Den ganzen Oktober präsentiert sich das Marienhospital mit einem umfangreichen Programm im Milaneo. Foto: Ferdinando Iannone

Das Marienhospital präsentiert sich einen Monat lang im Milaneo. Ein Beispiel für den großen Aufwand, den die Krankenhäuser für die Personalgewinnung betreiben.

Das Marienhospital im Milaneo? Das werden sich in diesen Tagen vielleicht manche der Besucher des großen Einkaufszentrums gefragt haben. Während des gesamten Monats Oktober, an allen Werktagen, präsentiert sich dort das Krankenhaus aus dem Stuttgarter Süden.

 

Man suche „neue Wege sich zu präsentieren“, begründet Geschäftsführerin Claudia Graf, warum man das Angebot des Milaneo angenommen hat. Der Aufwand ist groß. Das umfangreiche Angebot reicht von Fachvorträgen zu Themen wie Arthrose, Herzgesundheit, Ernährung, Prävention oder Rehabilitation über die Erläuterung von moderne Behandlungsmethoden im Krankenhaus bis zum Reanimationstraining und der Präsentation des Da-Vinci-OP-Roboters.

Das Marienhospital sucht neue Wege zur Personalgewinnung. Foto: Lichtgut

Zielgruppe für die Personalgewinnung: junge Leute und Familien

Zum einen geht es bei dem ungewöhnlichen Auftritt um Personalgewinnung. Dafür seien „junge Leute und Familien“, wie man sie im Milaneo in großer Zahl antrifft, „eine Zielgruppe“, sagt Pflegedirektor Frank Lehre. Und das Marienhospital will sich stärker in der Öffentlichkeit zeigen. Man habe lange „sehr wenig nach außen kommuniziert“, erklärt Lehre. Das Bild von der „grauen Maus unter den großen Stuttgarter Krankenhäusern“ solle durch solche Aktionen „mehr Farbtupfer“ bekommen.

Dabei hat sich im Marienhospital wie in anderen Stuttgarter Krankenhäusern die Personallage wieder etwas entspannt. So habe man 60 vor geraumer Zeit noch offenen Stellen „in einem Jahr gefüllt“, betont Claudia Graf. Man könne „nicht über Personalmangel klagen“. Das Marienhospital hat insgesamt rund 700 Pflegekräfte. Die 180 Ausbildungsplätze der drei Jahrgänge seien voll, sagt Frank Lehre. Und die restlichen 20 Leihkräfte, es waren schon mal mehr als 60, die noch im Einsatz sind, will man bald durch eigenes Personal ersetzen. Leihkräfte, die man bei auftretenden Lücken einsetzt, sind für die Häuser auf längere Sicht ein Problem, weil sie sehr teuer sind, auch mehr verdienen und schwierig in die Teams zu integrieren sind, etwa weil sie sich die Dienstzeiten freier aussuchen können.

Nicht sehr viel anders ist die Lage in anderen Häusern. Im Robert Bosch Krankenhaus seien von den rund 1330 Vollkraftstellen nur noch gut zehn offen, heißt es auf Anfrage. Leihkräfte hat man im RBK noch acht im Einsatz, fünf davon in Funktionsdiensten wie dem OP und in der Intensivpflege. Dort sind die Engpässe in vielen Krankenhäuser seit vielen Jahren immer wieder groß. Durch gezielte Maßnahmen sei es aber gelungen, „Leasingkräfte Schritt für Schritt zu reduzieren“, schreibt das RBK. Im kommenden Jahr wolle man „leasingfrei“ werden. Im Robert Bosch Krankenhaus sind auch 180 Auszubildende im Einsatz. Allerdings seien nicht alle Plätze belegt. Die Gründe dafür seien Ausbildungsabbrüche, eine etwas zu geringe Bewerberzahl und Probleme mit der Erteilung von Visa für Azubis aus dem Ausland.

Fachkräftemangel in erster Linie in der Intensivpflege

Auch im Diakonie Klinikum habe sich die Personalsituation inzwischen „entspannt“, heißt es dort. In der Pflege könne man „die meisten Stellen gut besetzen“, Fachkräftemangel gebe es noch in der Intensiv- und in der Anästhesiepflege. Dort werden auch im Diak noch Leihkräfte eingesetzt. Es sei aber gelungen, deren Zahl auf den Intensivstationen „deutlich zu reduzieren“. Auch das Diakonie Klinikum plant, in den Funktionsbereichen im kommenden Jahr „weitestgehend mit eigenen Mitarbeitern auszukommen“. In der normalen Pflege habe man keine Leihkräfte mehr. Auch die Ausbildungsplätze, es 180 in drei Jahrgängen, könne man „meist alle besetzen“.

Im Klinikum der Stadt Stuttgart ist der Pflegedienst „frei von Leasing“. Nur „punktuell und selten“ müssten noch Leiharbeitskräfte eingesetzt werden, vereinzelt im OP und lediglich in der Kinderklinik Olgäle seien noch „einzelne Positionen vakant“, erklärt das Klinikum auf Anfrage. Die Zahl sei meist einstellig und „in der Regel unter 15“. Insgesamt habe sich die Personalsituation im Pflegebereich „über die letzten Jahre deutlich verbessert“. Ein wichtiger Schritt sei die Erweiterung der Gesundheitsakademie und der Neubau des Simulations- und Trainingszentrums gewesen, mit der Folge einer „erheblichen Steigerung der Ausbildungskapazität“. Im Klinikum hat man insgesamt 515 Azubis alleine im Bereich der Pflege, bei insgesamt rund 3000 Pflegekräften.

Die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte bleibt herausfordernd

Trotz dieser positiven Entwicklung heißt es beim Robert Bosch Krankenhaus: „Die Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte bleibt eine anhaltende Herausforderung.“ Man brauche immer gute Mitarbeiter, schon wegen der Fluktuation, wegen Schwangerschaften und Krankheitswellen, sagt Frank Lehre für das Marienhospital. Geschäftsführerin Claudia Graf bringt die heutigen Verhältnisse auf den Punkt: „Wir bewerben uns bei den Mitarbeitern.“

Der Werbeaufwand für die Häuser ist groß. Neben klassischen Aktivitäten wie Stellenanzeigen, Radiowerbung oder dem Besuch von Jobmessen spielen Social-Media-Kampagnen eine immer größere Rolle. Und weiterhin gehört dazu die Gewinnung von Azubis oder Fachkräften aus dem Ausland. Auch wenn das zumindest im Klinikum der Stadt „zwischenzeitlich eine nur noch sehr geringe Rolle spielt“.

Pflegeschüler aus Indien zu integrieren ist keine einfache Aufgabe

Im Marienhospital sind derzeit gut zehn Pflegeschüler aus Indien im Einsatz. Diese zu integrieren und ihnen eine Heimat zu geben, sei „nicht so einfach“, räumt Frank Lehre ein. Darauf lässt auch ein Fachtag mit rund 100 Experten im Diakonie Klinikum schließen, der dort am Mittwoch, 22. Oktober, stattfindet. Der Titel: „Internationale Pflegekräfte erfolgreich integrieren – Ankommen, Mitgestalten, Zukunft sichern!“ Diese Aufgabe gut zu meistern, sei den Verantwortlichen im Diak „ein Herzensanliegen“. Für alle diese mehr oder weniger erfolgreichen Aktivitäten aber gilt die Festellung von Frank Lehre vom Marienhospital: „Wir betreiben einen Riesenaufwand.“