum Glück haben sich solche verkrampften Phasen bis jetzt noch immer wieder gelegt.
Sind Sie der berühmteste Bürger Winnweilers?
Ich glaube, ich bin zumindest der berühmteste lebende Bürger Winnweilers. Der berühmte Neurologe Wilhelm Erb ist ja schon seit fast 100 Jahren tot. So einen richtigen Popsänger hat Winnweiler tatsächlich noch nie hervorgebracht, da bin ich der erste.
Sogar in das Goldene Buch der Stadt haben Sie sich schon eingetragen.
Was soll ich sagen: Ich bin der große Stolz der Gemeinde.
Können Sie noch unerkannt herumlaufen?
Unerkannt sowieso nicht, denn in so einem Dorf kennt eh jeder jeden. In Winnweiler ­leben 4600 Leute.
Vielleicht würde Sie niemand erkennen, wenn Sie die Baseballkappe absetzen würden.
Kann sein. Und am besten nehme ich noch die Brille ab und rasiere mich. Nur: Mit dem ganzen Zeugs sehe ich besser aus. Die Haare werden dünner und grauer. Und ohne Brille würde ich nicht viel erkennen.
Sie haben das Album mit dem Sinfonieorchester aus Breslau aufgenommen. Wieso?
Als ich die Lieder für „Bauch und Kopf“ schrieb, bin ich viel spazieren gegangen, ich gehe sowieso ständig spazieren und denke dabei nach. Irgendwann kam mir die Idee mit dem Orchester. Ich liebe Filmmusik und finde das Album von Peter Fox großartig, der hatte auch ein Orchester im Studio.
Vor einigen Jahren sind Sie den Jakobsweg gelaufen, einer Ihrer Hits heißt „Au revoir“. Müssen Sie öfter mal weg?
„Au revoir“ ist eigentlich das Gegenteil von „Ich bin mal weg“, der Song thematisiert den Aufbruch Es geht darum, was du machst, wenn du dich entschlossen hast, einen Traum oder ein Ziel wirklich anzugehen. Was den Jakobsweg betrifft: Das war natürlich perfekt für mich. Zwei Monate lang nur spazieren gehen und nachdenken. Auf dem Jakobsweg beschloss ich damals, alles zu riskieren und mein erstes Album „Karton“ aufzunehmen. Das war die vielleicht wichtigste Wendung in meinem Leben.
Und wo geht man in Winnweiler spazieren?
Direkt hinter unserem Haus fängt ein Waldstück an. Oft geht es ein ­bisschen bergauf und bergab, die ganze Gegend ist recht hügelig. Spazieren ­gehen in Winnweiler ist also fast schon Sport.
Mark Forster tritt am 30. November in Stuttgart im LKA/Longhorn auf.
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