Linksaußen Marcel Schiller von Frisch Auf Göppingen sieht den Olympischen Spielen mit großer Vorfreude entgegen. Foto: Baumann

Für Marcel Schiller ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. Der Handballer von Frisch Auf Göppingen spricht über sein Ziel Goldmedaille und die Sinnhaftigkeit der Spiele in Pandemie-Zeiten.

Stuttgart - Mit 270 Toren war Marcel Schiller zweitbester Torjäger der abgelaufenen Handball-Bundesligasaison. Nun peilt der 29-jährige Linksaußen von Frisch Auf Göppingen bei den Olympischen Spielen den maximalen Erfolg an.

 

Herr Schiller, wie haben Sie Ihre Nominierung für den Olympia-Kader aufgenommen?

Damit geht für mich ein absoluter Lebenstraum in Erfüllung. Es gibt für mich als Sportler nichts Größeres als die Olympischen Spiele. Ich habe sehr hart dafür gearbeitet, aber irgendwie habe ich das Ganze noch gar nicht realisiert.

Mussten Sie Ihren Clubkollegen Sebastian Heymann sehr trösten?

Dass Basti nicht dabei ist, tut mir mega leid für ihn. Er hatte alles dafür getan, um in Tokio am Ball sein zu können. Aber nach seiner Verletzung war er auf der Zielgeraden der Saison einfach körperlich und mental sehr müde. Er wird hart kämpfen, um noch besser und fitter zu werden. Ihm stehen mit seinen erst 23 Jahren alle Türen offen: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er ein großes Turnier spielen wird.

„Ich brauche einen neuen Impuls“

Auch Sie waren im Frisch-Auf-Dress gegen Rundenende nicht mehr ganz so konstant und verpassten dadurch knapp die Bundesliga-Torjägerkrone.

Mir ging es ähnlich wie Basti. Ich brauche einen neuen Impuls. Und das ist für mich jetzt die Nationalmannschaft. Da geht es bei Null los. Für mich ist das eine riesige Herausforderung.

Hat Sie bei der Nominierung der 17 Spieler durch den Bundestrainer etwas überrascht?

Nein, eigentlich nicht. Rechtsaußen Patrick Groetzki hat eine gute Saison gespielt. Ihn hätte man sicher auch mitnehmen können, aber die Konkurrenz ist auf allen Positionen sehr groß.

Wie sehr schmerzen die Ausfälle von Patrick Wiencek und Fabian Wiede?

Uns geht dadurch viel Erfahrung verloren. Bam-Bam (Anm. d. Red. Spitzname von Wiencek) ist vor allem in der Abwehr ein Mentalitätsmonster, der für viel Stabilität sorgt und mit seinem Kieler Kollegen Hendrik Pekeler glänzend eingespielt ist. Fabi ist ein toller Handballer mit enormer Spielübersicht. Aber unsere Mannschaft hat die Qualität, um das aufzufangen.

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Was müssen die Trümpfe des deutschen Teams sein?

Unsere starken Torhüter und die Abwehr, daraus müssen die einfachen Tore resultieren, das muss besser werden, als bei der WM in Ägypten. Dann haben wir sehr gute Chancen.

Auf was konkret?

Auf eine Medaille und zwar möglichst die Goldene. Das muss definitiv das Ziel sein, wenn man zu Olympia fährt.

Die Konkurrenz ist groß.

Absolut. Um etwas zu holen, musst du auf alle Fälle den Topfavoriten Dänemark schlagen. Aber auch Norwegen, Schweden, Spanien und Frankreich sind dicke Brocken.

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Die Olympia-Austragung halten Sie für vertretbar?

Ich denke ja. Wenn man sieht, dass die Fußball-EM in zehn verschiedenen Ländern ausgetragen wird, dann glaube ich schon, dass es mit einem sehr guten Hygienekonzept in Tokio gut klappen wird, ähnlich wie bei der Handball-WM in Kairo. Wir sind isoliert. Die meisten Athleten, wie zum Beispiel auch ich, sind zudem zweimal geimpft.

Haben Sie keine gemischten Gefühle etwa wegen der Delta-Variante?

Ich habe einen Riesenrespekt vor Corona, aber es kann einen auch zu Hause erwischen. Ich sehe die Spiele aber vielmehr als Lichtblick in Zeiten der Pandemie. Für mich sind sie ein Symbol der Hoffnung, für uns Sportler, aber auch für die Menschen auf der ganzen Welt.

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Wie sehen Sie die Zuschauerproblematik?

Es gibt nichts Schöneres, als vor Publikum zu spielen. Bei unserem Spiel mit Frisch Auf bei GWD Minden dachte ich, wir spielen vor 10 000 Fans, weil man einfach keine Stimmung mehr gewohnt war.

Stichwort Frisch Auf: Am 26. Juli ist Trainingsstart. Die Olympischen Spiele enden am 8. August. Wie lange bekommen Sie denn danach Sonderurlaub?

Eine Woche, aber ich erhole mich ja jetzt gerade noch ein paar Tage am Bodensee (lacht).

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