Die Stadt Marbach steht vor einer finanziellen Krise mit einem Defizit von 5,5 Millionen Euro. Die Kündigung der Projektleiterin der Gartenschau wirft Fragen auf.
Die schlechten Nachrichten scheinen nicht abzureißen. Die Stadt Marbach ist pleite. Das Defizit im Haushalt beträgt satte 5,5 Millionen Euro. Er ist nicht genehmigungsfähig. Und die Aussichten werden nicht besser: 2026 rechnet die Kämmerin der Stadt mit einem Defizit von 5,9 Millionen Euro, 2028 sogar von 8,1 Millionen Euro.
Und jetzt hat auch noch die Projektleiterin der Gartenschau Marbach und Benningen, Annette Fiss, gekündigt. Fast exakt drei Jahre, nachdem sie Anfang Juni 2022 die Projektleitung für die Gartenschau 2033 angetreten hatte.
Gerüchte um Konflikte: Was steckt hinter Fiss' Kündigung?
Über die Gründe wird viel gemunkelt. Es ist von atmosphärischen Störungen zwischen dem Marbacher Rathauschef und der Projektleiterin die Rede. Außerdem ist schon länger immer wieder zu hören, dass auch die Zusammenarbeit der kommunalen Partner nicht störungsfrei funktioniert.
Auf diese Gerüchte angesprochen, lassen beide Rathauschefs – Jan Trost in Marbach und Klaus Warthon in Benningen – wissen, dass sie dazu nichts sagen werden. Ebenso wie auf Fragen nach dem aktuellen Kostenplanungsstand, möglichen Förderungen oder ob man personell abspecken müsse. Fiss selbst ist seit Montag ebenfalls nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
In den sozialen Netzwerken wird gemutmaßt, dass die finanzielle Situation der Stadt Marbach etwas mit der Entscheidung von Fiss zu tun hat. So nach dem Motto: Die Kapitänin verlässt rechtzeitig das sinkende Schiff. Die Beteiligten äußern sich zu allem erwartungsgemäß nicht. Doch klar ist: Die finanzielle Situation könnte Auswirkungen auf das Großprojekt haben.
Laut den Bürgermeistern geht es mit der Gartenschau weiter wie gehabt. „Nach den im Februar und März auf beiden Seiten den Neckars durchgeführten Klausurtagungen besteht kein Zweifel daran, dass die Gemeinderäte in Benningen und Marbach hinter der Gartenschau 2033 stehen“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Doch in Stein gemeißelt ist das Projekt längst nicht. In der Tat sei die finanzielle Situation der Stadt Marbach ausgesprochen schlecht, erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende Ernst Morlock. Allerdings gelte dies nicht nur für Marbach. Den meisten Nachbarkommunen gehe es ebenso. „Was die Gartenschau anbelangt, sollten wir die Fertigstellung des Rahmenplans abwarten, und dann wird die Entscheidung getroffen werden müssen, ob wir uns die Gartenschau überhaupt leisten können.“
Auch Grünen-Chefin Susanne Wichmann betont, dass alles auf den Prüfstand komme. Und damit auch die Gartenschau. Die Beratungen im Gemeinderat liefen auf Hochtouren. Den Abschied von Fiss bedaure sie. „Ich habe ihre Vision einer ökologisch vorbildhaften Gartenschau und dem nachhaltigen Stadtentwicklungsprozess als eine Jahrhundertchance für Marbach geteilt.“
Die Hoffnung auf die Gartenschau „nicht begraben“
Martin Mistele, der Fraktionschef der Freien Wähler, spricht von ergebnisoffenen Diskussionen, die es geben müsse. Auch er bedaure, dass Fiss gehe. „Allerdings ist die Gartenschau ein sehr langfristiges Projekt und gleicht viel mehr einem Marathonlauf als einer Kurzstrecke. Daher begraben wir die Hoffnung auf eine Gartenschau zu diesem Zeitpunkt noch nicht, da sie eben auch eine einmalige Riesenchance für Marbach und Benningen ist.“
Für Heike Breitenbücher, Fraktionsvorsitzende der CDU, ist die Gartenschau schon immer „mehr ein Infrastrukturprojekt als eine Blümchenschau“. Es gehe um Dinge, „die uns über Jahrzehnte Verbesserung bringen“. Daher sei die Frage der Gartenschau auch die Frage: „Was entgeht uns, wenn wir sie nicht machen? Welche Chancen und Zuschüsse vergeben wir?“ Es gelte, sehr sorgsam abzuwägen, auch wie sich die Haushaltslage entwickelt.
Metin Üven, Sprecher der Gruppe Puls, sagt es sehr drastisch: „Wenn man ganz nüchtern überlegt, ist dieser Rücktritt damit verbunden, dass die Ausrichtung der Gartenschau mehr als fraglich ist. Bei der jetzigen Finanzlage ist eine Gartenschau überhaupt nicht möglich, das sollte jedem klar sein. Ich denke, wenn kein Wunder passiert, wird diese Gartenschau nicht stattfinden.“