Marie-Laurence Jungfleisch und Fabian Heinle vom VfB Stuttgart wollen gute Leistungen bei den European Championships zeigen. Foto: Pressefoto Baumann

Bei der Leichtathletik-EM in Berlin kann auch der VfB Stuttgart auf Medaillen hoffen. Mit Marie-Laurence Jungfleisch und Fabian Heinle gehen gleich zwei amtierende deutsche Meister an den Start.

Nürnberg - Haupttribüne, erste Reihe, direkt oberhalb der Sprunggrube – hier steht in kurzen Hosen Tamas Kiss und nimmt Glückwünsche entgegen. Einer nach dem anderen schüttelt dem 57 Jahre alten Trainerfuchs aus Ungarn die Hand, nachdem Fabian Heinle gerade deutscher Meister im Weitspringen geworden ist. Und wer es noch nicht getan hat, ­gratuliert auch gleich noch zum Sieg der Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch, die kurz vorher nicht zu schlagen war. Zwei Schützlinge, zwei Goldmedaillen – „ich kann mich nicht beschweren“, sagt Tamas Kiss.

Groß ist auch die Freude beim VfB Stuttgart, bei dem die Leichtathleten im Schatten der Fußballer um mehr Anerkennung kämpfen. Erst neulich durften sie in dem 200-Meter-Sprinter Alexander Czysch einen waschechten U-18-Europameister ehren. Jetzt haben sie in Marie-Laurence Jungfleisch und Fabian Heinle auch noch zwei frischgebackene deutsche Meister in ihren Reihen. Und das Beste könnte noch kommen: Medaillen bei den Heim-Europameisterschaften in Berlin (7. bis 12. August).

Hoffnung auf die erste internationale Medaille

Marie-Laurence Jungfleisch (27) ist im deutschen ­Frauen-Hochsprung seit ­Jahren das Maß aller Dinge. In Nürnberg reichten ihr bei sehr widrigen äußeren Bedingungen 1,87 Meter zu Gold – es war ihr sechster Meistertitel nacheinander. Auf der internationalen Bühne aber wartet die Erzieherin und Sozialarbeitsstudentin noch immer auf ihre erste Medaille.

Schon mehrmals stand Jungfleisch, kurz davor: Bei der EM 2014 in Zürich reichten 1,97 Meter zu Rang fünf. Bei der WM im Jahr darauf in Peking musste sie sich mit Platz vier begnügen – trotz übersprungener 1,99 Meter, einer Höhe, die bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio zu Gold gereicht hätte. Dort wurde sie mit 1,93 Metern Siebte. Auch im vergangenen Jahr musste die 1,81 Meter große Athletin zuschauen, als in London die WM-Medaillen vergeben wurden. Wieder war sie Vierte geworden, diesmal mit 1,94 Metern. „Jetzt will ich endlich mal auf dem Treppchen stehen“, sagt Marie-Laurence Jungfleisch.

Rückenprobleme warfen Fabian Heinle zurück

Das Gefühl, Europameister zu sein, kennt Fabian Heinle (24) schon – mit 8,14 Meter gewann er 2015 als erster deutscher Weitspringer Gold bei den U-23-Junioren. Bei den Aktiven aber steht der internationale Durchbruch noch aus. Bei der WM 2015 und Olympia 2016 blieb er jeweils unter acht Metern und verfehlte hauchdünn das Finale. Sechster wurde er bei der EM in Amsterdam. Hartnäckige Rückenprobleme warfen ihn anschließend immer wieder zurück.

Jetzt ist der gelernte Mechatroniker aus Musberg zurück, seit März ist er schmerzfrei. Mit 8,04 Metern gewann Heinle in Nürnberg seinen zweiten Meistertitel und löste das EM-Ticket. Was in Berlin möglich ist? „Letztes Mal war ich Sechster, dieses Mal will ich besser sein.“ Eine Medaille? „Wir werden sehen.“ Europas Jahresbester, der Tscheche Radek Juska, liegt bei 8,27 Metern – mindestens 8,20 hat sich Heinle in Berlin vorgenommen, seine Bestleistung steht bei 8,25.

Für seinen Trainer Tamas Kiss ist eine solche Weite noch lange nicht das Ende. „Wenn Fabian fit bleibt“, sagt der Erfolgscoach, „dann kann es noch sehr viel weiter gehen.“

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