Die Margarete-Steiff-Schüler (in weiß) spielen vor Heimkulisse – der Gegner aus Neckargemünd ist allerdings der Favorit. Foto: S. Hintermayr

Die Rollibasketballer der Margarete-Steiff-Schule spielen im Landesfinale von „Jugend trainiert für Paralympics“ gegen eine Schülermannschaft aus Neckargemünd. Zwar sind die Stuttgarter die Außenseiter – den Sieg herschenken wollen sie aber nicht.

Möhringen - Timeout – die Trainer schwören ihre Mannschaft noch einmal ein. Die Margarete-Steiff-Schüler liegen hinten, in der ersten Halbzeit ist ihnen bislang noch kein Korb gelungen. Am Willen liegt es nicht: Andreas, Dritlind, Sammy, Jefrey und Zvi geben alles, kämpfen um jeden Ball. Die Auswechselspieler Tom und Dave feuern ihre Kameraden von der Seitenlinie aus an. Im Publikum werden Trommeln geschlagen und „Stuttgart, Stuttgart“-Rufe laut. „Wir kämpfen weiter“, sind sich die Spieler einig.

Eines ist klar: Herschenken werden die Schüler aus Möhringen den Sieg nicht. Schließlich ist es das baden-württembergische Landesfinale des Schulsportwettbewerbs „Jugend trainiert für Paralympics“. Gegner sind die Rollstuhlbasketballer der Stephen-Hawking-Schule aus Neckargemünd. Sie haben bereits viel Wettkampferfahrung, waren mehrfach beim Bundesfinale in Berlin dabei. Die Schüler an der Margarete-Steiff-Schule spielen erst seit etwa zwei Jahren Rollstuhlbasketball.

Heftiger Zusammenprall: Beide Schüler gehen zu Boden

„Wir sind der Außenseiter, aber wir haben eine starke Mannschaft“, sagt Trainer Christoph Schellinger. Es gehe in erster Linie darum, gut mitzuspielen. „Wir möchten, dass unsere Schüler mit einem guten Gefühl aus der Partie gehen“, ergänzt Jörg Friedrich, ebenfalls Trainer der Margarete-Steiff-Schüler. Unterstützt werden die beiden von Stephan Hasart vom Programm Gemeinschaftserlebnis Sport (GES) der Stadt Stuttgart. Der Verein Frauen helfen Frauen hat die speziellen Sportrollstühle für die Schüler gesponsort.

Mit dem Pfiff geht es wieder aufs Spielfeld. Der nächste Angriff der Stuttgarter prallt erneut vom Korb ab, den Rebound holen die Neckargemünder. Dritlind nimmt die Verfolgung auf – und prallt heftig mit dem Gegenspieler zusammen. Beide Jungen gehen zu Boden. Während der Gegner schnell wieder im Rollstuhl sitzt, muss der 17-jährige Möhringer Schüler vom Feld getragen werden. Das Spiel geht zunächst ohne Dritlind weiter. Dave springt ein. In den ersten zehn Minuten gibt es für die Stuttgarter aber nichts mehr zu holen: Zur Halbzeit steht es 15:0 für die Spieler der Stephen-Hawking-Schule.

Die Wende kommt zu spät

Unter tosendem Applaus kommt Dritlind nach der Behandlungspause zurück zum Team, Schulterklopfen vom Trainer, abklatschen mit dem Gegner, weiter geht’s. Doch die Stuttgarter tun sich weiterhin schwer. Der Ball prallt immer wieder vom Korb ab und landet beim Gegner. Dann fasst sich Sammy ein Herz und wirft von der Dreipunktelinie aus – Treffer. Noch während das Publikum tobt, setzt der Schüler erneut an, wieder landet der Ball im Korb. Leider kommt die Wende zu spät: Schlusspfiff. Der Gegner war einfach ein bisschen schneller und treffsicherer. Mit 27:6 ziehen die Neckargemünder ins Bundesfinale nach Berlin ein.

Den Margarete-Steiff-Schülern ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, auch wenn es in der Rollstuhlbasketball-AG der Schule eher um den Spaß am gemeinsamen Sporteln als um den Wettkampfgedanken geht. Fast 20 Jugendliche trainieren jeden Montag, darunter sind auch Schüler der benachbarten Freien Evangelischen Schule (FES). In der AG können sich die Schüler mit und ohne Behinderung aneinander messen. „Es gibt keine Berührungsängste. Alle sind mit Begeisterung dabei“, sagt Jörg Friedrich. Das bestätigt die FES-Schülerin Marleen. „Im Training merkt man gar nicht, wer von welcher Schule kommt. Wir sind richtig zusammengewachsen und wir lernen voneinander.“ Die 13-Jährige feuert ihre Mannschaft aus dem Publikum an, denn bei diesem Spiel dürfen nur die Schüler, die eine Behinderung haben, mitspielen.

Applaus von Trainern und Schulleiter

Nach dem Spiel aber hängen die Köpfe. Wie schon im vergangenen Jahr hat es nicht zum Finale gereicht. „Zwei Körbe sind einfach zu wenig“, resümiert Sammy. Vom Trainerteam gibt es hingegen Applaus und aufmunternde Handschläge. „Es war ein großes Ereignis vor einer super Kulisse“, sagt Schulleiter Peter Otto. „Letztlich hat die bessere Mannschaft gewonnen.“

Zumindest in diesem Jahr. Nächstes Jahr wollen die Stuttgarter sich den Neckargemündern erneut in den Weg stellen. „Wir sind bereits Vizemeister auf Landesebene. Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Friedrich. Denn bis auf die beiden Teams gibt es derzeit keine Schülermannschaft in Baden-Württemberg, die im Rollstuhlbasketball für die Paralympics trainiert.

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