Gleise teilen die Böblinger Straße in zwei Hälften. Foto: Kathrin Wesely

Stege, Brücken, grüne Ecken: Der Bezirksbeirat will die Böblinger Straße freundlicher gestalten. Ein Stadtbahn-Tunnel helfe da wenig, meinen die Räte. Aber möglicherweise zeigt eine Zukunftswerkstatt neue und gangbare Wege auf.

S-Süd - Eine Zukunftswerkstatt ist besser als ein Tunnel: Zu diesem Schluss kam der Bezirksbeirat Süd in einer interessanten Debatte bei seiner jüngsten Sitzung. Die SPD-Fraktion hatte abermals eine unterirdische Trassenführung der Stadtbahn vom Marienplatz bis Heslach Engelboldstraße aufs Tapet heben wollen. Ihren entsprechenden Antrag begründeten die Sozialdemokraten damit, dass die Stadtverwaltung auf den Vorstoß bislang nicht reagiert habe und stattdessen die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) vorgeschickt habe, die das Ansinnen „eindimensional aus Sicht der SSB bewertet“ habe. Damit wolle man sich nicht zufrieden geben, denn ein Tunnel sei „alternativlos“, wolle man das fragliche Gebiet „zum Wohle der Menschen entwickeln“.

Ideen von gestern

Doch nun hagelte es Gegenargumente aus dem Bezirksbeirat. Den Auftakt machte Yvonne Sauter, Bezirksbeirätin, von Die FrAKTION/Linke/SÖS/Piraten/Tierschutzpartei, indem sie auf eine neue Untersuchung aus Berlin verwies. Der zu Folge bräuchten sämtliche in der Hauptstadt diskutierten U-Bahn-Verlängerungen mehr als 100 Jahre, bis sie sich endlich ökologisch lohnen würden. Anhand von fünf Projekten konnten die Verfasser der Studie nachweisen, dass der Klimaschaden durch den Bau neuer U-Bahntunnel sich im Durchschnitt erst nach 139 Jahren amortisiert. Sauter verwies darauf, dass die Herstellung des massenhaft benötigten Betons darüber hinaus die Ausbeutung von Menschen und Ressourcen durch Großkonzerne befeuere.

Auch die Grünen hielten dagegen. Die Tunnellösung sei keineswegs „vorausschauend“, wie es im Antrag heißt, sagte Christa Niemeier. Die SPD gehe vom heutigen urbanen Bevölkerungszuwachs aus, doch da zeichne sich schon jetzt eine Trendwende ab, so die Grünen-Bezirksbeirätin: „Vermutlich sind die Städte in 30 Jahren viel leerer als heute. Mit Ideen von gestern lösen wir keine Probleme von morgen. Und wir wissen längst, Tunnelbau ist ein Klimakiller.“

An einem Strang ziehen

Es sei nicht sinnvoll, Jahrzehnte lang einen Tunnel zu planen und zu bauen, der am Ende gar nicht mehr den Bedürfnissen der Stadtbewohner entspreche. „Wir werden eine andere Mobilität haben, nicht mehr diesen Individualverkehr wie jetzt“, sagte die Grünen-Politikerin. Es brauche raschere und flexiblere Lösungen. „Die Böblinger Straße durchläuft sehr unterschiedliche Bereiche, da benötigen wir differenzierte Ansätze. Man könnte beispielsweise in zwei Ebenen denken, nämlich nach oben. Es gibt ja schon Konstruktionen in Leichtbauweise für Radfahrer und Fußgänger.“ Außerdem wolle sie auch keine 30 Jahre darauf warten, bis sich in der Böblinger Straße etwas verbessert.

Die Idee einer Zukunftswerkstatt kam auf, in der Vorschläge und Wünsche zusammengetragen und Konzepte diskutiert werden. Dieser Vorschlag gefiel auch der SPD-Fraktion besser als der eigene ursprüngliche Antrag: „Unser Herz hängt ja nicht an diesem Tunnel“, sagte Ulrike Holch: „Wir wollen eine Entwicklung zum Wohle der Menschen.“ Die SPD will deshalb nun einen neuen Antrag stellen, der eine Machbarkeitsstudie fordert, die alle nur denkbaren Verbesserungen der urbanen Qualitäten im Stuttgarter Süden, einschließlich Kaltental, auslotet.

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