Links nach links, alle anderen nach rechts. So funktioniert die Rettungsgasse. Foto: dpa

Seit Mai 2017 ist der Radio- und Fernsehmoderator Marcel Wagner aus Weil der Stadt Deutscher Botschafter der Rettungsgasse. Im Interview erklärt er, warum Rettungsgassen so wichtig sind - und ob er selbst immer eine bildet.

Weil der Stadt – Seit Mai 2017 ist der bekannte Radio- und Fernsehmoderator Marcel Wagner aus Weil der Stadt (Kreis Böblingen) Deutscher Botschafter der Rettungsgasse. Warum er das macht und was seine Aufgabe ist, erklärt er im Interview.

Herr Wagner, was ist Ihre wichtigste Botschaft an die Menschen auf den Straßen?

Links nach links, alle anderen nach rechts. Und das frühzeitig und dauerhaft. Dadurch kann Unfallopfern früher geholfen werden, und der Stau löst sich nachweislich schneller auf. Es haben also alle etwas von einer funktionierenden Gasse.

Was tut ein Botschafter der Rettungsgasse?

Der Botschafter macht im Prinzip zwei Dinge: Er leistet Aufklärungsarbeit und erklärt, wie und warum eine Rettungsgasse zu bilden ist. Und er versucht, dem Thema politisch mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Zudem – und da hilft mir meine Arbeit als Moderator bei n-tv, hr3 und Bayern 3 – versucht er, dieses wichtige Thema in die Medien zu bringen.

Immer wieder werden Rettungskräfte behindert. Es gehen wertvolle Minuten verloren, die im Zweifelsfall über Leben und Tod entscheiden. Woher kommt dieses rücksichtslose, oft egoistische Verhalten der Menschen?

In den meisten Fällen verbergen sich hinter dem Verhalten der Autofahrer aus meiner Sicht keine bewusste Rücksichtslosigkeit und kein absichtlicher Egoismus. In vielen Fällen sind es eher Unwissenheit darüber, wie eine Rettungsgasse zu bilden ist – etwa in engen Baustellenbereichen –, eine zu späte Reaktion, weil plötzlich der Platz für eine Rettungsgasse fehlt, und mangelndes Verständnis dafür, wie viel Platz moderne Feuerwehr- und Einsatzfahrzeuge tatsächlich brauchen. Ich will aber nicht ausschließen, dass bei manchen etwas in der Erziehung schiefgelaufen ist.

Wer kennt sich besser aus: Jüngere oder ältere Fahrer?

Bei beiden erlebe ich immer wieder Überraschungen – positive und negative.

Marcel Wagner Foto: privat

Haben Sie 2017 gleich zugesagt, als man Sie gefragt hat, ob Sie das Gesicht der Kampagne werden möchten?

Ich war sofort begeistert von der Idee. Weil ich den Einsatz für funktionierende Rettungsgassen enorm sinnvoll und wichtig finde, es geht schließlich oft um Leben und Tod. Das hängt wohl aber auch damit zusammen, dass ich die Problematik aus unterschiedlichen Perspektiven kenne.

Warum das?

Einerseits daher, dass ich früher selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr in Weil der Stadt war. Und andererseits durch zwei schwere Autounfälle auf der B 295 bei Renningen und auf der A 8 bei Leonberg, in die ich selbst unverschuldet verwickelt war.

Mal Hand aufs Herz: Bevor Sie Botschafter wurden, hatten Sie beim Autofahren immer die Rettungsgasse im Hinterkopf?

Der Einsatz für die Rettungsgasse hat mein eigenes Bewusstsein sicher noch einmal zusätzlich geschärft. Seither versuche ich, mehr Abstand zum Auto vor mir zu halten und frühzeitig eine Gasse zu bilden. Ich gestehe aber, selbst immer wieder überrascht zu sein, wie schnell der Platz dafür fehlen kann. Entsprechend wichtig ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen. Das gilt übrigens nicht nur für Autobahnen, sondern ebenso für den dichten Verkehr in den Städten.

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