Ist mehr Gastronomie besser für den Marienplatz oder nicht? An dieser Frage scheiden sich im Süden zurzeit die Geister. Foto: Horst Rudel

Der Verkauf des Kaiserbaus löst eine Diskussion über die Entwicklung des zentralen Platzes in Süd aus.

S-Süd - Noch lässt die BW-Bank kein Wort verlauten, BW-Bank-Sprecher Manfred Rube sagt einzig, dass „der Verkaufsprozess für den Kaiserbau läuft, aber ein Käufer noch nicht feststeht.“ Das ist nicht neu, die BW-Bank versucht seit Jahren das Gebäude am Marienplatz zu veräußern, allerdings scheinen die Bemühungen nun von Erfolg gekrönt zu sein.

Mit dem Verkaufsprozess, das steht bereits fest, wird es Veränderungen im Kaiserbau geben. Das gilt weniger für das Cafe Kaiserbau, das einen längerfristigen Vertrag hat, als für die Eckkneipe Anna’s Treff und den Kiosk- und Tabakwarenladen in der Mitte. Günter Kalmbach wird nächstes Jahr nicht mehr hinter dem Tresen seines Kiosks am Marienplatz stehen, das weiß der 69-Jährige bereits.

Zwar habe ihm die BW-Bank eine Verlängerung des Pachtvertrags angeboten, allerdings sei die neue Pachtsumme für ihn kaufmännisch nicht zu realisieren gewesen, sagt Kalmbach. Darüber verbittert ist er nicht. Im Gegenteil, der Umgang miteinander sei sehr respektvoll gewesen, betont der Pächter. Trotzdem ist er mehr als nur ein bisschen wehmütig, dass er nach 40 Jahren 2013 nicht mehr am Marienplatz arbeiten wird. Auch um seiner Kunden willen hatte er versucht, einen Nachfolger zu finden. Alle Interessenten hätten jedoch abgelehnt.

Wer abends weggehe, habe dann noch mehr Auswahl

Kalmbach erklärt sich das nicht nur mit den gestiegenen Mietkosten. „Auf dieser Seite des Marienplatzes ist so ein Gewerbe nicht zu halten“, sagt er, auch weil sein Geschäft zwischen den Straßenwirtschaften kaum mehr sichtbar gewesen sei. „Außerdem gibt es ganz klar den Bedarf für eine Gastrozeile“, ist sich der Südbürger sicher. Der Marienplatz ziehe immer mehr Menschen an, was Kalmbach vor allem Franceso Troiano, dem Inhaber des Cafe Kaiserbaus, zuschreibt.

Das Risiko am Marienplatz zu investieren, habe sich für sie bezahlt gemacht, bestätigt Martina Schneider, die Geschäftsführerin des Cafe Kaiserbaus. Zusätzliche Gastronomie sieht sie auch gar nicht als Konkurrenz, wenn das Angebot variiere. Im Gegenteil, wer abends weggehe, habe dann noch mehr Auswahl, sagt Schneider. Ob ihre Eckkneipe in zwei Jahren noch dazu gehört, das weiß Anna Soussouridou, die Besitzerin von Anna’s Treff nicht. Sie hofft, dass sie ihren Pachtvertrag verlängern kann; muss aber wohl abwarten, bis sich der neue Besitzer des Kaiserbaus bei ihr meldet. Je mehr der Marienplatz an Zulauf gewinnt, desto solventere Interessenten drängen offenbar auf den Platz. Einige Anwohner und auch Bezirksbeiräte befürchten deshalb , dass weitere Fast-Food-Ketten dort Filialen eröffnen wollen und der Platz seinen individuellen Charakter verliert.

Bezirksvorsteher Rupert Kellermann sagt ganz offen, dass bei dem Thema zwei Herzen in seiner Brust schlagen. „Einerseits tut es mir um jedes Gewerbe weh, das weggeht, andererseits weiß ich aber auch, dass weitere Gastronomie zu einer weiteren Belebung des Platzes führt“, sagt Kellermann. Dabei gehe es ihm nicht um eine Bewertung des Konzeptes von Todi’s, sagt der Bezirksvorsteher. Dieses sei gut durchdacht. Todi’s bietet schwäbische Kost an und hat Filialen in Stuttgart, Heilbronn und Ludwigsburg. Wolfgang Jaworek, der Fraktionssprecher der Grünen, ist da kritischer. „Wir sind skeptisch, ob eine weitere gastronomische Nutzung, die auf kurzzeitigen Aufenthalt ausgelegt ist, gut für den Marienplatz ist“, sagt Jaworek und sieht die BW-Bank – trotz des anstehenden Verkaufs – in der Verantwortung, darauf zu achten, dass der Marienplatz nicht an Vielfalt verliert.

Lokaler Einzelhandel hat Vorrang

Auch Eric Preußker, Sprecher der SPD, plädiert dafür, dass lokaler Einzelhandel und die örtliche Gastronomie Vorrang vor den Einheitsfassaden von Ketten haben sollten. Es komme jedoch auf den Einzelfall an. Da hat Roland Petri, Fraktionssprecher der CDU, bei Todi’s keine Bedenken und befürwortet diese Form der Platzbelebung ausdrücklich. Auch Monika Foag (FDP) sieht die Entwicklung unter den gegeben Umständen positiv, auch wenn es sehr schade um Kalmbachs Kiosk sei.

Positive Resonanz, sagt Tobias Meyer, der Besitzer von Todi’s, habe er schon von vielen Seiten auf seine Pläne erhalten. Dennoch halte er sich bewusst aus der Diskussion um Gewerbe oder Gastronomie am Marienplatz heraus. Todi’s soll nach der Eröffnung für sich sprechen.

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