Seit Anfang 2014 Stuttgarts Kinderbeauftragte: Maria Haller-Kindler Foto: Leif Piechowski

Die Stuttgarter Kinderbeauftragte Maria Haller-Kindler ist seit einem Jahr im Amt. „Ich habe viel Zeit damit verbracht, die Stadtteile und deren Kinder kennen zu lernen, ich musste mir ein Bild machen“, erklärt sie zu ihrer bisherigen Bilanz. Im Frühjahr wolle sie durchstarten.

Stuttgart - Für das Wohl der Kinder ist sie unermüdlich unterwegs. Eine Scheckübergabe für ein Bildungsprojekt hier, die Werbetrommel für den Lauf für Kinderrechte rühren dort. Roswitha Wenzl spult als Geschäftsführerin des Stuttgarter Kinderfördervereins ein großes Pensum ab. Manchmal ist es fast so groß wie zu ihren Zeiten als Kinderbeauftragte der Stadt. Ein Amt, das sie vor genau einem Jahr an Maria Haller-Kindler übergeben hat.

Das Engagement und die Präsenz von Roswitha Wenzl verleiten viele dazu nachzufragen: Was macht eigentlich ihre Nachfolgerin? Besser gesagt: Was hat Maria Haller-Kindler nach einem Jahr vorzuweisen? Bisher noch nichts Greifbares. Was freilich nicht bedeutet, dass die Kinderbeauftragte auf der faulen Haut lag. Im Gegenteil. „Ich habe viel Zeit damit verbracht, die Stadtteile und deren Kinder kennen zu lernen, ich musste mir ein Bild machen. Und das war sehr aufschlussreich.“ Jetzt weiß sie, wo der Schuh drückt. Wo Kindern etwas fehlt. Sie weiß, wo die Brennpunkte liegen. Aber aussprechen will sie die Standorte nicht. Die Menschen in den betroffenen Quartiere könnten gekränkt sein. „Jeder, der die Stadt kennt, kennt auch diese Gebiete“, sagt sie.

In den sozialen Brennpunktvierteln wie beispielsweise der Hallschlag oder die Neckarvororte sind offenbar auch die Bedingungen für Kinder schlecht. Es fehlen Spielmöglichkeiten oder Bolzplätze. Auch das ist im Prinzip schon bekannt. Aber Maria Haller-Kindler will aus ihren Erfahrungsschätzen nun konkrete „Handlungsansätze“ ableiten. Und sie wird im Frühjahr 2015 im Gemeinderat sowie den Amtsleitern um Unterstützung für ihre Arbeit werben: „Es ist ein Großprojekt, das auf fünf Jahre angelegt ist, und zeigen soll, was der Begriff kinderfreundliches Stuttgart bedeutet.“

Das „Herzstück“ ihres Großprojektes ist die so genannte Zukunftswerkstatt und die damit verbundene Frage: Was wünschen sich Kinder für ihre Stadt? Manche Ergebnisse der Befragung von 1000 Kindern verblüffen Maria Haller-Kindler immer wieder. „Für viele Kinder ist Sauberkeit und Sicherheit ein großes Thema. Manche empfinden beispielsweise Hundekot auf Spielplätzen oder Wiesen als bedrohlich.“ Kinder seien wichtige daher „Seismografen richtige Umwelt-Fans“, die eine gute Luft und viel Grün in der Stadt wollten.

OB Fritz Kuhn (Grüne) stört es überhaupt nicht, dass seine Kinderbeauftragte im vergangenen Jahr eher im Verborgenen gewirkt hat: „Ich bin mit der Arbeit von Frau Haller-Kindler sehr zufrieden.“ Weiter lobt der OB: „Wir tauschen uns regelmäßig aus. Von der Art, wie Frau Haller-Kindler zur Erstellung der Konzeption kinderfreundliches Stuttgart 2015 bis 2020 eine Beteiligung der Kinder im Rathaus ermöglicht hat, war ich sehr, sehr beeindruckt. Diese Zukunftswerkstatt war eindrücklich und beispielhaft.“

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