Der Angeklagte verkaufte Amphetamine. In diese Kategorie fallen auch MDMA-Tabletten, besser bekannt als Ecstasy. Foto: Imago/United Archives International

Ein 32-Jähriger hat den Handel mit Amphetamin und Marihuana vor dem Landgericht gestanden. Er habe das Geld zur Finanzierung des eigenen Konsums benötigt.

Im Prozess um bewaffneten Drogenhandel und Verstoß gegen das Arzneimittel- und das Waffengesetz am Landgericht Stuttgart hat der angeklagte Herrenberger am zweiten Verhandlungstag ein Teilgeständnis abgelegt.

 

Über seinen Verteidiger Zlatko Prtenjaca räumte der 32-Jährige ein, mit Marihuana und Amphetamin in geringem Umfang über verschiedene Messangerdienste Handel getrieben zu haben, um seinen eigenen Konsum zu finanzieren. „Er war aber keine große Nummer in der Szene“, betonte der Rechtsanwalt. Ein Großteil der bei einer Hausdurchsuchung im August vergangenen Jahres aufgefundenen Substanzen sei nur für den Eigengebrauch gewesen. Die Beamten waren damals auf eine zweistellige Grammmenge Kokain, eine dreistellige Grammmenge Marihuana und Ecstasy, opioidhaltige Medikamente sowie einen Baseballschläger und einen Schlagstock mit Stahlkern gestoßen.

„Einkauf“ bei Drogen-Lieferant war umfangreicher als geplant

Dass so viele Drogen bei ihm gefunden worden seien, liege daran, dass er erst kurz zuvor einen Einkauf bei seinem Lieferanten getätigt hatte, der umfangreicher als geplant ausgefallen sei, so der Angeklagte. Sein Lieferant habe ihn überredet, seinen kompletten Vorrat abzunehmen, obwohl er dafür gar nicht genug Geld dabei hatte. Er habe daher neben 3000 Euro in bar auch noch sein E-Bike, das einen Restwert von 8500 Euro hatte, in Zahlung gegeben.

Der Mann hat zugegeben Marihuana verkauft zu haben. Foto: dpa

Den Vorwurf des bewaffneten Handeltreibens wies Rechtsanwalt Prtenjaca jedoch zurück: Der in der Wohnung des Angeklagten aufgefundene Baseballschläger sei einer für Jugendliche und eine Erinnerung an seine Zeit als aktiver Baseballspieler in Herrenberg. Und der Stock mit Stahlkern sei kein Schlagstock, sondern eine aus zwei Teilen zusammengesetzte Balancierhilfe, mit der der Herrenberger seine Konzentration fördere und sich beruhige, da er unter ADHS leide.

Über seinen Werdegang mit einigen Stolpersteinen hatte der 32-Jährige bereits am ersten Prozesstag ausführlich berichtet. So sei sein unruhiges Wesen in der Grundschule als Zappelphilipp-Phänomen eingestuft worden, erst viele Jahre später seien ADHS und eine Lese-Rechtschreibschwäche diagnostiziert worden. Er litt unter dem zweiten Mann seiner Mutter, der sich als gewalttätig herausstellte und der Mutter mehrere Panikattacken und einen eineinhalbjährigen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik bescherte.

Schmerzen nach Unfall brachten den Angeklagten zurück zum Cannabis

2019 erlitt der ausgebildete Kfz-Mechatroniker einen weiteren Rückschlag, als er bei einer Fahrt auf Inline-Skatern von einem Schäferhund angefallen wurde und schwer stürzte – ein Jahr lang war er wegen seiner Verletzungen an Bandscheibe, Knien und Schulter arbeitsunfähig. „Da ich sehr lange Schmerzen hatte, habe ich wieder zu Cannabis gegriffen, das ich mit 13 oder 14 Jahren schon einmal ausprobiert habe“, hatte der der Angeklagte den Richtern der 7. Großen Strafkammer erläutert. Es habe ihn beruhigt und gegen die Schmerzen geholfen.

Vollends in die Drogenszene rutschte der Herrenberger ab, nachdem die knapp zehnjährige Beziehung mit seiner Freundin 2022 wegen eines anderen Mannes in die Brüche ging. „Ich war in ein tiefes depressives Loch gefallen“, hatte der Angeklagte berichtet. In den letzten Jahren hatte der 32-Jährige jedoch in der Firma seines Onkels für Glaserei und Fensterbau so gute Arbeit geleistet, dass dieser ihn zu seinem Nachfolger aufbauen wollte.

Der Prozess soll in der kommenden Woche mit dem Urteil zu Ende gehen.